Bundesliga

15.05.2016 - 14:00 Uhr


Mats Hummels: "Ein komisches Gefühl"

Dortmund - Zum letzten Mal hat Mats Hummels Borussia Dortmund beim 2:2 gegen den 1. FC Köln vor heimischem Publikum als Kapitän aufs Feld geführt. Im Interview nach der Partie sprach der Nationalspieler ausführlich über seine achteinhalb Jahre in Schwarz-Gelb, den Wechsel zu den Bayern und den großen Traum, sich mit dem Pokalsieg in Berlin aus Dortmund zu verabschieden.

Frage: Mats Hummels, es war nach achteinhalb Jahren Ihr letztes Heimspiel für den BVB. Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf?

Mats Hummels: Es war ein komisches Gefühl, zu wissen, dass man zum letzten Mal hier rausgeht zum Aufwärmen und sich zum letzten Mal nach dem Spiel von der Südtribüne verabschiedet. Es war alles ein so fester Bestandteil in den letzten Jahren, dass es jetzt echt seltsam ist, das nicht mehr zu haben. Ich bin kein Freund dieser letzten Male, aber davon gab es jetzt einige. Ich bin zum letzten Mal hier essen gewesen, ich bin zum letzten Mal an meiner alten Wohnung vorbei gefahren – das macht schon sentimental, aber es gehört einfach dazu. Es ist schade, aber zugleich auch schön, weil es hier eine sehr schöne Zeit war. Man muss damit klar kommen, dass man sich von bestimmten Dingen verabschieden muss.

Frage: Wie wichtig war es Ihnen, dass die Fans zum Abschied nicht wieder gepfiffen haben?

Hummels: Darüber war ich natürlich sehr froh, weil es eine lange, intensive Zeit bei der Borussia war. Ich habe auch vollstes Verständnis, dass es beim letzten Spiel gegen Wolfsburg sehr emotional war – so kurz, nachdem mein Wunsch, zu wechseln, bekannt gegeben worden war und zusätzlich infolge des Gerüchts, dass ich anscheinend unbedingt weg wollte. Von dieser Emotionalität habe ich in den letzten achteinhalb Jahren auch sehr oft profitiert. Dann muss man damit leben, wenn man auch mal ein bisschen Gegenwind bekommt. Das gehört alles dazu. Selbst wenn heute gepfiffen worden wäre, hätte es in keinster Weise die ganze Zeit für mich in meinem persönlichen Empfinden geschmälert.

"Zu früh, um sich komplett zu verabschieden"

Frage: Auf der einen Seite war es Ihr letztes Heimspiel, auf der anderen Seite aber eben noch nicht das letzte Spiel. Wie erleben Sie diesen Spagat?

Hummels: Es ist tatsächlich so ein Mittelding. Es ist noch zu früh, um sich komplett zu verabschieden – auch vom Kopf her, weil die nächste Woche nochmal unglaublich wichtig wird, weil wir im Training nochmal alles auf den Pokalsieg vorbereiten wollen, weil wir den Pokal holen wollen. Trotzdem muss man sich natürlich schon ein paar Gedanken machen. Was nimmt man mit, was nimmt man nicht mit. Es ist unvermeidbar, daran ein paar Gedanken zu verschwenden. Aber rein auf den Fußball bezogen wird der endgültige Abschied tatsächlich erst hoffentlich am nächsten Sonntag auf dem Autocorso passieren während der acht Stunden Fahrt, die wir dann mit dem Pokal haben.

Frage: Wären Sie gerne vor Ihrem letzten Heimspiel offiziell mit einem Blumenstrauß verabschiedet worden?

Hummels: Es ist schon schade so. Ich kann natürlich verstehen, dass mein Ziel FC Bayern München nicht das ist, wo man mich gerne sieht. Aber alle, die mich kennen, haben sehr großes Verständnis dafür geäußert, dass mit dem Punkt Heimat - dort wohnt meine Familie, dort wohnt die Familie meiner Frau, dort wohnen meine besten Freunde - zusammen mit dem sportlichen Reiz, den Bayern nun mal darstellt, mein Wechsel nachvollziehbar ist. Vielleicht will ich auch mir nochmal etwas beweisen, davon kann ich mich auch nicht ganz freisprechen. Ich bin froh, dass alle, die mich kennen, Verständnis für mich geäußert haben – auch meine wichtigsten Vertrauten in der Mannschaft. Auch Mitarbeiter aus dem Verein haben sich bei mir gemeldet und gesagt: "Es ist schade, aber es ist auch nachvollziehbar". Ich glaube, das ist auch eine ganz treffende Überschrift für das Ganze: Schade, aber nachvollziehbar.

