Bundesliga

12.09.2016 - 09:39 Uhr


Mainz gegen Hoffenheim: Zeit für Helden

Mainz - Geschichten, so viele Geschichten! Nach diesem 4:4 zwischen Mainz 05 und der TSG Hoffenheim weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Wie ist es möglich, dass die Mainzer eine 4:1-Führung bis zur 71. Minute doch noch abgegeben haben?

Lag es vor allem an dem Platzverweis für Linksverteidiger Gaetan Bussmann? Oder doch an der Halbzeitansprache von TSG-Trainer Julian Nagelsmann, der erstmals so richtig laut geworden ist, und von seiner Mannschaft mehr Männlichkeit einforderte? Oder doch viel mehr an den Umstellungen, die Nagelsmann nach dem 0:3-Rückstand schon nach 29 Minuten vornahm? Der Hoffenheimer Trainer wechselte jedenfalls in Mark Uth und Adam Szalai zwei Stürmer ein, die die drei Tore zum Ausgleich erzieltem. Soll man die Geschichte also vor allem auf Adam Szalai fokussieren, dem in der 84. Minute der 4:4-Ausgleich gelang (zum Spielbericht) , an alter Wirkungsstätte und nach langer Zeit im Abseits?

Ein Spiel - viele Geschichten

Oder doch eher auf Uth, der mit einem Doppelschlag in der 71. und 72. Minute die Wende einläutete, obwohl er am Wochenanfang wegen muskulärer Probleme nicht hatte trainieren können? Oder sollte man doch die starke Mainzer Stunde bis zum Platzverweis nicht vergessen, in der der kleine Argentinier Pablo de Blasis mit zwei Toren wieder einmal zeigte, wie kopfballstark und geradlinig er spielen kann? Oder ist Jhon Cordoba, der Mainzer Mittelstürmer, der gerade von einer Verletzung genesen ist, und nicht nur bei seinem Tor zum 3:0 (29.) die Hoffenheimer Abwehrspieler mit seiner Durchsetzungskraft wie eine Jugendmannschaft hatte aussehen lassen, die bessere Geschichte? Wahnsinn - so viele Facetten liefert ein Spiel selten.

Link: John Cordoba & die Mainzer Stars relaxen am Rhein.

Drei Helden vom Sonntag

  • Pablo De Blasis ist mit 1,65 m der kleineste Bundesliga-Spieler, aber nicht der kopfballschwächste: Er traf schon zum zweiten Mal in der Bundesliga per Kopf. Erstmals gewann Mainz nicht, wenn Pablo De Blasis traf. Neben seinen beiden Treffern gab er noch die Torvorlage zum zwischenzeitlichen 4:1 durch Öztunali.
  • Mark Uth traf zum zweiten Mal doppelt in der Bundesliga, auch seinen ersten Doppelpack hatte er letzte Saison gegen Mainz erzielt. Unter Julian Nagelsmann hat Mark Uth in 15 Bundesliga-Spielen zehn Tor erzielt.
  • Adam Szalai war vor seinen Ausgleichstreffer 40 Bundesliga-Spiele ohne Tor; er traf zuvor zuletzt am 12. Dezember 2014 für Hoffenheim gegen Frankfurt.

Und nach diesem turbulenten Auf und Ab der Gefühle wussten auch die Trainer nicht so genau, wie sie diese 90 Minuten und vier Minuten Nachspielzeit einordnen sollten. "Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll“, meinte beispielsweise der Mainzer Trainer Martin Schmidt. Lange hatte es danach ausgesehen, als starte seine Mannschaft mit einem Traumergebnis und einer tollen Leistung in die schweren Wochen mit sieben Spielen in 21 Tagen. Am Ende aber fühlte sich die Generalprobe vor dem Start in die Europa-League-Saison am Donnerstag mit dem Heimspiel gegen die französische Spitzenmannschaft AS St. Etienne "fast wie eine Niederlage an", wie de Blasis zugab. Die Statik des Mainzer Spiels war nach dem Platzverweis komplett dahin und Trainer Schmidt klagte: "Man muss nach einer Roten Karte nicht so auseinanderfallen, man kann auch mit neun Spielern besser verteidigen." Der Schweizer wollte aber vor allem die positiven Dinge hervorheben, am Donnerstag muss seine Elf ja wieder schlagkräftig auftreten, deswegen betonte er: "Wir dürfen nicht vergessen: Wir haben eine Stunde so gespielt, wie wir uns das vorgestellt haben."

Für Trainer schwer zu ertragen

Die Hoffenheimer fuhren mit einem guten Gefühl nach Hause, schließlich hatten sie noch nie einen Drei-Tore-Rückstand in der Bundeliga aufgeholt - noch so eine Geschichte dieser irren Sause. In der Halbzeitpause wurde Trainer Nagelsmann entgegen seiner Gewohnheit lauter, normalerweise geht er analytischer vor, aber angesichts der desolaten Defensivleistung seiner Spieler wählte der 29-Jährige diesmal eine andere Lautstärke. "Die Ansprache war nicht für alle Spieler angenehm. Dann sind wir ein bisschen männlicher aufs Feld zurückgekommen", erzählte er und hatte dann doch noch eine einfache Erklärung für den kuriosen Spielverlauf: "Wir haben in der ersten Halbzeit schlecht verteidigt, Mainz in der zweiten." Für die Trainer war das schwer zu ertragen - für die Zuschauer

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter

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