Bundesliga

21.01.2016 - 09:00 Uhr


Jonas Hofmann: "Borussia Mönchengladbach war von Anfang an mein Topkandidat"

Mönchengladbach - Mit der Verpflichtung von Jonas Hofmann ist Borussia Mönchengladbach der Transfer-Strategie der vergangenen Zeit treu geblieben. Auch Hofmann ist einer der jungen Spieler, die bereits über ein gewisses Maß an Erfahrung verfügen, gleichzeitig aber noch deutliches Entwicklungspotenzial haben. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Hofmann über seine ersten Eindrücke vom neuen Club, über den bevorstehenden Rückrundenauftakt gegen seinen alten Verein Borussia Dortmund und über sein Ball-Geschick nicht nur im Fußball.

bundesliga.de: Jonas Hofmann, als wir im Oktober miteinander gesprochen haben trugen Sie noch das BVB-Trikot und waren mit der Akklimatisierung nach der Rückkehr aus Mainz durchaus zufrieden. Was hat sich in den darauffolgenden Monaten verändert?

Jonas Hofmann: Es stimmt: Zu Saisonbeginn waren meine Einsatzzeiten durchaus zufriedenstellend. Nach dem 3:0-Sieg gegen Bayer Leverkusen, als ich den Treffer zum 1:0 erzielt habe, ging es in der Bundesliga aber bergab, was die Einsatzzeiten anging. In der Europa League wurde ich zwar noch eingesetzt, am wichtigsten ist aber nun einmal die Bundesliga. Die Bundesliga ist die Plattform, auf der man sich zeigen können muss. Bleiben da die Einsatzzeiten aus, mag man sich anfangs vielleicht noch sagen können "die anderen müssen ja auch ihre Chancen bekommen"...

bundesliga.de: ...sehr lange beruhigt das aber wohl nicht?

Hofmann: Vor der letzten Hinrunden-Partie gegen 1. FC Köln habe ich gelesen, dass ich in den zehn Bundesligaspielen zuvor gerade einmal auf zehn Minuten Einsatzzeit gekommen bin. Da kommt man nicht umhin sich einzugestehen, dass das doch sehr mager ist. Deshalb habe ich während der Weihnachtstage mit der Familie überlegt, was zu machen ist. Letztlich ist dann alles sehr schnell gegangen und ich habe mich für Mönchengladbach entschieden. Hier sehe ich für mich die große Chance zu spielen - zumindest öfter als in Dortmund. Einsatzzeit ist in meinem Alter nun einmal das A und O, wenn man sich weiterentwickeln will.

bundesliga.de: Es soll auch andere Interessenten geben haben. Was hat den Ausschlag für Borussia Mönchengladbach gegeben?

Hofmann: Mönchengladbach hat in dieser Saison international gespielt, und ich hoffe, dass das in der kommenden Spielzeit erneut der Fall sein wird. Das sollte der Anspruch von Borussia Mönchengladbach sein. Denn die Mannschaft hat nach dem schwierigen Saisonstart gezeigt, wozu sie im Stande ist und dass sie über sehr hohe Qualität verfügt. Borussia war für mich von Anfang an mit Abstand mein Topkandidat.

bundesliga.de: Welches Gefühl hat man Ihnen in den Verhandlungen vermittelt?

Hofmann: Max Eberl und André Schubert haben mir vom ersten Moment an ein sehr gutes Gefühl gegeben. Besonders beeindruckt hat mich, wie gut man sich auf das Gespräch mit mir vorbereitet hatte. Max Eberl kannte Daten und Fakten aus der Jugendzeit meiner bisherigen Laufbahn, die ich selbst gar nicht mehr auf dem Schirm hatte. Das imponiert einem Spieler natürlich, wenn er merkt, wie groß das Interesse ist und dass er möglicherweise sogar schon sehr viel länger beobachtet wurde. Die Gespräche waren schon zu diesem frühen Zeitpunkt so vertrauensvoll, dass ich überhaupt keine andere Chance hatte als mich für die Borussia zu entscheiden. (lacht)

bundesliga.de: Wie haben Sie sich umgekehrt auf die Borussia vorbereitet?