"Ich werde niemanden schonen"

Frage: Wie das Leben so spielt, sind die Bayern nun der letzte Gegner am kommenden Samstag. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in das Pokalfinale?

Hummels: Natürlich mit dem Gefühl, gewinnen zu wollen. Solange ich hier bin, will ich die Bayern schlagen. Ich werde alles dafür geben mit den anderen zusammen. Wir wollen unbedingt nach langer, titelloser Zeit wieder einen Titel holen. Es ist für uns alle eine enorm wichtige Geschichte, aus diesem Spiel als Sieger hervorzugehen. Ich hoffe, das wird man auf dem Platz sehen. Und ich gehe davon aus, dass es so kommt. Für mich persönlich wird es eine große Drucksituation, da muss man nicht herum reden. Das ist ein Spiel, in dem du am besten 100 Prozent Passquote und 100 Prozent Zweikampfquote hast, sonst wird jeder Fehler seziert. Ich kann nur versprechen, dass ich alles geben und niemanden schonen werde auf dem Platz. 

Frage: Der BVB hat zuletzt drei Finals in Folge verloren. Was macht Sie zuversichtlich, dass es nach 2012 jetzt wieder klappt mit einem Finalsieg?

Hummels: Die Qualität, die wir haben! In den letzten beiden Ligaspielen haben wir es nicht mehr zu 100 Prozent geschafft, diese Qualität auch abzurufen. Das ist nachvollziehbar und menschlich, aber trotzdem schade, weil wir gerne im Rhythmus geblieben wären. Wir werden in der Woche daran arbeiten, die Intensität wieder auf den Platz zu bringen, die am Samstag notwendig sein wird, um Bayern zu schlagen. Da geht nichts mit 90 Prozent, da geht auch nichts mit 95 Prozent. Du musst trotzdem eine gewisse Lockerheit mitbringen. Wenn du verkrampfst, wirst du auch verlieren. Das ist die Kunst. In diese körperliche und mentale Lage wollen wir uns wieder versetzen, um dann wieder zu gewinnen. Dieses Gefühl, ein Finale zu gewinnen und dann zur Pokalübergabe zu schreiten, ist wirklich unersetzlich. Wir haben alle noch sehr schöne Bilder von 2012 im Kopf.

"Der Titel ist auf jeden Fall ein riesengroßes Ziel"

Frage: Sie haben die beiden sieglosen Partien in der Bundesliga angesprochen. Waren diese nur auf den Spannungsabfall zurückzuführen?

Hummels: Ein bisschen leider schon, auch wenn wir nicht offensichtlich Spannung verloren haben. Aber wir haben uns zwei Mal schwer getan, eine Fünferkette zu knacken. Gegen Köln haben wir zwar zwei Mal getroffen. Aber wir hatten auch Situationen, in denen wir offen wie ein Scheunentor waren. Da hatten wir sogar Glück, dass wir nur zwei Gegentore kassiert haben. Aber gegen Bayern wird es ein komplett anderes Spiel. Ich gehe auch nicht davon aus, dass sich die Bayern mit einer Fünferkette am Strafraum verschanzen. Ich glaube, man kann durch unsere letzten beiden Spiele keine Rückschlüsse auf das Finale in Berlin ziehen. Es wird ein komplett anderes Fußballspiel mit komplett anderen Aufgaben für jeden Einzelnen.

Frage: BVB-Präsident Rauball hat sich für Sie gewünscht, dass Sie zum Abschied mit dem Pokal volltrunken im Bett einschlafen.

Hummels: Das ist der Plan! (lacht) Wenn es soweit kommt, werde ich tatsächlich fragen, ob ich den Pokal mitnehmen darf aufs Zimmer. Der Titel ist auf jeden Fall ein riesengroßes Ziel. Wenn man als Sportler schon Titel gewonnen hat, dann weiß man, was für ein unbeschreibliches Gefühl das ist. Es ist ein gerade ein schönes Wunschdenken, den nächsten Sonntagmorgen um 5 Uhr so zu erleben. Das wäre ein sehr schöner Schlussakt.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

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