Bundesliga

11.02.2016 - 10:00 Uhr


Schalkes Johannes Geis: "Diese Mannschaft kann eine groSSe Zukunft haben"

Gelsenkirchen - Nach vorübergehender Unruhe ist der FC Schalke 04 nun wieder voll im Soll und liegt auf Champions League-Kurs. Nicht zuletzt ist das auch ein Verdienst des Defensiv-Strategen Johannes Geis, der nach seiner Sperre schnell wieder zur Führungsfigur im Schalker Mittelfeld geworden ist. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Geis über den Findungsprozess der jungen Schalker Mannschaft, über ihre Zukunftsaussichten und über seine erste Rückkehr im königsblauen Dress nach Mainz am Freitagabend, wenn der FSV die Knappen empfängt.

bundesliga.de: Herr Geis, Sie sind seit gerade einem halben Jahr Knappe und haben bereits miterlebt, wie schnell sich auf Schalke die Stimmung von himmelhoch jauchzend über zu Tode betrübt zurück zu himmelhoch jauchzend umschlagen kann. Verstehen Sie die Schalker Seele schon?

Johannes Geis: Ich habe in diesen sechs Monaten tatsächlich schon einige Höhen und Tiefen erlebt. Dass die Fans sich mit uns freuen, wenn wir erfolgreich sind, aber auch mächtig leiden, wenn es mal nicht so gut läuft, gehört einfach zu Schalke. Schalke ist Religion. Das macht diesen Club aus. Und wenn man so sehr mit Leib und Seele dabei ist, sind solche Stimmungsschwankungen durchaus erklärbar. Das Wichtigste ist, dass wir uns als Mannschaft davon nicht beeinflussen lassen, sondern unseren Weg auch dann unbeirrt weitergehen, wenn mal ein Spiel verloren wird.

bundesliga.de: Das gelingt aktuell sehr überzeugend. Mit zwei Siegen und Platz vier, nur zwei Punkte hinter Platz drei, liegt Schalke auf Champions-League-Kurs. Welche Gründe sehen Sie für den Aufschwung?

Geis: Wir haben immer darauf hingewiesen, dass wir ein sehr junges Team sind, das sich noch entwickeln muss. Ich sehe das erste halbe Jahr als einen Findungsprozess, bei dem wir uns allmählich eingegroovt haben. Jeder weiß genau, was er zu tun hat. Und das zeigt sich nun auf dem Platz und in den Ergebnissen. Jetzt müssen wir weiter hart arbeiten und diese Ergebnisse bestätigen.

bundesliga.de: Sie sprechen die Altersstruktur der Mannschaft an, die zu den jüngsten der Bundesliga gehört. Was bedeutet das für Schalkes Zukunft?

Geis: Die Knappenschmiede bildet den Nachwuchs hier so gut aus, dass immer wieder junge Spieler nachrücken. Und mit André Breitenreiter hat Schalke einen Trainer, der an die jungen Spieler glaubt. Das passt. Wenn man Geduld zeigt, auch wenn es einen Durchhänger gibt und mal ein Spiel verloren wird, kann diese Mannschaft mit großen Talenten wie Leroy Sané, Max Meyer und Leon Goretzka oder ‚Schöpfi’ (Alessandro Schöpf; d. Red.), der jetzt noch dazu gekommen ist, eine große Zukunft haben.

bundesliga.de: Talent weckt allerdings Begehrlichkeiten. Haben Sie keine Sorge, dass das, was sich gerade entwickelt, im Sommer bereits wieder auseinander gerissen werden könnte?

Geis: Ob wir auch in der kommenden Saison so aufgestellt sind wie das im Augenblick der Fall ist, kann niemand mit absoluter Sicherheit sagen. Dass aber eine komplette Achse wegbrechen könnte, das vermag ich mir nicht vorzustellen. Jeder bei uns weiß, dass es ein Privileg ist Bundesliga zu spielen, noch dazu bei einem so großen Club wie Schalke 04. Das Gefühl in der Veltins Arena auflaufen zu dürfen, einem der tollsten Stadien in Europa, ist unbezahlbar. Letztlich aber muss natürlich jeder für sich entscheiden, was das Beste für ihn ist.

bundesliga.de: Was würden Sie raten?

