Europa League

15.04.2016 - 12:34 Uhr


Weigl: "Spiel abschütteln und den Kopf freimachen"

Julian Weigl über das Aus gegen Liverpool: Es fühlt sich schrecklich an, aber wir müssen den Kopf frei bekommen

Liverpool - Das Stadion des FC Liverpool an der Anfield Road ist wohl das kultigste weltweit. Am Donnerstagabend war es Schauplatz einer weiteren magischen Nacht. Das Team von Jürgen Klopp besiegte mit einem unglaublichen Kraftakt Borussia Dortmund mit 4:3. Die Schwarz-Gelben hingegen sind nach der unnötigen Niederlage aus der Europa League ausgeschieden. Einen besseren Ort um sich (vorerst) von der europäischen Bühnen zu verabschieden, gibt es aber wohl kaum.

Trotz dieser großen verpassten Chance auf den Einzug ins Halbfinale haben die Dortmunder eine sehr starke Europa League-Saison gespielt. In der Vorrunde tat sich das Team von Trainer Thomas Tuchel jedoch noch schwer und wurde hinter dem russischen Vertreter aus Krasnodar nur Zweiter. Doch in der K.o-Phase zeigten die Dortmunder dann ihr ganzes Potenzial.

Dortmund souverän ins Viertelfinale

Im Sechzehntelfinale trafen die Dortmunder auf den FC Porto und ließen dem Champions League-Teilnehmer in beiden Duellen keine Chance. Mit den Tottenham Hotspur, die genauso, wie die Dortmunder in ihrer nationalen Liga auf Platz stehen, sollte es ein Duell auf Augenhöhe geben, doch der BVB verwies die Londoner mit zwei Siegen deutlich in die Schranken.

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Im Viertelfinale zog der ehemalige Dortmunder und Endspielbotschafter Alexander Frei dann das Traumlos für viele Fans. Dortmund gegen Liverpool. Der verlorene Sohn Jürgen Klopp kehrte knapp ein Jahr nach seinem Rücktritt zurück in sein altes Wohnzimmer. Nach dem 1:1 in Hinspiel, gestern das epische Rückspiel. Nach neun gespielten Minuten hatte wohl keiner der 45.000 Zuschauer an der Anfield Road gedacht, dass die Partie in die lange Clubgeschichte der "Reds" eingehen sollte. Mit Hochgeschwindigkeits-Fußball und schnellem Umschaltspiel überrollte die Dortmunder Offensive die Klopp Schützlinge. Henrikh Mkhitaryan und Pierre-Emerick Aubameyang erzielten die Tore für die Schwarz-Gelben.

Tuchel: "Shit happens"

Doch die Reds waren nur kurz geschockt und erspielten sich in der Folge Chance um Chance. Beim BVB schien es fast so als würde die frühe Führung das Spiel der Dortmunder hemmen. "So etwas gibt einer Mannschaft normalerweise Sicherheit", sagte Julian Weigl nach dem Spiel. "Wir hatten es absolut in der Hand zweimal und haben es dann einfach nicht geschafft das Spiel so kontrolliert zu halten. Liverpool hat unglaublichen Druck entwickelt und wir konnten uns nicht mehr befreien und hatten keine Entlastungen mehr. Deshalb muss man sagen, dass Liverpool verdient gewonnen hat."

Auch nach dem zwischenzeitlichen 3:1 durch Marco Reus schafften es die Dortmunder nicht, das Spiel wieder in den Griff zu bekommen.  Trainer Thomas Tuchel analysierte anschließend: "Uns haben das Vertrauen und die Ausstrahlung gefehlt, auch nach dem 2:3 noch mal für Ruhephasen zu sorgen und den Gegner zu bespielen. Irgendwann war die gegnerische Mannschaft völlig emotionalisiert. Am Ende bekommen wir einen späten Lucky-Punch des Gegners. Shit happens."

Anfield Road im Ausnahmezustand

Nach dem 4:3 in der Nachspielzeit durch Liverpool-Verteidiger Dejan Lovren bebte das altehrwürdige Stadion an der Anfield Road in ihren Grundfesten. Die gesamte Mannschaft feierte mit den Fans vor der legendären Tribüne "The Kop". Jürgen Klopp nahm den Siegtreffer relativ emotionslos hin, vergaß aber seine Contenance nach dem Schlusspfiff.

"Die Atmosphäre", so Weigl, "war hier auf jeden Fall grandios und es war schön hier zu führen und das hat sich gut angefühlt. Aber je länger das Spiel dauerte, desto kniffliger wurde es. Man hat die Fans gespürt, die die Mannschaft nach vorne gepeitscht haben. Wir konnten uns von ihrem Pressing nicht mehr befreien. Liverpool hat verdient gewonnen."

Fokus auf Bundesliga und DFB-Pokal

Nach dem Ausscheiden und der verpassten Titelchance auf europäischer Bühne muss der BVB sich schnell wieder auf die kommenden Aufgaben einstellen. Am Sonntag gastiert der Angstgegner Hamburger SV in Dortmund, unter der Woche steht das DFB-Pokalhalbfinale gegen Hertha BSC an.

Auch Julian Weigl will den Blick wieder nach vorne richten: "Jetzt ist es erst einmal wichtig wieder von Spiel zu Spiel zu schauen. Natürlich wollten wir so weit, wie möglich kommen und um den Titel mitspielen, das können wir jetzt abhaken. Wir müssen das Spiel jetzt abschütteln und uns wieder freimachen. So schrecklich wie es sich auch gerade anfühlt, wir müssen wieder den Kopf frei bekommen und uns auf das nächste Spiel besinnen und dann auch im DFB-Pokal weiterzukommen."

Aus Liverpool berichtet Alexander Barklage

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