Champions League

17.03.2016 - 08:08 Uhr


Philipp Lahm: "Wir haben nicht den Kopf verloren"

"Es ist natürlich schön, wenn man einen 0:2-Rückstand dreht"

München - Trotz des Thrillers zu später Stunde wirkte Philipp Lahm recht gefasst. 4:2 nach Verlängerung nach 0:2 zur Pause hieß es am Ende für den FC Bayern München. Juventus Turin brachte den Rekordmeister im Achtelfinale der Champions League an den Rand des Ausscheidens. Warum es doch anders kam, welche Rolle dabei Thomas Müller, Kingsley Coman und Arturo Vidal spielten und welche Wünsche es jetzt fürs Viertelfinale gibt, erklärt der Kapitän des FC Bayern im Interview.

Frage: Philipp Lahm, was ging Ihnen nach dem 0:2 durch den Kopf?

Philipp Lahm: Jetzt wird es schwer!

"Haben zu viele Fehler gemacht"

Frage: Waren Sie von der Herangehensweise von Juventus Turin überrascht?

Lahm: Unser Spiel war vor allem in der ersten Halbzeit nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Normalerweise können wir auch gegen solch ein Pressing sehr gut agieren. Gegen so eine clevere Mannschaft darf man nicht viele Fehler machen. Wir haben einfach zu viele gemacht - vor allem in der ersten Halbzeit. Das wurde dann bestraft. Aber wir wissen selbst bei einem 0:2, dass wir zuhause immer zwei Tore machen können. Juve war hinten heraus ein bisschen platt und wir waren am Ende die fittere Mannschaft. Mit dem Publikum im Rücken konnten wir das Spiel drehen.

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Frage: Was ist das für ein Wechselbad der Gefühle, wenn man eigentlich schon draußen ist und dann kommt doch noch Thomas Müller um die Ecke?

Lahm: So ist Fußball und so nah liegt das zusammen. Wir hätten 0:3 in Rückstand liegen können, aber das ist nicht passiert. Dann haben wir uns in der Halbzeit gesammelt und gesagt, dass wir kein Gegentor mehr bekommen wollen, weil es sonst vorbei ist. Wir haben immer die Möglichkeit auch in den letzten zehn Minuten zwei Tore zu machen. Zum Glück ist uns das gelungen. Wichtig war auch, dass wir den Kopf nicht verloren haben.

"Er ist ein wichtiger Spieler"

Frage: Wie wichtig ist es, jemanden wie Kingsley Coman dann noch in der Hinterhand zu haben?

Lahm: Er hat uns in dieser Saison schon sehr geholfen. Er ist ein wichtiger Spieler, egal ob er von Anfang an spielt oder von der Bank kommt. Er hat ein unglaubliches Tempo, auch im Eins-gegen-Eins. Das hilft uns weiter, vor allem wenn andere Spieler auf diesen Positionen verletzt sind. Damit hatten wir in den letzten Jahren immer ein bisschen Probleme.

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Frage: Inwieweit war Arturo Vidal auch ein Symbol des Aufbäumens?

Lahm: Alle haben super gespielt, auch Arturo. Er ist ein Arbeiter, der für die Mannschaft alles gibt und läuferisch extrem stark ist. Er hat auch die Bewegungen in die Tiefe. Er ist einfach ein sehr, sehr guter Spieler.

Frage: Pep Guardiola hat vor der Verlängerung noch eine lange Ansprache gehalten. Was hat er der Mannschaft mit auf den Weg gegeben?

Lahm: Der Trainer spricht viel mit uns: vor jedem Spiel, in der Halbzeit und immer während dem Spiel. Das ist wichtig, weil wir uns darauf einstellen und immer ein paar Änderungen vornehmen. Er ist zu 100 Prozent bei der Mannschaft und versucht sie immer wieder zu optimieren. Das macht er auch vor der Verlängerung, genauso wie in der Pause der Verlängerung.

"Wir brauchen jeden Spieler"

Frage: Kann dieser Sieg der Mannschaft noch mehr geben, weil es auch ein Sieg der Moral war?

Lahm: Vielleicht kann es noch ein bisschen enger zusammenschweißen, aber das weiß man immer erst am Ende der Saison. Es ist natürlich schön, wenn man einen 0:2-Rückstand dreht und Spieler von der Bank dabei auch noch entscheidend sind. Das trägt zum positiven Klima innerhalb der Mannschaft bei. Wie unsere Bank heute gejubelt hat, war super. Wir brauchen jeden Spieler. Wir sind in allen Wettbewerben noch dabei und deshalb ist es wichtig, dass alle Spieler, egal ob sie von Anfang an spielen, nicht im Kader sind oder von der Bank kommen, auch im Training ihre Leistung abrufen.

Frage: Haben Sie für die Auslosung am Freitag einen speziellen Wunsch? Was würden Sie von einem möglichen Bundesliga-Duell mit dem VfL Wolfsburg halten?

Lahm: Ich glaube, es ist nicht schön, wenn zwei deutsche Mannschaften aufeinandertreffen. Deutschland würde sich eher über andere Spiele freuen, sodass beide auch wirklich weiterkommen können. Wir werden es sehen. Es war jedenfalls ein hartes Achtelfinale gegen den Finalisten vom letzten Jahr. Man hat in beiden Duellen gesehen, dass zwei sehr gute Mannschaften aufeinandergetroffen sind, da entscheiden Kleinigkeiten. Jetzt schauen wir, was im Viertelfinale kommt.

Frage: Wäre Ihnen der FC Barcelona jetzt in zwei Spielen lieber oder doch erst in einem im Finale?

Lahm: Es ist kein Wunschkonzert, aber wenn, dann würde ich unterschreiben, dass wir im Finale stehen. Weil das immer das Schönste ist.

Aus München berichtet Maximilian Lotz

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