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Bundesliga

18.02.2016 - 15:35 Uhr


Manolo: Ein Trommler wie Hennes Weisweiler

Manolo auf seinem Stammplatz vor der Nordkurve des Bökelberg-Stadions

Nach Siegen durften auch die Spieler mal auf seine Trommel schlagen. Hier wird Uwe Kamps (l.) diese Ehre zu teil

Köln - Hennes Weisweiler war ein Visionär. Der Trainer aus dem Rhein-Erft-Kreis führte Borussia Mönchengladbach zu zahlreichen Titeln und seine Spielweise fand in ganz Europa Nachahmer. Als Weisweiler bereits zum 1. FC Köln weitergezogen war, begann abseits des Rasens eine ebenfalls wichtige Ära der Borussia. 1977 nahm zum ersten Mal ein kleiner Trommler auf dem Zaun vor der Nordkurve Platz. Seinen Namen kannte zehn Jahre später ganz Deutschland: Manolo.

Manolo hieß eigentlich Ethem Özerenler und kam 1968 als Gastarbeiter in die Bundesrepublik. Bei seinem ersten Stadionbesuch war ihm nicht genug Stimmung auf der Tribüne und so brachte er zum nächsten Heimspiel der Borussia seine Trommel mit. Schnell machte er sich in der Gladbacher Fanszene einen Namen. In Anlehnung an den wahrscheinlich berühmtesten spanischen Fan wurde er Manolo getauft. 25 Jahre lang saß er auf seinem Platz vor der Nordtribüne. Egal, welcher Trainer gerade auf dem Feld den Takt vorgab: Auf der Tribüne war es Manolo.

Ein Fan mit Star-Status

Lange vor Zeiten von Social Media wurde Manolo zu einem Medienphänomen. Der Stern schaute zu einem ausführlichem Interview bei ihm vorbei. "Keiner trommelt wie ich", behauptete er selbstbewusst. Der 1938 geborene Fan wollte mit seinen Schlägen sogar Einfluss auf den Spielverlauf nehmen: "Mit meinem Trommeln kann ich die Spieler sogar auffordern, den Ball zu passen. Oder den Ball zu halten. Das mache ich mit einem einzigen Trommelschlag."

Ob die Spieler tatsächlich nach seinem Rhythmus ihre Pässe spielten, ist eher unwahrscheinlich. Dennoch bekam Manolos Trommel auch für die Profis eine ganz besondere Bedeutung. Nach Erfolgen durften sich Stars wie Hans-Jörg Criens, Uwe Rahn oder Uwe Kamps auf seinem Instrument versuchen. Das war eine große Ehre - für die Spieler wohlgemerkt. Und wenn eine der Schlagflächen platzte, sorgten Stefan Effenberg oder Christian Hochstätter für Ersatz.

Kleff: "Mit Manolo geht ein Stück Borussia"

2002 erklang Manolos Trommel zum letzten Mal im Stadion. Wegen einer schweren Zuckererkrankung war er zu geschwächt, um weiterhin auf die Pauke zu hauen. Am 30. April 2008 verstarb Ethem Özerenler - aber Manolo wird für immer einen Platz in der Geschichte der Bundesliga haben. "Mit Manolo geht ein Stück Borussia. Es war irre, welche Stimmung er mit seiner Trommel erzeugen konnte", lobte Torhüter-Legende Wolfgang Kleff. Auch Berti Vogts betonte die Bedeutung des Kultfans: "Manolo war ein echter Fußball-Fan. Er hat uns mit seiner Trommel oft wachgerüttelt."

Im ersten Heimspiel nach Manolos Tod gedachte die Borussia ihrem berühmtesten Fan. Seine verwaiste Trommel stand vor der Nordkurve und die Fans ehrten ihn mit Sprechchören und Plakaten. Die Mannschaft lieferte eine Leistung ab, die auch Manolo erfreut hätte. Mönchengladbach gewann 3:0 gegen Wehen-Wiesbaden und sicherte sich den Aufstieg in die Bundesliga. Seitdem spielte Mönchengladbach immer in der Bundesliga. Genau, wie es sich Weisweiler und Manolo wünschen würden.

Florian Reinecke

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