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Bundesliga

10.03.2016 - 22:03 Uhr


Mainz 05-Torhüter Loris Karius: "Wir sind einfach eine geile Truppe"

Der 1. FSV Mainz 05 spielt bisher eine hervorragende Saison. Einer der Erfolgsgaranten ist dabei Loris Karius. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der Torhüter der Mainzer über die weiteren Gründe für die Stärke der Elf von Trainer Martin Schmidt, über die Zukunft des Clubs und über seine eigenen Ambitionen. 

bundesliga.de: Herr Karius, Mainz liegt mit 40 Punkten auf Rang fünf, einen Zähler hinter dem vierten und zwei hinter dem dritten Platz. Manche Experten wundern sich über diese sehr gute Platzierung, obwohl Mainz in den vergangenen sieben Jahren öfter in der oberen als in der unteren Tabellenhälfte zu finden war. Ist das Wunder also gar nicht so groß?

Loris Karius: Wunder – das wäre wohl übertrieben. Wir arbeiten Woche für Woche sehr hart und hauen uns auf dem Platz voll rein. Wie heißt es zudem so schön: Die Tabelle lügt nicht! Unsere bisherigen Punkte haben wir nicht geschenkt bekommen, da steckt viel Arbeit hinter. Mag sein, dass nicht gleich zu erwarten war, dass wir auf Platz fünf stehen würden. Ich denke aber, dass wir uns das für den Moment auf jeden Fall verdient haben.

bundesliga.de: Was macht Ihr Team, das vor der Saison mit Okazaki, Geis, Koo und Park Topspieler verloren hat, dennoch so stark?

Karius: Wir treten sehr geschlossen auf. Und, wenn Sie mir den Ausdruck erlauben, wir sind einfach eine geile Truppe! Jeder kämpft für den anderen, wir laufen extrem viel und sind für jeden Gegner sehr unangenehm.

bundesliga.de: Tatsächlich läuft Mainz mehr als jedes andere Team der Liga. Da muss man sich untereinander schon mögen, wenn jeder bereit ist, im Notfall einen Kräfte zehrenden Lauf für den anderen mitzumachen...

Karius: In der Tat ist der Zusammenhalt bei uns sehr gut. Jeder kommt mit jedem gut aus. Wir machen auch privat etwas zusammen und veranstalten zum Beispiel Mannschaftsabende. Und Vorbereitungen wie die im Winter in den Schweizer Bergen schweißen das Team noch einmal ganz besonders zusammen.

bundesliga.de: Wenn man sagt, dass eine Mannschaft viel läuft, meint man zunächst die zehn Feldspieler. Bedeutet das Mainzer System aber auch, dass der Torwart mehr laufen muss, weil er z. B. die Rolle des letzten Abwehrspielers übernimmt?

Karius: Das ist eine gute Frage, auf die ich keine passende Antwort habe. Keine Ahnung, ob ich vielleicht sogar der laufstärkste Torwart der Liga bin. (lacht) Die Jungs laufen aber natürlich mehr als ich. Meine Kern-Aufgaben sind nun mal andere.

bundesliga.de: Siegen gegen Schalke, Leverkusen und Bayern folgte zuletzt ein 0:0 gegen Darmstadt (zum Spielbericht). War dieses Spiel wie ein Blick in den Spiegel, weil Darmstadt so unangenehm zu spielen war, wie Mainz es sonst für den jeweiligen Gegner ist?

Karius: Darmstadt ist unangenehm zu spielen, das steht außer Frage. Trotzdem denke ich, dass wir das Spiel gut im Griff hatten und das bessere Team waren. Leider mussten wir in unserer besten Phase den Platzverweis für Donati hinnehmen. Ich bin sicher, dass wir das Spiel sonst gewonnen hätten. Denn selbst zu zehnt hatten wir noch gute Möglichkeiten, die Partie für uns zu entscheiden.

bundesliga.de: Wer zuvor in der Allianz Arena gewonnen hat, dem muss nun auch vor einem Gastspiel im Signal Iduna Park kaum bange sein...

Karius: Bange machen gilt für uns ohnehin nicht. Wir glauben an unsere Stärken, egal gegen welchen Gegner es geht. Wir sind variabler geworden, haben unser System in der Rückrunde noch einmal weiterentwickelt und können uns den Anforderungen durch den jeweiligen Gegner jederzeit anpassen. Und weil wir den Klassenerhalt im Grunde schon sicher haben, spüren wir keinen Druck. Angst vor der Aufgabe in Dortmund wäre also völlig fehl am Platz. Aber wir haben Respekt vor den guten Leistungen des BVB.

bundesliga.de: In Dortmund treffen Sie auf Ihren ehemaligen Trainer Thomas Tuchel, der den BVB nach einer schwierigen Saison in kürzester Zeit zurück in die nationale Spitze geführt hat. Hatten Sie das erwartet?

Karius: Auf jeden Fall. Wer mit Thomas Tuchel zusammengearbeitet hat, weiß, welch guter und intelligenter Trainer er ist. Ich halte ihn sogar für einen der besten Trainer in Deutschland. Deshalb ist der aktuelle Erfolg der Borussia für mich keine Überraschung.

bundesliga.de: Der BVB zählt zu den arrivierten Bundesliga-Clubs. Mainz auch?

