Bundesliga

18.03.2016 - 19:23 Uhr


FCA-Keeper Marwin Hitz: "Ich habe mich in Augsburg immer weiterentwickeln können"

Augsburg - Torwart Marwin Hitz ist der große Rückhalt des FC Augsburg im Kampf gegen den Abstieg. Vor dem Gastspiel von Borussia Dortmund in der WWK Arena spricht der 28-jährige über seine persönliche Entwicklung, über die Auswirkungen der Verletztungsmisere beim FCA und über Schweizer Torhüter in der Bundesliga.

bundesliga.de: Herr Hitz, wenn man sich die Werte Ihrer bisherigen drei Spielzeiten beim FC Augsburg anschaut, sieht man, dass Sie in jeder besser geworden sind. In dieser Saison haben Sie aber noch einmal einen enormen Sprung gemacht. Wie erklären Sie sich das?

Marwin Hitz: Ich darf hier seit drei Jahren auf hohem Niveau trainieren und habe mich so immer weiterentwickeln können. Schlussendlich sind aber die Spiele das Entscheidende - und ich hier gibt man mir Möglichkeit viel zu spielen. Das ist wohl der Hauptgrund für meine Weiterentwicklung. Bei beinahe jedem Spieler sieht man, dass er besser wird, wenn er die Chance auf viele Spiele bekommt.

bundesliga.de: Schauen Sie auf Ihre Noten?

Hitz: Nein. Meine Statistiken sehe ich mir bisweilen zwar an, aber auf Noten schaue ich nicht. Letztlich kann ich selbst ganz gut beurteilen, ob ich ein gutes oder ein schlechtes Spiel gemacht habe. Und auch bei guten Spielen kann man das eine oder andere noch besser machen. Um das zu erkennen, brauche ich nicht auf etwaige Noten zu schauen, sondern kann mich auf meinen Verstand verlassen.

bundesliga.de: Was unterscheidet einen guten von einem sehr guten Torwart?

Hitz: Darüber zu sprechen ist nicht einfach, wenn man selbst Torwart ist. Deshalb mache ich das auch nicht so gerne (lacht).

bundesliga.de: Aktuell gibt es mit Sommer, Bürki, Benaglio und Ihnen vier sehr gute Schweizer Stammtorhüter in der Bundesliga und in der nächsten Saison könnte mit Leipzigs Coltorti ein Fünfter dazu kommen. Purer Zufall oder hat die Schweizer Torwartausbildung einen Qualitätssprung gemacht?

Hitz: Nein. Das kann nicht nur Zufall sein. Gerade auch auf der Torwart-Position braucht man große Qualität, wenn man in Deutschland bestehen will. Schließlich gibt es hierzulande sehr viele gute Torhüter. Umso mehr bedurfte es eines kleinen Anstoßes. Diego Benaglio war der erste, der sich als Schweizer Keeper hier wirklich durchgesetzt hat. Es gab zwar auch früher schon den einen oder anderen Torwart aus der Schweiz in der Bundesliga. Aber Diego hat das Niveau noch einmal nach oben geschoben und war so der Türöffner für Torhüter aus der Schweiz. Und einen Anteil an dieser Entwicklung hat zudem Felix Magath, der Diego und später auch mich nach Wolfsburg geholt und direkt die Meisterschaft gewonnen hat.

bundesliga.de: Wenn am Sonntag der BVB in Augsburg zu Gast ist (zur Vorschau), treffen Sie auf Ihren Landsmann Roman Bürki. Haben die Schweizer untereinander einen ähnlich intensiven Kontakt, wie es bei den Brasilianern der Fall ist?

Hitz: Ich glaube, dass bei den Brasilianern der Kontakt untereinander tatsächlich ein wenig größer ist als bei uns Schweizern. (lacht) Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich ab und zu mit Diego schreibe und zuletzt auch einige Male mit Yann Sommer Kontakt hatte. Mit Roman habe ich dagegen eher weniger Kontakt. Aber wir sehen uns ja bald zehn Tage bei der Nationalmannschaft. Da gibt es genügend Gelegenheit über das eine oder andere miteinander zu sprechen.

bundesliga.de: Zuletzt waren Sommer, Bürki und Hitz die drei Schweizer Nationaltorhüter. Rechnen Sie mit dieser Besetzung auch für die EM?