Geis: Ich erinnere mich sehr gut daran, wie herzlich ich hier im vergangenen Sommer aufgenommen worden bin. Hier stimmen Mannschaftsklima und Teamgeist einfach. Und es wird einem jungen Spieler verziehen, wenn er mal zwei, drei schlechte Spiele macht. Das ist enorm wichtig für einen Spieler, der neu in eine Mannschaft kommt.

bundesliga.de: So wie Schalke in dieser Saison schon eine schwierige Phase zu überstehen hatte, mussten auch Sie sich nach Ihrer Sperre zurückkämpfen. Wie haben Sie diese Zeit wahrgenommen?

Geis: Das war eine sehr schwierige Zeit für mich. Zum einen durch das, was über mich geschrieben wurde. Zum anderen aber auch, weil es sehr schmerzhaft war mitzuerleben, dass ich der Mannschaft in einer ohnehin schwierigen Phase nicht helfen konnte. Trotzdem habe ich auch aus dieser schwierigen Situation etwas mitnehmen können und glaube, dass mich diese Zeit stärker gemacht hat. Mag sein, dass es nach meiner Rückkehr auf den Platz ein klein wenig gedauert hat, bis ich meinen Rhythmus wieder gefunden hatte. Aber das ist ganz normal. Und jetzt bin ich wieder richtig in der Spur.

bundesliga.de: Sie sind bereits im sechsten Jahr Profi und gelten als Führungsspieler. Da vergisst man bisweilen fast, dass Sie gerade einmal 22 sind...

Geis: Es ist wirklich alles sehr schnell gegangen in den vergangenen Jahren. In Fürth habe ich mit 16 mein Profi-Debüt gefeiert, später folgte dort dann mein Bundesliga-Debüt. Von dort ging es nach Mainz, und jetzt bin ich Schalker. Da muss ich mich manchmal wirklich selbst kneifen. Vor allem, wenn ich - obwohl ich doch selbst noch so jung bin - den noch Jüngeren schon mal Hilfestellung geben soll.

bundesliga.de: Hatten Sie nie das Gefühl, das andere, das Leben jenseits des Fußballs zu verpassen?

Geis: Mag sein, dass es manchmal auch ganz schön gewesen wäre, ein "ganz normaler" Junge zu sein. Aber es war immer mein Ziel, Profi-Fußballer zu werden. Diesem Ziel habe ich alles andere untergeordnet und bin dafür schon als Kind jeden Tag auf den Fußballplatz gegangen. Im Übrigen bleibt etwa in der Sommerpause genügend Freizeit, um etwas mit den Kumpels oder mit der Familie zu unternehmen.

bundesliga.de: Am Freitag kehren Sie als Schalker erstmals nach Mainz zurück (zur Vorschau). Wie werden die Fans Sie empfangen?

Geis: Ich habe Mainz nicht im Schlechten verlassen. Und ich glaube, dass die Mainzer Fans durchaus zu schätzen wissen, dass ein Spieler, der sich weiterentwickelt hat, irgendwann auch neue Ziele verfolgen möchte. Zumal die Transfersumme es dem Club auch ermöglicht, neue gute Spieler zu verpflichten. Ich glaube jedenfalls nicht, dass man mich unfreundlich empfangen wird.

bundesliga.de: Mainz liegt in der Tabelle nur drei Punkte hinter Schalke. Hätten Sie Ihrem Ex-Club das nach der schwierigen Vorsaison und den Abgängen von Leistungsträgern wie Okazaki und Ihnen zugetraut?

Geis: Dass es zunächst nicht ganz leicht werden würde, habe ich vermutet. Das konnte man zu Saisonbeginn auch sehen. Trotzdem habe ich nie daran gezweifelt, dass Mainz durchaus um die Europa-League-Plätze mitspielen kann. Diese Truppe hat einen tollen Teamgeist, und Trainer Martin Schmidt macht einen sehr guten Job. Zudem hat man mit Yoshinori Muto und Jhon Cordoba erneut Spieler verpflichten können, die sich in kürzester Zeit in den Blickpunkt gespielt haben. Und Yunus Malli hat bisher eine so gute Saison gespielt, dass er für mich aktuell einer der besten Zehner der Bundesliga ist.

bundesliga.de: Was für eine Partie erwarten Sie?

Geis: Ich weiß nur allzu gut, was Freitagabend in Mainz los sein wird, wenn Schalke kommt! Die Jungs werden uns alles abverlangen, so dass ich davon ausgehe, dass es lange Zeit Spitz auf Knopf stehen wird. Dieses Spiel wird über den Kampf entschieden. Deshalb müssen wir alles reinhauen - so wie in den vergangenen Spielen auch!

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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