Bundesliga

07.02.2016 - 20:10 Uhr


Johannes Geis: Schalkes König der Standards

Zauberfuss: Johannes Geis trifft mit einem direkten Freistoß gegen Wolfsburg.

Der Treffer war der vierte direkte Freistoßtreffer seiner Bundesliga-Karriere.

Gelsenkirchen - Er gilt als Meister der ruhenden Bälle, seine Eckstöße sind Waffen. Nur ein direkt verwandelter Freistoß im Schalker Trikot, der fehlte Johannes Geis noch. Bis Samstag. Gegen Wolfsburg zirkelte der 22-Jährige den Ball millimetergenau ins Netz und krönte sich endgültig zum König der Standards.

Die Arme weit ausgebreitet, den Kopf emporgereckt, lief Johannes Geis auf die Nordkurve zu und bejubelte sein Tor: Seht her, ich habe es vollbracht! Aus rund 25 Metern hatte er das Spielgerät auf halblinker Position über die Mauer hinweg direkt neben den linken Pfosten ins Tor befördert. Endlich war der Knoten geplatzt, endlich hatte er sein erstes Freistoßtor für seinen neuen Verein erzielt – und ganz Schalke freute sich mit ihm. "Es war schön zu sehen, dass sich Geis für das viele Freistoßtraining belohnt hat", meinte auch André Breitenreiter. (Stimmen zum Spiel)

  • Johannes Geis feierte am 24. Februar 2013 sein Bundesliga-Debüt
  • Gegen Wolfsburg verwandelte er zum vierten Mal einen Freistoß direkt
  • In der laufenden Spielzeit führteGeis ligaweit sieben Standards aus, die zu Toren führten
  • Damit gingen ALLE Schalke Standard-Tore 2015/2016 von ihm aus

Schon seit seiner Mainzer Zeit gilt der ehemalige U21-Nationalspieler als Spezialist für Standardsituationen und hat diesen Ruf auch nach dem Wechsel in den Ruhrpott untermauert. In der vergangenen Saison hatten elf ruhende Bälle des Mittelfeldspielers zu einem Treffer geführt. Nur Bremens Zlatko Junuzovic war ligaweit erfolgreicher. In  dieser Spielzeit hat Johannes Geis sogar noch einmal einen drauf gelegt und ist derzeit in der gesamten Bundesliga unter allen Profis die Nummer eins in Sachen Standards. Sieben seiner ruhenden Bälle landeten am Ende im Kasten. Darunter waren fünf Ecken – auch das ist Ligaspitze.

Geis ist die Nummer eins in Sachen Standards

Die Zahlen belegen auch, wie wertvoll Geis für die Schalker Mannschaft ist. Die Königsblauen haben in dieser Saison sieben Mal nach Standards getroffen – also immer nur, wenn Johannes Geis seine Füße am Ball hatte. Als Schalkes Nummer 5 wegen einer Sperre vier Spiele lang fehlte, blieb der FC Schalke 04 nicht nur ohne Standardtor, sondern gewann auch keine einzige Partie. Denn auch aus dem Spiel heraus ist Johannes Geis prägend; er schlug ligaweit die meisten Pässe.

Denker und Lenker im Schalke Mittelfeld

Trotz seiner jungen Jahre hat es der 22-Jährige auf Anhieb geschafft, sich zum Denker und Lenker im Schalker Mittelfeld aufzuschwingen. Auch beim Sieg über Wolfsburg machte er nicht nur zusammen mit Leon Goretzka das Zentrum dicht, sicherte ab und stopfte Löcher. Er schaltete sich auch immer wieder in den Spielaufbau ein, gab Impulse und dirigierte mit seinen Pässen das Offensivspiel.

In einer starken Teamleistung war Geis der dominante Fixpunkt und Mann des Tages. Und das eben nicht nur, aber auch wegen seines herrlichen Freistoßtreffers. Nur eine Woche zuvor hatte er einen ähnlichen Ball in Darmstadt noch an den Pfosten gesetzt und sich danach selbst Mut gemacht: "Irgendwann wird der Ball reingehen und der Knoten platzen."

Ein gesundes Selbstvertrauen, ohne dass ein Erfolg vom Freistoßpunkt wohl auch kaum möglich gewesen wäre. Denn ein außergewöhnlicher Kunstschütze ist Johannes Geis eigentlich nicht. Im Schnitt benötigt er 18 Versuche, um einen Freistoß direkt zu verwandeln. Was ihn auszeichnet, ist der unerschütterliche Glaube und der Ehrgeiz, den Ball direkt zu versenken. Nach dem Freistoßpfiff des Schiedsrichters stellt er sich immer wieder der Verantwortung. Am Samstag hat er sich für seine Mühe endlich belohnt – und sich endgültig das Krönchen für den König der Standards aufgesetzt.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte

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