Bundesliga

02.03.2017 - 18:26 Uhr


Marco Höger: "Denke, wir dürfen schon jetzt von einer guten Saison für den FC sprechen"

Köln - Marco Höger ist einer der unbestrittenen Erfolgsgaranten im Kader des 1. FC Köln. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der Defensivspieler, den unbedingter Einsatzwille und eine große Variabilität auszeichnen, über seinen ersten Karneval im FC-Trikot und seine Verbundenheit zur Stadt Köln, über den ganz besonderen Zusammenhalt der Mannschaft und über die bevorstehende Begegnung gegen den FC Bayern München.

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bundesliga.de: Herr Höger, Sie haben gerade erstmals als Spieler des 1. FC Köln Karneval feiern dürfen. Wie haben Sie die tollen Tage überstanden?

Marco Höger: Als gebürtiger Kölner sind mir Karnevalsfeierlichkeiten natürlich nicht fremd. Aber beim Rosenmontagszug auf dem Wagen des FC dabei gewesen sein zu dürfen, das war etwas Einzigartiges für mich. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl und ein Privileg, wenn man durch die Severinstorburg kommt und die Menschenmassen einem zujubeln.

bundesliga.de: Sportlich betrachtet waren die Karnevalstage allerdings nicht der ganz große Spaß für den FC...

Höger: Ein Stück weit mag das zutreffen. Allerdings hatten wir Spielplan-bedingt einige Auswärtsspiele, so dass man die Kirche im Dorf lassen sollte. In der Bundesliga ist es nun einmal so, dass jeder jeden schlagen kann, und dass Kleinigkeiten über den Ausgang eines Spiels entscheiden. Nuancen, die in der Hinrunde vielleicht einige Male eher auf unserer Seite waren, während sie in den vergangenen Spielen bisweilen gegen uns gesprochen haben.

bundesliga.de: Trotzdem steht der FC – wie schon zur Winterpause – weiterhin auf Platz sieben und damit in unmittelbarer Schlagdistanz zu den internationalen Plätzen...

Höger: Unsere Zielsetzung lautete von Beginn an, den Platz neun aus der vergangenen Saison zu bestätigen bzw. zu verteidigen oder die Leistungen von damals vielleicht sogar zu übertreffen. Diesbezüglich sehe ich uns nach wie vor auf einem sehr guten Weg. Am Ende der vergangenen Saison hatten wir 43 Punkte. Aktuell sind es 33, aber es stehen auch noch zwölf Spiele aus. Wir liegen also voll auf Kurs und sollten unsere Ziele erreichen können. Und ich denke, dass wir bereits jetzt von einer guten Saison für den FC sprechen dürfen. Es kann aber auch noch eine sehr gute werden.

bundesliga.de: Mit dem FC Bayern kommt aber ein Team in das RheinEnergieSTADION, das jetzt, wo die Wochen der Entscheidungen anstehen, in absoluter Topverfassung scheint.

Höger: Wir wissen um die Qualitäten der Bayern. Eine dieser Qualitäten ist es, immer dann voll da zu sein, wenn es darauf ankommt. Das haben die Münchner gerade in den vergangenen Spielen, zum Beispiel gegen Arsenal oder am Mittwochabend im DFB-Pokal gegen Schalke, wieder gezeigt. Wenn die eine oder andere Mannschaft in der Schlussphase einer Partie schon einen Sieg oder ein Unentschieden eingeplant hatte, waren die Bayern selbst noch in den allerletzten Minuten in der Lage, immer alles rauszuhauen und noch in Ingolstadt oder in Berlin zu punkten. Keine Frage also, dass das eine sehr schwierige Aufgabe für uns wird.

bundesliga.de: Eine Aufgabe, die man beim 1:1 im Hinspiel in München – damals der erste Punktverlust der Saison für die Bayern – aber durchaus bewältigen konnte.

Höger: Das stimmt. Und nun spielen wir zu Hause, wo wir in aller Regel sehr schwer zu bespielen sind, egal, wie der Gegner heißt. Und wir möchten in unserem eigenen Stadion gerne so lange wie möglich unbesiegt bleiben.

bundesliga.de: Wie wird Ihre Rolle am Samstag aussehen?