Hofmann: "Vorbereitet" ist vielleicht etwas zu hochgegriffen...

bundesliga.de: Okay, was für ein Bild hatten Sie von Borussia Mönchengladbach?

Hofmann: Jeder Fußballer weiß, dass Borussia Mönchengladbach ein Verein mit einer großen, sehr sympathischen Ausstrahlung ist. So gibt es zum Beispiel auch in meiner Heimat (Heidelberg; d. Red.) viele Gladbach-Fans. Wenn die Anhängerschaft eines Clubs über die ganze Welt verstreut und nicht regional begrenzt ist, bedeutet das, dass dieser Verein etwas ganz Besonderes sein muss.

bundesliga.de: Sie sollen sich bei Marco Reus über die Borussia informiert haben...

Hofmann: Das ist richtig. Marco ist auch heute noch begeistert von Borussia Mönchengladbach. Er hat in den höchsten Tönen von den Spielern, mit denen er noch zusammengespielt hat, geschwärmt, ebenso wie vom Team um das Team herum und von den Menschen auf der Geschäftsstelle.

bundesliga.de: Wie hat die Mannschaft Sie aufgenommen?

Hofmann: Zwei, drei Jungs aus der Mannschaft kannte ich bereits, die anderen habe ich im Trainingslager sehr zügig kennengelernt. Mir gefällt auch, dass dieser Verein sehr familiär strukturiert ist. Hier gehen alle sehr vertraut und liebevoll miteinander um. Das macht es einem neuen Spieler leicht, sich sofort wohl zu fühlen.

bundesliga.de: Apropos sich wohlfühlen: Während unseres damaligen Gesprächs sagten Sie, ein gestandener Bundesliga-Profi sollte auf 20, 25 Spiele pro Saison kommen, deshalb würden Sie sich noch nicht als ein solcher Profi verstehen. Was macht es mit Ihnen, dass dennoch eine hohe Millionensumme für Sie gezahlt wurde?

Hofmann: Ich glaube es ist menschlich, dass einen das nicht ganz kalt lässt, wenn man mitbekommt, welche Summen da inzwischen im Spiel sind. Da gebietet es schon der sportliche Ehrgeiz, dass man dem Verein mit guten sportlichen Leistungen etwas zurückgeben möchte. Damit das aber klappt, ist es wichtig, sich durch solche Gedanken nicht irritieren zu lassen. Ich glaube aber, dass ich das ganz gut im Griff habe, nicht zuletzt durch Gespräche mit meiner Familie und meinen Freunden.

bundesliga.de: Dass Ihr erstes Pflichtspiel für den neuen Club ausgerechnet gegen den alten stattfindet, scheint einer besonderen Dramaturgie zu folgen...

Hofmann: Solche Geschichten schreibt nur der Fußball, könnte man sagen. Irgendwann wäre es aber wohl ohnehin passiert (lacht). Dass es nun gleich zu Beginn der Fall ist, löst bei mir eine Riesenfreude aus. Ich bin doch gerade erst ein paar Wochen weg aus Dortmund, da wird es sich fast ein wenig wie ein Trainings- oder ein Freundschaftsspiel anfühlen. Schließlich kenne ich die anderen Jungs sehr gut.

bundesliga.de: Werden Sie spielen?

Hofmann: Keine Ahnung! Das werden wohl die Trainingseindrücke der kommenden Tage entscheiden.

bundesliga.de: Hatten Sie seit Ihrem Wechsel Kontakt zu den alten Kollegen?

Hofmann: Anfang Januar war ich noch einmal in Dortmund und habe mich vor dem Trainingslager von allen verabschiedet. Mit dem einen oder anderen habe ich danach auch telefoniert oder per WhatsApp geschrieben. Wenn man über eine längere Zeit für einen Club gespielt hat, wäre es doch komisch, wenn man dort nicht auch einige gute Freunde gewonnen hätte.

bundesliga.de: Wird per WhatsApp auch ein wenig gefrotzelt?

