Bundesliga

13.03.2016 - 12:33 Uhr


Andrej Kramaric: Keiner für die Bank

Sinsheim - Mutig und selbstbewusst: Andrej Kramaric, Siegtorschütze gegen den VfL Wolfsburg, verkörpert das "neue" Hoffenheim und Jung-Trainer Julian Nagelsmann.

Andrej Kramaric beschwichtigte gleich: Nein, der Tritt in die Wade sei nicht so schlimm gewesen, einem Einsatz im Spiel am kommenden Wochenende beim Hamburger SV stehe nichts im Weg. Lange hatte sich der der Stürmer der TSG Hoffenheim nach dem 1:0-Sieg gegen den VfL Wolfsburg behandeln lassen. Er war ja der Siegtorschütze bei diesem für die Badener so wichtigen Erfolg, mit dem sie punktemäßig mit dem Tabellensechzehnten Eintracht Frankfurt gleichzogen und Licht im Abstiegskampf sehen.

"Andrej deutet in jeder Aktion Torgefährlichkeit an"

Schon nach drei Minuten stellte Kramaric gekonnt den Endstand her. Nach einem schönen Pass von Kevin Volland narrte er VfL-Abwehrspieler Robin Knoche und schoss den Ball dann mit der Innenseite seines starken rechten Fußes aus zwölf  Metern hoch ins lange Toreck. Ein Klassetor, das dritte im siebten Spiel, seit der Kroate im Januar von Leicester City auf Leihbasis für ein halbes Jahr zur TSG Hoffenheim gewechselt ist. Der 24-Jährige trifft im Schnitt alle 131 Minuten - eine tolle Quote. Seine drei Treffer und die eine Torvorlage bescherten den Hoffenheimern bisher vier Punkte. Gegen Wolfsburg holte er auch noch einen Elfmeter heraus, den Kevin Volland aber verschoss (57.). Kramaric gewann außerdem zehn seiner zwölf Zweikämpfe - das ist für einen Stürmer eine außergewöhnliche Quote. Der schnelle, trickreiche und zielstrebige Angreifer erfüllt bislang die Erwartungen als Hoffnungsträger im Abstiegskampf. Sportchef Alexander Rosen sagt über den Zugang: "Er ist ein sehr guter Spieler, keiner für die Bank. Er deutet in jeder Aktion Torgefährlichkeit an."

Kramaric spielt mutig und selbstbewusst, er bewegt sich geschmeidig wie ein Panther immer mit Zug zum Tor. Auch sein Trainer Julian Nagelsmann lobt. "Andrej strahlt immer Torgefahr aus und schuftet auch im Training." In Leicester standen Kramaric bei seinen Bemühungen um einen Stammplatz der Lauf von Torjäger Jamie Vardy und die guten Leistungen des ehemaligen Mainzers Shinji Okazaki im Weg. Nach seinem Wechsel fand Leicesters Trainer Claudio Ranieri aber nur gute Worte für den Kroaten, der schon acht Mal für die Nationalmannschaft seines Heimatlandes aufgelaufen ist (drei Treffer) und von der Teilnahme an der Europameisterschaft im Sommer in Frankreich träumt.

Vorbild: Davor Suker, Ronaldinho, Messi

Sein Debüt für die A-Nationalmannschaft feierte er übrigens 2014 noch unter Trainer Niko Kovac, der seit einer Woche Eintracht Frankfurt vor dem Abstieg retten soll. Als seine Vorbilder nennt Kramaric seinen Landsmann Davor Suker und den brasilianischen Zauberer Ronaldinho. Aber der Größte aller Zeiten, sagt er, sei Messi, der große Argentinier.

Kramaric fühlt sich wohl in Hoffenheim, sagt er, und auch im deutschen Fußball. "In England war es härter, hier ist es leichter für mich. Der Fußball mit mehr Ballbesitz hier entspricht mehr meinem Spiel." Kramaric, der aus der Jugend von Dinamo Zagreb stammt, empfahl sich bei HNK Rijeka mit 37 Toren in 42 Spielen für einen Wechsel zu Leicester. Für den überraschenden aktuellen Tabellenführer der Premier League traf er in 15 Einsätzen zwei Mal. Nun will er mit seinen Toren die TSG vor dem Abstieg bewahren, er sagt: "Am liebsten wäre es mir, wenn beides klappt: Leicester gewinnt in England die Meisterschaft und Hoffenheim bleibt in der Liga."

Sein Anfang in der Bundesliga verlief nicht ohne Schrammen. In Bremen schoss Kramaric bei seinem Debüt zwar gleich ein Tor, flog aber auch mit Gelb-Roter-Karte vom Platz und musste sich seinen Startelfplatz erst wieder erarbeiten. Nun gilt Andrej Kramaric bei der TSG schon als wichtiger Spieler und sagt: "Ich kann mehr, weil ich mich körperlich noch verbessern kann. Ich brauche nur mehr Spielzeit." Das klingt fast wie eine Drohung.

 

Aus Sinsheim berichtet Tobias Schächter

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