Höger:Wenn man gegen den FC Bayern spielt, weiß man, dass man nicht so viel Ballbesitz bekommen wird wie möglicherweise gegen den einen oder anderen Gegner zuvor. Also gilt es in den Zweikämpfen, in denen sich die Chance bietet an den Ball zu kommen, immer hundertprozentig da zu sein – auch wenn das nicht immer einfach ist, weil man dem Ball häufig hinterherlaufen muss. Aber wir sind als Mannschaft gut gewappnet und so stabil, dass wir ein schwächeres Spiel wie das in Leipzig zu Hause selbst gegen eine Topmannschaft wie die Bayern vergessen machen können.

bundesliga.de: "Stabil" ist ein gutes Stichwort für Ihre persönliche Saisonleistung; Sie spielen die bisher beste Spielzeit Ihrer Karriere.

Höger: Aber das ist längst nicht nur mein Verdienst. Dank der Tatsache, dass wir gerade in der Hinrunde als Mannschaft hervorragend funktioniert haben, sieht auch der Einzelne meist gut aus. Da fällt die eine oder andere Note bei einem Sieg vielleicht schon mal etwas besser aus, obwohl man selbst eher ein durchschnittliches Spiel gemacht hat. Ich selbst schaue eigentlich gar nicht so sehr auf meine Bewertungen, bekomme manches aber von Bekannten oder Verwandten zugetragen.

Video: 5 Dinge über den 1. FC Köln

bundesliga.de: Ihre Familie ist dem FC eng verbunden, Ihr Opa hat sogar für den FC gespielt.

Höger:Mein Opa hat in der Jugend für den FC gespielt, war allerdings kein Profi. Mein Vater wiederum spielt heute noch regelmäßig mit Wolfgang Overath in der Halle.

bundesliga.de: Die Familie dürfte demnach sehr stolz sein, dass Sie nun das FC-Trikot tragen?

Höger: Ich denke, dass meine Familie auch vorher, als ich noch auf Schalke gespielt habe, durchaus stolz auf mich war. Trotzdem stimmt es, dass es für eine urkölsche Familie noch einmal eine höhere Wertigkeit hat, wenn der eigene Sohn für den FC spielt. Früher haben mein Vater und mein Opa mich mitgenommen, wenn sie sich am Geißbockheim das Training anschauen wollten. Schon damals habe ich davon geträumt, irgendwann einmal dieses Trikot tragen zu dürfen. Und heute schauen die beiden häufiger gemeinsam mit meiner Mutter zu, wenn ich mit der Mannschaft trainiere. Da hat sich dieser große Traum also für uns alle in wunderbarer Weise erfüllt.

bundesliga.de: Fußball-Profis sind in gewisser Weise Ich-AGs, spielen heute hier und morgen dort. Sind Sie eine der wenigen Ausnahmen, die diese Heimatverbundenheit noch leben?

Höger: Ich glaube, dass fast jeder Profi den Traum hat einmal in seiner Karriere in der Stadt Fußball spielen zu dürfen, in der er aufgewachsen und zur Schule gegangen ist und beinahe jeden Winkel kennt. Dass ich das in dieser Form erleben kann, ist zweifelsfrei etwas ganz Besonderes.

bundesliga.de: Was macht Heimat für Sie genau aus?

Höger: Heimat ist dort, wo ich aufgewachsen bin. Ich kenne Köln aus dem Effeff. Wie gesagt, alleine die Tatsache, dass ich den Karneval erstmals im FC-Trikot miterleben durfte, ist für mich ein ganz besonderes Geschenk. Die fünfte Jahreszeit gehört für einen Kölner wie mich einfach dazu und vermittelt mir ein Gefühl von Zuhause.

bundesliga.de: Mittlerweile stehen acht gebürtige Kölner im Kader. Wie wirkt sich das aus auf das Arbeitsklima beim FC?

