Bundesliga

25.05.2016 - 11:03 Uhr


Joshua Kimmich: "Ich lerne jeden Tag dazu"

Köln - Joshua Kimmich war 2015/16 der Shootingstar beim FC Bayern München. Nur die wenigstens Experten hätten dem 21-jährigen wohl 36 Pflichtspiele in seiner ersten Saison für den Rekordmeister zugetraut. Als Lohn steht er nun im vorläufigen Aufgebot des DFB für Euro in Frankreich. Im Interview mit bundesliga.de lässt der vielseitige Defensiv-Spezialist die Saison Revue passieren, spricht über den Double-Gewinn, Pep Guardiola und die Chance, bei der EM dabei zu sein.

bundesliga.de: Herr Kimmich, was hätten Sie gesagt, wenn Ihnen jemand eine solche Saison vorausgesagt hätte: 23 Bundesligaspiele, elf Auftritte in der Champions League, das "Double" und dazu die Berufung in den vorläufigen EM-Kader von Bundestrainer Joachim Löw?

Joshua Kimmich: Dass die Saison so gut läuft haben nicht viele erwartet, auch ich nicht. Es gab durchaus auch kritische Stimmen nach meinem Wechsel zu Bayern München. Eine Mannschaft auf Weltklasse-Niveau mit vielen Welt-Stars, so war die Erwartung, da hat ein jüngerer Spieler kaum eine Chance zu spielen. Im Rückblick kann man jetzt sagen, es war der richtige Schritt. Aber, und auch das habe ich gelernt in den ersten Monaten bei einem solch außergewöhnlichen Club wie Bayern, was war zählt nicht mehr, es geht darum sich jeden Tag neu zu beweisen.

bundesliga.de: Gefeiert wird aber trotzdem nach der Meisterschaft und dem Pokalsieg? Sie gehören, ohne Übertreibung, sicher zu den Spielern der Saison und haben auch im Pokalfinale eine bemerkenswert gute Leistung gebracht.

Kimmich: (lacht) Natürlich wurde gefeiert. Ich denke, das haben wir uns verdient. Das Pokalfinale und der Pokalsieg waren ein ganz besonderes Erlebnis. Den Elfmeter hätte ich natürlich lieber gerne verwandelt. Das Spiel aber hat mir wieder gezeigt, wie großartig es ist, in einer solchen Mannschaft zu spielen. Ich habe neue Erfahrungen gesammelt und vielleicht noch ein Stückchen mehr Selbstvertrauen.   

bundesliga.de: So eine Saison hilft also dabei einen Platz in einem so gut besetzten Kader zu finden wie ihn die Bayern haben?

Kimmich: Natürlich bekommt man mehr Selbstvertrauen. Auch, weil man jeden Tag viel lernen kann. Es lief diese Saison einfach perfekt für mich. Die Mitspieler haben mir sehr geholfen und mit ihrer Erfahrung enorm unterstützt. Das macht vieles leichter. Wenn Du in engen Spielen solch erfahrene Spieler neben Dir hast, erleichtert das sehr vieles.

bundesliga.de: Im Fußball wird oft über den Übergang vom Nachwuchs- zum Profifußball gesprochen. Auch den haben Sie perfekt bewältigt.

Kimmich: Da muss jeder seinen Weg gehen. Es gibt auch viele junge Spieler, die den direkten Weg schaffen, das heißt, direkt aus der A-Jugend oder den Amateur-Teams zu den Profis. Bei mir war es ein etwas anderer Weg, aber im Rückblick, genau der richtige für mich. Ich habe nach der A-Jugend beim VfB Stuttgart in der dritten Liga bei RB Leipzig angefangen, wir sind in die 2. Bundesliga aufgestiegen – da habe ich schon einiges mitbekommen. Es ging Schritt für Schritt bei mir.

bundesliga.de: Trotz Ihrer erst 21 Jahre wirken Sie unheimlich abgeklärt und ruhig.

Kimmich: (lacht) Es freut mich, wenn das so aussieht. Aber im Ernst, es ist wichtig sich so zu geben wie man wirklich ist und, zu zeigen, was man kann. Das ist der beste Weg, es nützt nichts, wenn man versucht andere zu kopieren oder etwas darstellen zu wollen, was man nicht ist oder leisten kann.

bundesliga.de: Sie sind sehr variabel einsetzbar. Ob defensives Mittelfeld oder auf der rechten Seite der Abwehrkette – ja sogar in der Innenverteidigung . . . . .

Kimmich: . . . (lacht) . . . in der Innenverteidigung habe ich zuletzt als 13-Jähriger beim VfB Stuttgart gespielt. Dass es bei den Bayern so gut geklappt hat, liegt zuerst an den Mitspielern und unserem System mit viel Ballbesitz. Bei anderen Klubs könnte ich das sicher weniger spielen. Es geht bei den Bayern auch darum, sich mit ins Spiel nach vorne einzuschalten. Man muss vielleicht nicht so oft in Kopfballduelle wie bei anderen Teams. Und dann war da die Hilfe der erfahrenen Mitspieler.

bundesliga.de: Die Bayern, hatten vor allem im defensiven Bereich einige Verletzungen zu verkraften. Für Sie war das die Chance, zu spielen. Ist bei einer solch guten Saison aus Ihrer Sicht auch etwas Glück dabei?

Kimmich: Verletzungen von Mitspielern sind nie etwas Schönes, aber sie passieren nun mal. Für einen jungen Spieler geht es in erster Linie darum, Chancen zu nutzen, wenn sie da sind.

bundesliga.de: Welche Rolle hat Trainer Pep Guardiola für Sie gespielt?

Kimmich: Eine sehr große natürlich. Er hat mich zusammen mit den Verantwortlichen des FC Bayern geholt und mich eingesetzt, auch, wenn wir weniger Verletzte hatten wie im engen Ligaspiel gegen Borussia Dortmund und nun auch im Pokalfinale. Da spürt man als junger Spieler ein unheimliches Vertrauen, was sehr wichtig ist und hilft. Ich habe so viel gelernt in den vergangenen Monaten und ich lerne hier jeden Tag. Ich freue mich auf jede neue Anregung im Training und will mich weiter verbessern. Es geht darum, seinen Teil zum guten Spiel der Mannschaft beizutragen. Bei den Bayern habe ich auch noch intensiver gelernt wie wichtig das Gesamte ist. 

bundesliga.de: Sie gelten als eines der größten Talente im deutschen Fußball. Manche Vergleichen Sie sogar mit Philipp Lahm, der seit Jahren auf höchstem Niveau konstant außergewöhnliche Leistungen bringt.

Kimmich: (lacht) Ich würde mich nie mit Philipp Lahm vergleichen, der alles gewonnen hat in seiner Karriere. Es ist beeindruckend wie er in jedem Spiel und in jedem Training so konstant gute Leistungen bringt. Das ist höchstens etwas woran man sich als junger Spieler orientieren kann. Es ist keine schlechte Idee ihm immer genau zuzuschauen.

bundesliga.de: Nach der aufregenden Saison wartet ein nicht minder aufregender Sommer. Vielleicht die EM, dann mit Carlo Ancelotti ein neuer Trainer und die USA-Tour mit dem FC Bayern.

Kimmich: Neue Chancen sind immer spannend und wichtig. Ich freue mich wahnsinnig über die Chance im Nationalteam zu sein und werde alles tun, um zum endgültigen Kader zu gehören. Es ist ein Traum, dabei zu sein. Ich werde viele neue Dinge kennenlernen, das gilt natürlich auch in Sachen neuer Trainer.     

Das Gespräch führte Oliver Trust

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