Bundesliga

14.09.2016 - 09:37 Uhr


Joshua Kimmich: "In der Jugend war ich nicht so der Knipser"

München - Tordebüt in der Nationalmannschaft, Premierentreffer in der Bundesliga und nun die ersten beiden Tore in der Champions League: Joshua Kimmich ist binnen neun Tagen ein persönlicher Hattrick gelungen. Mit seiner neuen Torgefährlichkeit überrascht der 21-Jährige, der unter Trainer Carlo Ancelotti vorwiegend auf seiner angestammten Position im Mittelfeld ran darf, sogar seine Mitspieler beim FC Bayern München.

"Jetzt muss ich bis Samstag wieder an seinen Sprunggelenken hängen und ihn davor bewahren, dass er die Bodenhaftung verliert", sagte Stürmer Thomas Müller nach dem überzeugenden 5:0-Sieg gegen den FK Rostow. Dass diese Sorge unbegründet ist, versichert Kimmich im Interview - und liefert eine Erklärung für seine neue Abschlussstärke.

Frage: Joshua Kimmich, Glückwunsch zu Ihren beiden Toren. Kann man sagen, dass Sie im Moment einen Lauf haben?

Joshua Kimmich: Was das Toreschießen anbelangt, läuft es im Moment. Ich hoffe, dass noch das eine oder andere dazukommt. Aber Tore sind nicht alles. Es gehören noch andere Dinge dazu, um zufrieden zu sein und der Mannschaft zu helfen. Wenn es mit dem Toreschießen klappt, ist es umso schöner.

Frage: Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel wurde Trainer Carlo Ancelotti gefragt, ob Sie denn mal von Anfang an spielen. Als Sie vor einem Jahr nach München kamen, hatten Sie diesen Anspruch noch nicht.

Kimmich: Ich habe in der letzten Saison, gerade in der zweiten Saisonhälfte ziemlich oft von Anfang an gespielt. Ich habe in der Hinrunde nicht so oft gespielt, aber man darf nicht vergessen, wo ich herkam. Vor einem Jahr habe ich noch in der 2. Bundesliga gespielt. Deswegen hatte ich da auch andere Ansprüche.

Frage: Wundert Sie das manchmal selbst, wie schnell das alles gegangen ist?

Kimmich: Es geht schon ziemlich schnell, aber so ist das im Fußball: Es geht schnell nach oben, aber es kann auch schnell wieder nach unten gehen.

Frage: Sie haben im Spiel ein bisschen den Part von Xabi Alonso übernommen. Sie haben Ecken und Freistöße geschossen und waren auch sonst überall. Haben Sie sich diese Rolle so zugetraut?

Kimmich: Wenn ich spiele, versuche ich mich anzubieten. Ich möchte immer den Ball haben, mich zeigen und der Mannschaft helfen.

Frage: Sie wirken so cool und abgeklärt. Kann man Sie denn gar nicht aus der Ruhe bringen?

Kimmich: Doch schon, meine Freunde wissen, wie das geht. Aber ich bin jemand, der das alles relativ gut einschätzen kann.

Frage: Der Jubel nach dem zweiten Tor sah deutlich emotionaler aus. Was ging Ihnen dabei durch den Kopf?

Kimmich: Beim ersten Tor war es eine überragende Vorarbeit. Da gehen 80 Prozent auf Douglas Costa. Ich musste den Ball nur noch über die Linie drücken. Das zweite Tor war einen Tick anspruchsvoller, wobei es auch eine super Flanke war. Deswegen habe ich mich ein bisschen mehr gefreut - auch weil ich mal ein Tor per Kopf gemacht habe.

Frage: Haben Sie in der Jugend schon einmal so regelmäßig getroffen?

Kimmich: Nein, überhaupt nicht. Meine Kumpels haben mich deswegen auch schon geärgert, dass ich nicht gerade der Coolste vor der Hütte bin. In der Jugend war ich nicht so der Knipser.

Frage: Sie haben jetzt in den vergangenen zwei Spielen für den FC Bayern genauso viele Tore geschossen, wie in zwei Jahren für RB Leipzig. Wie erklären Sie sich Ihre neue Torgefährlichkeit?

Kimmich: Vielleicht werde ich hier ein bisschen besser in Szene gesetzt oder laufe einfach mehr dahin, wo man Tore schießen kann. Bei Leipzig habe ich mich immer um den Strafraum herum bewegt und bin nie dahin gegangen, wo es gefährlich ist. Jetzt mache ich das vielleicht einen Tick mehr.

Frage: Sind Robert Lewandowski und Thomas Müller Ihre Ratgeber?

Kimmich: Wenn man den beiden zuhört und die Augen immer schön offen lässt, kann man einiges lernen und sich abschauen.

Frage: Hat Ihr erstes Tor für die Nationalmannschaft den Knoten platzen lassen?

Kimmich: Es gibt einem schon Selbstvertrauen, wenn mal einer reingeht, egal wie. Klar denkt man sich ab und zu mal, jetzt halte ich mal drauf. Wenn man einmal getroffen hat, geht dann vielleicht auch mal glücklich einer rein.

Frage: Und am Samstag gegen den FC Ingolstadt schießen Sie dann drei Tore?

Kimmich: (lacht) Schauen wir mal.

Aus München berichtet Maximilian Lotz

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