Höger: Diese Ansammlung von Kölnern ist für uns als Mannschaft sicher von Vorteil, weil uns das Umfeld ganz anders wahrnimmt. Die Fans im Stadion identifizieren sich viel leichter, wenn so viel kölsches Blut in der Mannschaft ist. Und sie ahnen, dass der eine oder andere von uns früher selbst auf den Plätzen gestanden oder gesessen hat, auf denen die Fans heute stehen oder sitzen. Ich bin sicher, dass eher ein Auge zugedrückt wird, wenn wir mal einen nicht so guten Tag haben, wie das in Leipzig der Fall war – solange wir alles für den FC geben.

bundesliga.de: Vor einiger Zeit haben Sie gesagt, dass bei vielen anderen Clubs neue Spieler als Konkurrenz gesehen, beim FC aber als Verstärkung verstanden werden. Das klingt fast schon ein wenig zu Fußball-romantisch?

Höger: Auf jeden Fall wäre das die Wunschvorstellung, die ich hätte, wenn ich einmal Trainer würde. Für einen Neuen ist es nie ganz leicht in einem gewachsenen Mannschaftsgefüge seinen Platz zu finden. Bei uns aber ist der erste Gedanke wirklich: "Der Junge bringt uns weiter, mit ihm werden wir noch besser und können unser Niveau noch einmal steigern". Ich halte das für sehr bemerkenswert. Schließlich ist es im Arbeitsleben generell doch eher so, dass manch einer um den eigenen Job bangt, sobald ein Neuer kommt, der vielleicht ganz besondere Fähigkeiten hat.

bundesliga.de: Der Zusammenhalt beim FC soll tatsächlich über das Übliche bei einer Profi-Mannschaft hinausgehen...

Höger: Ich finde, das ist bei uns tatsächlich so. Gerade für diejenigen, die aus anderen Regionen oder Ländern zu uns kommen, ist es doch schön, dass sie nach dem Training eben nicht alleine gelassen, sondern mal zum Essen, mal zu anderen Aktivitäten mitgenommen werden. Das schweißt zusammen.

bundesliga.de: Apropos Fußball-Romantik: Dass Anthony Modeste trotz Millionen-Angebot aus China noch nachts um 1.28 Uhr twittert „Ich bleib’ in Köln...“ ist auch nicht selbstverständlich...

Höger: Natürlich geht es um enorm viel Geld, und jeder muss für sich selbst entscheiden, wie er damit umgeht. Letztlich könnte man es wohl kaum verübeln, wenn einer bei einem solchen Angebot schwach würde. Umso mehr bestätigt die Aussage von Tony das, was ich gerade über den Zusammenhalt bei uns gesagt habe.

bundesliga.de: Der eine oder andere Kritiker führt an, dass der FC zu sehr von Modeste und seinen Toren abhängig ist. Können Sie dieser These folgen angesichts der Tatsache, dass etwa der FC Bayern oder der BVB ebenfalls sehr gut von den Toren von Robert Lewandowski und Pierre-Emerick Aubameyang leben?

Höger: Tatsache ist doch, dass der zentrale Stürmer von allen elf Spielern einer Mannschaft die höchste Wahrscheinlichkeit aufweist zum Torabschluss zu kommen. Dennoch hat das gesamte Team großen Anteil daran, wenn ein Einzelner so häufig trifft. Irgendwo her müssen die Bälle, die der Stürmer braucht, um erfolgreich zu sein, ja überhaupt erst einmal kommen. Ich habe jedenfalls noch keinen Spieler gesehen, der im Alleingang gegen elf andere gewonnen hätte. (lacht) Selbstverständlich gönnen wir alle Tony aber, dass er zurzeit so im Fokus steht. Das hat er sich mit seinen Top-Leistungen absolut verdient.

bundesliga.de: Der FC hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich und strukturell weiterentwickelt. Winkt dem Club eine noch erfolgreichere Zukunft?

Höger: Das sehe ich so. Die ständige Weiterentwicklung ist aber auch dringend notwendig, wenn man Clubs wie RB Leipzig oder Hoffenheim sieht. Wer da in seiner Entwicklung stagniert, verliert auf Dauer die Konkurrenzfähigkeit. Selbstverständlich steht bei einem Fußball-Verein das Sportliche zunächst immer im Mittelpunkt. Aber im Profi-Fußball spielen andere Faktoren nun mal ebenfalls eine Rolle. Umso schöner ist es, dass der 1. FC Köln es zurzeit in allen Bereichen richtig gut macht.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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