Bundesliga

11.09.2016 - 10:55 Uhr


Lilien siegen für Johnny

Andrea Petkovic und Lilien-Kapitän Aytac Sulu enthüllen den neuen Stadionnamen

Sandro Sirigu jubelt über seinen Siegtreffer

Darmstadt - Für den SV Darmstadt 98 war die erste Heimpartie in der neuen Saison nicht irgendein Spiel. Unter der Woche hatte der Club bekannt gegeben, dass ihre Spielstätte die komplette Saison über den Namen "Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor" tragen soll. Damit wird ein ganz besonderen Fan der Lilien geehrt. Dass es dann noch einen Last-Minute-Sieg gegen Eintracht Frankfurt zu feiern gab, war umso schöner.

Sandro Sirigu gab es dann ja doch noch zu. Zuerst hatte der Abwehrspieler des SV Darmstadt noch gescherzt, sein Siegtreffer zehn Minuten nach seiner Einwechslung und kurz vor dem Abpfiff des Derbys gegen Eintracht Frankfurt sei gewollt gewesen. Aber jeder im Stadion hatte natürlich gesehen, dass der 27-Jährige diesen unfreiwillig entscheidenden Ball, der dann irgendwie über den verdutzten und machtlosen Eintracht-Torwart Lukas Hradecky zum 1:0 im entfernten Toreck landete, eigentlich als Flanke gedacht hatte. Irgendwie ist ihm der Ball also glücklich abgerutscht und mitten in sein Glück und in das Glück der Darmstädter, die sich über den ersten Sieg in der neuen Saison freuen durften. "Das ist überwältigend“, schwärmte der Torschütze und Trainer Norbert Meier gönnte diesem Sirigu "ein schönes Wochenende" - denn Matchwinner ist dieser Verteidiger in Darmstadt ja nicht sehr oft.

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Eine besondere Motivation

In der vergangenen Runde kam Sirigu nur sechs Mal zum Einsatz. Damals hieß der Trainer noch Dirk Schuster, der trainiert jetzt aber Augsburg und nach dem großen Umbruch im Kader scheint in Darmstadt irgendwie alles anders, aber doch irgendwie auch nicht. Es wird spannend zu beobachten sein, ob die Darmstädter auch mit neuem Trainer und vielen neuen Spielern wieder diesen heiteren Trotz des Underdogs entwickeln können, der sie erneut zum Klassenerhalt trägt. Eine besondere Motivation ziehen die Spieler auch aus der Umbenennung der Heimspielstätte für diese Saison in Jonathan Heimes-Stadion. Das Wissenschafts- und Technologieunternehmen Merck verzichtet dafür auf seine Namensrechte. Diese Aktion füllt den Markenkern-Slogan des Klubs - "Anders aus Tradition" - mit Leben. Die Spieler haben den am Ende verlorenen, bewundernswerten  Kampf des jungen, krebskranken Fans Jonathan Heimes miterlebt und als Beispiel genommen. Jerome Gondorf sagt: "Jonathan gehört zu der Entwicklung der letzten Jahre dazu, er hat das verdient. Für uns Spieler ist die Geschichte mit dem Stadionnamen etwas Besonderes, die zeigt, wie der Verein hier drauf ist."

"Danke Johnny"

Vor dem Anpfiff des Derbys am Samstag weihten die Verantwortlichen das Stadion mit neuem Namen würdevoll ein. "Es ist noch nichts verloren" - mit diesem Motto fing Heimes an, Geld für krebskranke Kinder zu sammeln. Mit 14 Jahren wurde bei ihm ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert. 2015 schließlich gründete er mit seiner Freundin, der Tennisspielerin Andrea Petkovic, eine Initiative unter diesem Motto und sammelte so 300.000 Euro. Auch Andrea Petkovic war da am Samstag und sagte, dass sie sich sehr freue, dass Jonathan diese Ehre zuteil werde. Sein Beispiel zeige, was man gemeinsam erreichen könne. Und der verletzte Lilien-Kapitän Aytac Sulu sagte: "Ich glaube, das wird der Mannschaft helfen, die paar Prozent mehr herauszukitzeln, die es für das große Ziel Klassenerhalt braucht". Dann wurde auf der Stadionleinwand ein Film über Heimes gezeigt, auch Jonathan Heimes‘ Vater kam zu Wort. Auf den Straßenbahnen der Stadt, die die Fans am Samstag zum Spiel brachten, stand in großen Lettern: "Danke Johnny".

Video: Emotionale Momente

Auch Darmstadts Hauptsponsor Software AG beteiligt sich am Gedenken an Jonathan Heimes und verzichtet zum ersten Todestag auf den Platz auf dem Trikot. Stattdessen wird dort stehen: "Du musst kämpfen." Lilien-Präsident Rüdiger Fritsch erklärte: "Jonathan war einer der starken Begleiter des Darmstädter Erfolgs. Trotz seiner Erkrankung hat Jonathan der Mannschaft immer wieder viel Energie gegeben." Und so soll es bleiben.

Von Tobias Schächter

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