Hitz: Wenn wir drei gesund bleiben und weiterhin unsere Leistung bringen, dürfte nichts dagegensprechen, dass wir bei der Europameisterschaft dabei sein werden.

bundesliga.de: Was ist drin für die Schweiz in der Gruppe A mit Rumänien, Albanien und Frankreich?

Hitz: Das erste Spiel gegen Albanien wird sehr wichtig sein. Sollten wir das gewinnen, glaube ich, dass wir eine gute Chance haben, in diesem Turnier eine wichtige Rolle zu spielen. Wir wissen aber auch, dass wir uns dafür gegenüber den Leistungen in der Qualifikation noch steigern müssen.

bundesliga.de: Vor der EM geht es aber um den Klassenerhalt des FCA. Leidet das Team ausgerechnet jetzt an den Folgen der Europa League?

Hitz: Ich kann nicht sagen, ob es zu den vielen Verletzungen nur aufgrund der Europa League gekommen ist. Aber es ist richtig, dass viele unserer Spieler durch eine Verletzung ihren Rhythmus verloren und uns gefehlt haben. Und wenn diese Spieler dann zurückkommen, fehlt Ihnen die Spielpraxis, so dass sie zunächst gar nicht bei hundert Prozent sein können. Das schafft kein Spieler, selbst dann nicht, wenn er nur zwei Wochen verletzt war. So viele Verletzte zu haben wäre wohl auch für andere Vereine mit einem breiteren Kader ein Problem. Das sieht man an Leverkusen, wo die Verletzten ebenfalls nicht zu hundert Prozent ersetzt werden können. Ich denke aber, dass wir noch das Beste daraus gemacht haben. Jetzt hoffe ich, dass wir unseren Rhythmus finden und so den Klassenerhalt schaffen können.

bundesliga.de: In der zweiten Hälfte in Darmstadt, als man nach einer schwachen ersten Halbzeit und einem zwischenzeitlichen 0:2 noch einen Punkt holte, haben gerade die Spieler, die sonst hinten dran sind, eine hervorragende Reaktion gezeigt...

Hitz: Genau! Da hat man gesehen, dass die Spieler, die bisher vielleicht nicht so zum Zug gekommen sind und nun eine Chance bekommen haben, diese genutzt haben. Diese Jungs haben es richtig gut gemacht! Sonst würden wir nicht dort stehen, wo wir aktuell sind, sondern würden wohl weiter hinten in der Tabelle liegen.

bundesliga.de: Auffällig sind die vielen Unentschieden in Spielen, die eigentlich gewonnen werden mussten, wie gegen Leverkusen. Woran liegt das?

Hitz: Es ist sehr bitter, wenn man einen 3:0-Vorsprung verspielt, wie das gegen Leverkusen der Fall war. Keine Frage, das darf nicht passieren. Andererseits haben wir in Darmstadt einen 0:2-Rückstand aufgeholt. Trotzdem sind Spiele wie gegen Frankfurt und Leverkusen natürlich sehr ärgerlich. Hätten wir die gewonnen, wären jetzt vier Punkte mehr auf unserem Konto. Allerdings bringt es jetzt nichts mehr, darüber zu lamentieren. Wir müssen nach vorne schauen und die nötigen Punkte in den kommenden Spielen einfahren.

bundesliga.de: Ausgerechnet zuhause, vor einem fantastischen Publikum, tut sich die Mannschaft aber besonders schwer...

Hitz: Wenn man sich diese Saison anschaut, hat man dieses Gefühl. Aber man muss auch sagen, dass wir zuletzt zwei sehr gute Heimspiele gezeigt haben, gegen richtig gute Mannschaften, Mönchengladbach und Leverkusen. Beide Spiele hätten wir gewinnen können, wenn nicht sogar müssen. Wir haben uns spielerisch und resultattechnisch gesteigert, und ich habe ein gutes Gefühl und freue mich auf die kommenden Heimspiele.

bundesliga.de: Das Restprogramm mit Dortmund, Stuttgart, Köln und dem HSV zuhause und Mainz, Bremen, Wolfsburg und Schalke auswärts hat es allerdings ziemlich in sich...

Hitz: Welches Restprogramm in der Bundesliga hat es nicht in sich?! Alle Mannschaften, die unten drinstehen, haben ein schwieriges Restprogramm, so dass ich mir darüber gewiss keine Sorgen mache. Man kann im Fußball gegen jede Mannschaft gewinnen. Allerdings kann man auch gegen jede verlieren.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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