Hofmann: Um ehrlich zu sein, wurde über unser Spiel noch gar nicht gesprochen beziehungsweise geschrieben. Es ging eher darum, wie das Trainingslager gelaufen ist und wie ich mich in Mönchengladbach eingelebt habe.

bundesliga.de: Kein anderer aktueller Borusse kennt das Spiel des BVB so gut wie Sie. Hat André Schubert schon um einige Geheimtipps gebeten?

Hofmann: Mittlerweile gibt es doch unzählige Informationsmöglichkeiten und alles wird so intensiv dokumentiert, dass es gar nicht mehr notwendig ist, sich Tipps von einem vermeintlichen Insider zu holen. Trotzdem würde ich lügen, wenn ich behaupten würde, dass wir in dieser Woche nicht doch bestimmt noch einmal über den BVB sprechen werden. Obwohl ich absolut überzeugt bin, dass der Trainer mindestens 95 Prozent von dem, was ich ihm sagen könnte, ohnehin längst weiß.

bundesliga.de: Wie würden Sie das BVB-Spiel charakterisieren?

Hofmann: Das Spiel des BVB ist darauf ausgelegt gerade auch durch intensives Gegenpressing sehr viel Ballbesitz zu haben, um jede Partie weitgehend dominieren zu können.

bundesliga.de: Klingt ähnlich wie das Spiel der Borussia unter André Schubert...

Hofmann: Genau. Auch wir wollen den Ball so oft wie möglich in den eigenen Reihen haben, um unser Spiel aufziehen zu können. Man könnte jetzt annehmen, dass ein solches Spiel, in dem zwei Teams mit sehr ähnlicher Spielanlage aufeinandertreffen, arg hektisch werden könnte. Das ist die eine Möglichkeit. Natürlich kann im Fußball alles aber auch ganz anders kommen als vorher gedacht. (lacht)

bundesliga.de: Stichwort Ball-Besitz: Es muss für Sie gar nicht immer ein Fußball sein, auch mit kleineren Formaten sollen Sie schon Geschick bewiesen haben...

Hofmann: Ich habe in der Kindheit und in der Jugend Handball und Golf gespielt. Handball habe ich bis zur C-Jugend sogar sehr intensiv trainiert. In der B-Jugend konnte ich allerdings nur noch an den Spielen am Wochenende teilnehmen, weil ich unter der Woche bereits Fußball trainiert habe. Ich war, wenn ich das so sagen darf, so begabt, dass ich der Mannschaft am Wochenende auch ohne Training helfen konnte.

bundesliga.de: Diese Begabung liegt wohl in der Familie...

Hofmann: Das stimmt. Meine Mutter, mein Vater und mein Bruder waren ebenfalls Handballer. Mein Vater hat in der Zweiten Liga gespielt und war zudem lange Trainer. Und mein Opa war sogar noch in der damaligen Feldhandball-Bundesliga aktiv. Eigentlich sind wir also durch und durch eine Handball-Familie. Irgendwann musste ich für mich aber eine Entscheidung treffen, und ich habe mich für den Fußball entschieden. Und das habe ich bis heute nicht eine einzige Sekunde bereut.

bundesliga.de: Verfolgen Sie die Handball-EM?

Hofmann: Auf jeden Fall. Ausfälle wie der von Mannschaftskapitän Uwe Gensheimer sind natürlich sehr bitter. Umso mehr gefällt es mir, dass die Mannschaft es bisher sehr gut gemacht hat. Schon gegen Spanien war das absolut okay. Und wie man gegen Schweden nach einem Fünf-Tore-Rückstand zurückgekommen ist und das Spiel noch gedreht hat, das war ganz große Klasse! Torwart Andreas Wolff ist eine Riesen-Entdeckung. Es ist toll zu sehen, dass der deutsche Handball dann, wenn wichtige Spieler ausfallen, genügend frische Kräfte in der Hinterhand hat.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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