Karius: Vereine wie Leverkusen, Schalke oder Gladbach stehen in der Wahrnehmung aufgrund ihrer Historie, ihres Kaders und nicht zuletzt wegen ihrer finanziellen Möglichkeiten selbst dann vor uns, wenn es dort vielleicht einmal nicht so gut läuft. Trotzdem können wir diese Teams auf dem Platz in 90 Minuten schlagen, das haben wir bereits gezeigt. Deshalb würde ich schon sagen, dass Mainz in der Bundesliga etabliert ist. Bestes Zeichen dafür: Wenn vor der Saison nach möglichen Absteigern gefragt wird, nennt heute kaum noch jemand Mainz.

bundesliga.de: Welche Entwicklungsmöglichkeiten hat der Club?

Karius: Ich sehe Mainz als Weiterbildungsverein mit einem guten Riecher für Talente. Ein Verein, der Jahr für Jahr gute Spieler für gutes Geld verkauft, junge Spieler holt und weiterentwickelt, um diese dann wiederum gewinnbringend verkaufen zu können. Ich denke nicht, dass sich daran in den kommenden Jahren etwas ändern wird. Selbst dann nicht, wenn wir uns vielleicht tatsächlich einmal fürs internationale Geschäft qualifizieren sollten.bundesliga.de: Sprechen wir über Sie: Ihre Beziehung zu Annelie, dem Model aus der Parship-Werbung hat für Schlagzeilen gesorgt. Mögen Sie das, oder stehen Sie abseits des Platzes nicht gerne im Fokus?

Karius: Ein Stück weit gehört diese Öffentlichkeit ohnehin zu unserem Job. Ich habe damit kein Problem, mein Fokus liegt aber selbstverständlich auf dem Sport. Und jede Woche brauche ich solche Berichterstattung natürlich nicht.

bundesliga.de: Wobei Sie selbst ebenfalls eine ganz gute Figur machen, und das nicht nur auf dem Platz...

Karius: Mag sein. Die meisten, die mich kennen, kennen mich aber zum Glück ausschließlich durch meine Leistungen im Tor. Und das sollte auch so bleiben.

bundesliga.de: Einer der Gründe für die bisher überragende Saison von Mainz sind diese Leistungen. Eine Zeitschrift hat Ihnen sogar eine "überragende, fast fehlerfreie Saison" attestiert. Sehen Sie das auch so, oder sind Sie selbstkritischer als die Kritiker?

Karius: Es gibt immer Dinge, die ich gerne verbessern möchte. Ganz zufrieden bin ich nie. Nach jedem Spiel arbeite ich meine Szenen deshalb noch einmal durch. Trotzdem glaube ich ebenfalls, dass ich bisher eine gute Saison spiele. Ein richtig krasser Fehler ist mir in dieser Spielzeit noch nicht unterlaufen. Aber, wie gesagt, es bleibt immer Luft nach oben.

bundesliga.de: Sie sind schon als 16-jähriger zu Manchester City gewechselt, ein großer Schritt für einen so jungen Mann. Hatten Sie keine Angst oder wenigstens ein mulmiges Gefühl, so weit weg von Familie und Freunden?

Karius: Nein. Angst hatte ich nie. Meine Entscheidung war wohl überlegt. Ich hatte alles mit meiner Familie genau durchgesprochen, so dass ich diesen Schritt damals aus voller Überzeugung gemacht habe. Trotzdem waren die ersten Monate nicht ganz einfach. Nachdem die überstanden waren, hatte ich aber eine tolle Zeit in Manchester und habe meine Entscheidung nie bereut.

bundesliga.de: Das dürfte auch für den Wechsel nach Mainz gelten. War nun der Sieg in München das bisherige Highlight Ihrer Profi-Karriere?

Karius: Siege sind immer schön, und gegen die Bayern sind sie noch einen Tick schöner. Deshalb kann man schon sagen, dass dieser Sieg wohl einer der schönsten Momente meiner bisherigen Karriere war.  Selbstverständlich hoffe ich aber, dass in Zukunft noch mehr und auch noch größere Highlights kommen werden.

bundesliga.de: Wie die Nationalmannschaft?

Karius: Mit den Positionen hinter Manuel Neuer, der Nummer zwei und der Nummer drei, werden viele Namen in Verbindung gebracht. Und das zu Recht, denn in der Bundesliga gibt es viele sehr gute Torhüter. Einer oder zwei dieser Namen stehen in der Hierarchie ganz gewiss noch vor mir, aufgrund dessen, was diese Keeper bereits geleistet haben oder wo sie aktuell spielen. Ich versuche einfach, immer alles zu geben und gute Leistungen zu zeigen. Am Ende bringt es ohnehin nichts, so oft darüber zu sprechen. Denn das beeinflusst den Bundestrainer bestimmt nicht bei seinen Entscheidungen.

bundesliga.de: Haben Sie Sorge, in Mainz nicht genügend im Fokus zu stehen, oder nehmen Sie sich Ron-Robert Zieler als Vorbild, der es in Hannover zwischenzeitlich zur deutschen Nummer drei gebracht hatte?

Karius: Mainz spielt in der Bundesliga, einer der besten Ligen überhaupt, so dass ich mich jedes Wochenende mit den Besten messen kann. Daher empfinde ich es nicht als dramatisch, dass wir noch nicht international spielen. Andere machen vielleicht sechs internationale Spiele in einer Saison. Aber ich weiß nicht, ob diese Handvoll Spiele wirklich den großen Unterschied macht. Ich sehe mich in Mainz jedenfalls sehr gut aufgehoben, da gibt es mit Sicherheit schlechtere Voraussetzungen.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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