Bundesliga

21.10.2016 - 15:32 Uhr


Kevin Volland: "Wir müssen Konstanz reinkriegen, dann geht es auch nach oben"

Köln. Noch nicht ganz nach Maß verlief der Saisonstart für Bayer 04 Leverkusen. Das gilt auch für Kevin Volland, der vor der Spielzeit von der TSG Hoffenheim ins Rheinland wechselte. Bislang gelang dem Nationalspieler noch kein Bundesliga-Tor für die "Werkself". Vor dem Duell mit seinem ehemaligen Club spricht der Angreifer im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de über Kontakte in die alte Heimat, die taktischen Unterschiede zwischen Hoffenheim und Leverkusen sowie den Rückhalt des Bundestrainers.  

bundesliga.de: Herr Volland, was bedeutet für Sie, am Samstag mit Ihrem neuen Club Bayer Leverkusen zum ersten Mal als Gegner gegen die TSG 1899 Hoffenheim zu spielen?

Kevin Volland: Es ist natürlich ein besonderes Spiel für mich, ganz klar. Das geht, glaube ich, jedem so gegen die ehemaligen Kollegen. Ich hatte eine sehr schöne Zeit in Hoffenheim und habe immer noch einen sehr guten Draht zu vielen Spielern und Leuten aus dem Stab. Mit Sebastian Rudy, Mark Uth oder den Jungs aus der Physio-Abteilung habe ich regelmäßig Kontakt, das sind ja super Typen, ich freue mich, die jetzt alle wieder zu sehen. Ich denke, es sollte auch so sein, dass man nach vier Jahren in einem Verein noch gute Kumpels dort hat.

bundesliga.de: Wie schätzen Sie Hoffenheim aktuell ein, die Elf ist noch ungeschlagen?

Volland: Ich habe die Spiele mit Julian Nagelsmann mitgemacht in der letzten Rückrunde, da hat die Mannschaft einen deutlichen Schub bekommen, das hat man gemerkt. Nun hat sich diese Mannschaft auch noch gut verstärkt im Sommer, sie spielt nach vorne, ist variabel und kann verschiedene Systeme spielen. Ich denke, die TSG steht zu Recht da, wo sie steht, weil sie in Hoffenheim einfach einen guten Job machen. Das wird ein extrem schweres Spiel für uns am Samstag.

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bundesliga.de: Bayer ist derzeit Zehnter - polemisch formuliert: Steht Leverkusen derzeit auch zu Recht da, wo es gerade steht?

Volland: Wir hatten einen holprigen Start und zuletzt beim 1:2 in Bremen haben wir kein gutes Spiel gemacht. Aber wir haben zum Beispiel gegen Dortmund in der Liga und auch jetzt gegen Tottenham am Dienstag in der Champions-League, obwohl wir leider nur 0:0 gespielt haben, ansprechende Leistungen gezeigt. Wir müssen Konstanz reinkriegen, dann werden wir auch in der Tabelle nach oben klettern. Diese Leistungen müssen wir regelmäßig auf den Platz bringen, dann können wir eine Erfolgsserie starten. Aber um das zu schaffen, müssen wir hart arbeiten und dranbleiben.

bundesliga.de: Sie haben noch kein Tor erzielt, und konnten sich noch nicht als Stammkraft etablieren. Von Außen und im Groben betrachtet, müsste Ihnen der Wechsel von Hoffenheim nach Leverkusen aber eigentlich leicht fallen: Die beiden Trainer - Julian Nagelsmann und Roger Schmidt - bevorzugen beide ein Spiel mit frühem Pressing und schnellem Umschaltspiel…

Volland: … aber es gibt doch auch Unterschiede, jeder Trainer lässt dann eben doch ein bisschen anders spielen. Und in Leverkusen ist die Belastung durch die Champions League höher und die Konkurrenzsituation für jeden einzelnen Spieler natürlich größer. Das ist noch einmal eine andere Herausforderung. Die Vorbereitung lief eigentlich sehr gut für mich, der Start in die Saison aber war holprig. Ich spiele noch nicht so, wie ich es kann. Aber mit der Zeit wird alles kommen, davon bin ich überzeugt.

bundesliga.de: Ein Mittelhandbruch Anfang September hat Sie aus dem Rhythmus gebracht. Sie hatten in der Vergangenheit immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Ist es bei der Belastung, die Profis in der Bundesliga heutzutage abverlangt wird, eigentlich noch möglich mitzuhalten, wenn man nicht total fit und gesund ist?

