Bundesliga

19.02.2016 - 17:18 Uhr


Mario Götze: "Ich schöpfe alles aus, um in die beste Form zu kommen"

Köln – Zuletzt stand Mario Götze Anfang Oktober 2015 beim Sieg des FC Bayern München gegen seinen alten Club Borussia Dortmund auf dem Platz. Danach setzte ihn ein Sehnenabriss außer Gefecht. Inzwischen hat sich der Nationalspieler aber wieder herangekämpft. Im Interview mit bundesliga.de spricht Götze über persönliche Ziele, Kritik und seine Lieblingsposition.

bundesliga.de: Sie sind nun seit einigen Wochen wieder zurück im Mannschaftstraining. Wann dürfen die Bayern-Fans mit Ihrer Rückkehr auf den Platz rechnen?

Mario Götze: Ich fühle mich gut und fit. Ich bin jetzt in der dritten Trainingswoche wieder bei der Mannschaft und freue mich auf meinen ersten Einsatz nach der Verletzung.

bundesliga.de: Sie mussten einen Sehnenabriss auskurieren und waren einige Monate außer Gefecht gesetzt. Welche Rolle spielt der Kopf nach einer so langen Pause?

Götze: Der spielt immer eine Rolle, vor allem nach solch langen Pausen. Aber ich habe eine lange und intensive Reha hinter mir, das gibt einem ein gutes Gefühl. Das gute Gefühl wird und wurde jeden Tag besser. Jetzt ist es wichtig wieder einen konstanten Rhythmus zu bekommen, aber da bin ich optimistisch.

bundesliga.de: Wie schwer ist es im Training wieder zur vollen Fitness zu kommen?

Götze: Da bleibt natürlich immer ein kleiner Unterschied – aber das Trainingsniveau bei uns ist generell sehr hoch – da fehlt am Ende dann nicht mehr viel. Ich freue mich auf jeden Fall sehr, dass ich am Wochenende wieder dabei sein kann.

bundesliga.de: Zuletzt gab es auch Kritik an Ihnen. Der Vorwurf war: Mario Götze schöpft sein Potential nicht aus.

Götze: Ich habe das natürlich gelesen, habe aber meine eigene Meinung dazu. Ich weiß, dass ich alles für Fußball tue und jede Möglichkeit ausschöpfe, in die beste Form zu kommen. Das zu lesen, ist nicht schön. Man fragt sich, ist da vielleicht was dran? Ich habe mir dann Spielstatistiken angeschaut und war dann wieder beruhigt.   

bundesliga.de: Seit Ihrem entscheidenden Tor im WM-Finale 2014 scheinen die Erwartungen an Sie noch weiter gestiegen. Wie gehen Sie damit um?

Götze: Ich versuche mir selbst Ziele zu setzen und eigene Erwartungen aufzubauen. Das hilft auch Erwartungen von außen nicht zu nah an sich heran zu lassen.

bundesliga.de: Können Sie die gestiegenen Erwartungen nachvollziehen?

Götze: Es ist normal, dass die Erwartungen steigen – vor allem nach einem WM-Final-Tor, aber einiges ist nicht immer nachvollziehbar. Wie gesagt, ich bin 23 Jahre alt und habe noch viele Ziele.

bundesliga.de: Eines Ihrer Ziele könnte in engem Zusammenhang mit dem Achtelfinale in der Champions League stehen. Nächste Woche steht das erste Duell gegen Juventus Turin an. In der Winterpause sah Bayern-Trainer Pep Guardiola sein Team noch nicht auf dem nötigen Level. Ist die Mannschaft nach den ersten Spielen in der Rückrunde weiter?

Götze: Die jüngsten Verletzungen machen die Sache natürlich nicht leichter. Aber wir hatten eine gute Vorbereitung und sind mittlerweile in einem guten Rhythmus. Unser Kader umfasst viele erstklassige Spieler und wir nehmen die Situation an und werden mit aller Konzentration in die Duelle mit Juve gehen. Wir wollen ins Finale. Vor der Champions League aber steht die Bundesliga an. Dort wollen wir unseren Vorsprung verteidigen. Deshalb gehen wir konzentriert an die Aufgabe gegen Darmstadt.

bundesliga.de: Wie sehen Ihre persönlichen Ziele für die nächsten Monate aus?

Götze: Da gibt es einige. Zuerst wollen wir die vierte Meisterschaft in Folge sichern. Das bedeutet mir, dem Team, dem Trainer und dem Verein sehr viel. Eine deutsche Meisterschaft ist nichts, was Du im Vorbeigehen gewinnst. Das ist etwas ganz Besonderes.  

bundesliga.de: Und weiter? 2013 haben Sie wegen einer Verletzung das Champions League Finale verpasst.

Götze: Ein Champions League Finale ist natürlich ein ganz besonderer Traum, den ich unbedingt verwirklichen will. Am liebsten natürlich diese Saison. Dann können wir das Pokalfinale erreichen – und im Sommer steht die Europameisterschaft in Frankreich auf dem Programm.  

bundesliga.de: In Ihrem Fall gibt es auch immer wieder Diskussionen: Wo ist Mario Götze am stärksten – in der Mitte oder auf dem Flügel?

Götze: (lacht) Es gab auch Spiele von mir auf dem Flügel, die nicht so schlecht waren. Aber jeder Fußballer hat eine Lieblingsposition. Meine liegt sicher in der Mitte, aber auch da gibt es einige Möglichkeiten. Deshalb kann man sagen, meine Lieblingsposition ist der Raum in der Mitte.

bundesliga.de: Pep Guardiola wird den FC Bayern im Sommer verlassen. Hat der baldige Abschied Auswirkungen auf die Zusammenarbeit und die gemeinsamen Ziele?

Götze: Das spielt natürlich nach einer so intensiven Zeit der Zusammenarbeit immer eine Rolle. Aber wir haben gemeinsame Ziele, die wir gemeinsam mit aller Konzentration verfolgen.

bundesliga.de: Pep Guardiola gilt als Trainer, der auf alle Details großen Wert legt. Wie war und ist die Zusammenarbeit mit ihm und was haben sie von ihm mitbekommen?

Götze: Ich habe von jedem Trainer etwas gelernt – von Jürgen Klopp, Joachim Löw und auch von Pep Guardiola. Unter Guardiola habe ich mich vor allem im taktischen Bereich verbessert. Seine Spielidee, die Ballstafetten, seine Philosophie – das war etwas was ich vorher so nicht kannte. Wie Pep Guardiola im Detail denkt, ist sehr beeindruckend. Er hat mich weitergebracht.

Das Gespräch führte Oliver Trust

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