Volland: Man braucht immer 100 Prozent Fitness, um seine beste Leistung abzurufen – egal ob in Leverkusen oder in Hoffenheim. Ich habe das in den letzten Jahren immer wieder gemerkt: Wenn man nur leicht angeschlagen oder nicht hundertprozentig fit spielt, dann fehlen einem einfach die Frische und die absolute Schnelligkeit, so wie man es gewohnt ist. Die ersten beiden Wochen nach meinem Bruch in der rechten Hand waren wirklich ungewohnt, ich konnte beispielsweise nicht richtig greifen. Und beim Fallen stütze ich mich immer eher mit der linken Hand ab, auch wenn ich auf die rechte Seite fiel. Das war eine Umstellung und hat mich auch Substanz gekostet. Aber jetzt ist die Schiene weg und ich bin wieder auf einem guten Weg.

bundesliga.de: Der Anspruch von Bayer Leverkusen vor der Saison war, den Abstand zu Vizemeister Borussia Dortmund zu verringern. Das ist bisher nicht gelungen, warum?

Volland: Wir haben unsere beste Leistung einfach nicht konstant gebracht und es nicht geschafft, mal zwei, drei Mal hintereinander so zu spielen wie beim 2:0 gegen Dortmund. Die Niederlage in Bremen jetzt tat sehr weh, weil wir sie uns selbst zuzuschreiben hatten und nicht gut gespielt haben. Wir mussten im bisherigen Saisonverlauf immer wieder diese kleinen Rückschläge verarbeiten. Aber wenn viele Spiele anstehen, dann kann man diese schlechten Leistungen auch wieder schnell vergessen machen. Unter dem Strich steht: Wir haben in der Champions League noch alle Chancen weiterzukommen und ich glaube auch, in der Bundesliga ist für uns, wenn wir uns steigern, noch viel drin. Die Saison ist noch jung.

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bundesliga.de: In Bremen haben sie nicht so gut gespielt, im nächsten Spiel gegen Tottenham waren Sie draußen. Wie gehen Sie mit dem erhöhten Konkurrenzkampf um?

Volland: Es ist klar, dass man bei der Belastung mit den vielen Wettbewerben einen großen Kader braucht, sonst erreicht man seine Ziele nicht. Wenn man, so wie ich, gegen Bremen ein schwächeres Spiel macht, dann kann es schon einmal passieren, dass man dann im nächsten Spiel gar nicht spielt, das ist normal, das wusste ich vor dem Wechsel.

bundesliga.de: In Hoffenheim waren Sie gesetzt, die Offensive wurde um sie herum gebaut. Bei Bayer wird der Angriff um Chicharito zusammengestellt. Was verändert sich dadurch für Sie, was ist anders?

Volland: Im Strafraum ist Chicharito ein überragender Spieler, wenn man ihn freispielt und er eine Chance hat, dann macht er zu gefühlt 98 Prozent ein Tor. Aber als Stürmer sollte man natürlich auch versuchen, selbst aufs Tor zu schießen. Das ist auf dem Niveau noch einmal etwas anderes, zumal die Laufwege oder die Abstimmung mit den Mitspielern sich erst verfestigen müssen, wenn man neu ist. Ich bin davon überzeugt, es dauert einfach ein bisschen, bis alles reibungslos funktioniert. Die Automatismen wie selbstverständlich abrufbar sind.

bundesliga.de: Sind das die normalen Eingewöhnungsproblemchen, die Neuzugänge oft haben, oder müssen Sie vielleicht Ihre Spielweise in einem bestimmten Bereich sogar umstellen?

Volland: Grundsätzlich hat Bayer Leverkusen mich ja auch aufgrund meiner Spielweise verpflichtet. Aber klar: Man muss sich in allen Bereichen immer verbessern. Und so gehe ich die Situation auch an: mit harter Arbeit.

bundesliga.de: Wie wichtig war es für Ihr Selbstvertrauen, dass sie zuletzt für die Nationalmannschaft nominiert wurden?

Volland: Es ist ein schönes Gefühl, wenn mich Nationaltrainer Joachim Löw immer wieder einlädt und mir auch noch das Vertrauen für einen Einsatz gibt. Alleine dabei zu sein, ist für mich eine Auszeichnung, das tut natürlich gut.

bundesliga.de: Wie lautet Ihr Tipp für das Spiel am Samstag gegen Hoffenheim?

Volland: Hm, ich sage: 3:1 für Leverkusen.

bundesliga.de: Mit dem ersten Tor von Kevin Volland?

Volland: Das wäre natürlich sehr schön. Aber das ist nicht vorrangig wichtig, auch wenn ein Erfolgserlebnis immer gut fürs Selbstvertrauen ist. Für mich ist immer am wichtigsten, dass ich ein gutes Spiel für die Mannschaft mache. Die Tore kommen irgendwann dann dazu - das habe ich in den letzten Jahren gelernt. Man darf die Geduld nicht verlieren.

Das Gespräch führte Tobias Schächter

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