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Bundesliga

14.03.2016 - 15:44 Uhr


Jhon Cordoba: "Ich will ein groSSer Spieler werden, deshalb muss ich dran bleiben"

Mainz - Jhon Cordoba war gerade einmal 18 Jahre alt als er aus Kolumbien zum mexikanischen Club Chiapas wechselte. Von dort ging es dann schnell nach Europa, genauer gesagt nach Barcelona. Heute steht er beim 1. FSV Mainz 05 unter Vertrag. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht er über seine ersten Fußballjahre, den Wechsel nach Europa und seine Entwicklung in Mainz.

bundesliga.de: Herr Cordoba, Kolumbien hat ja viele große Stürmer herausgebracht, Faustino Asprilla zum Beispiel, oder Adolfo Valencia, den alle "el tren" (den Zug) nannten und der in den 90er-Jahren beim FC Bayern spielte. Sind das Ihre Vorbilder?

Jhon Cordoba: Ich persönlich habe Didier Drogba als Vorbild.

bundesliga.de: Warum?

Cordoba: Ich mag einfach seine körperliche Spielweise, die er in seiner besten Zeit beim FC Chelsea gezeigt hat.

bundesliga.de: Diese Körperlichkeit legen ja auch Sie an den Tag…

Cordoba: …ja, ich pflege auch diesen Stil, den Drogba gezeigt hat. Der passt ganz gut zu mir und meinen körperlichen Voraussetzungen, deswegen habe ich vielleicht auch bei Drogba genauer hingeschaut.

bundesliga.de: Sie kommen aus Istmina, im Westen Kolumbiens. Wie ging es für Sie dort los mit dem Fußballspielen?

Cordoba: Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen, in dem es aber eine Fußball-Akademie gab. Mit sieben Jahren habe ich dort angefangen zu kicken. Und als ich elf Jahre alt war, bin ich dann schon zu einer professionelleren Akademie gewechselt, wo ich auf einer höheren Ebene trainieren konnte.

bundesliga.de: War für Sie schon als Kind klar, Profi werden zu wollen?

Cordoba: Die Leidenschaft für den Fußball trieb mich immer an, es war immer mein Traum, Profi zu werden.

bundesliga.de: Ihr Weg ist ungewöhnlich - über Kolumbien nach Mexiko und dann über Spanien nach Deutschland.

Cordoba: So ungewöhnlich ist das nicht. Mexikanische Clubs bedienen sich ganz gerne in Kolumbien. Ich bin nach Chiapas gewechselt, weil der Club dort mich als Nachfolger für Jackson Martinez haben wollte, der gerade zum FC Porto gewechselt war. Von der Spielanlage her ähnele ich Martinez, aber es waren natürlich große Fußstapfen, in die ich dort getreten bin.

bundesliga.de: Sie waren noch sehr jung, 18 Jahre. Wie kamen Sie zurecht in Mexiko?

Cordoba: Ich war zum ersten Mal alleine im Ausland, in einem neuen Land. Das war kulturell und auch fußballerisch ein großer Schritt für mich.

bundesliga.de: Nach einem Jahr ging es schon weiter zu Espanyol Barcelona.

Cordoba: Ich war mit der U 21 von Kolumbien in Frankreich und bei der U 20-WM in der Türkei, da ist Barcelona auf mich aufmerksam geworden und dann hat es auch schnell mit dem Wechsel geklappt.

bundesliga.de: Aber nach einem Jahr ging es gleich weiter nach Granada…

Cordoba: …ja, Granada hat die Ablösesumme nach Mexiko bezahlt, deswegen bin ich da hin. Ich wollte in Europa bleiben und mich in Spanien beweisen.

bundesliga.de: Wiederum ein Jahr später wechselten Sie dann nach Mainz.

Cordoba: Ja, ich konnte in Granada nicht so spielen wie ich konnte, auch bei der Mannschaft lief es nicht so gut. Als das Angebot aus Mainz kam, bis zum Saisonende hier zu spielen, habe ich das gemacht.

bundesliga.de: Was haben Sie denn vom 1. FSV Mainz 05  gewusst, als Sie hierherkamen?

Cordoba: Ganz ehrlich. Ich habe mich vor allem von Elkin Soto beraten lassen, der lange hier gespielt hat und in Kolumbien Nationalspieler war.

bundesliga.de: In Mainz spielten Sie zunächst nicht.

Cordoba: Ja, ich hatte einige Verletzungen, die mich anfangs zurückwarfen. Aber ich bin jetzt in einer der wichtigsten Ligen der Welt. Hier zu spielen, war ein großes Ziel von mir. Ich wusste nach den anfänglichen Schwierigkeiten aber, dass ich mich rankämpfen kann.

bundesliga.de: Würden Sie sagen, dass Sie sich im letzten halben Jahr hier in Mainz unter Trainer Martin Schmidt als Spieler verbessert haben?

Cordoba: Ich muss immer weiter an mir arbeiten, ich bin noch lange nicht da, wo ich sein will. Ich will ein großer Spieler werden, deshalb muss ich dran bleiben. Ich bin froh, dass nun auch die ersten Tore gekommen sind. Physisch habe ich mich hier gesteigert, ich kann 90 oder sogar 95 Minuten die Mainzer-Spielweise durchhalten.

bundesliga.de: Nach dem Spiel gegen Leverkusen schienen Sie körperlich total am Ende?

Cordoba: Ja, ich war so fertig, dass ich mich bei Interviews stützen lassen musste, ich hatte so viele Krämpfe. Aber mit ein bisschen Erholung geht das dann schnell wieder.

bundesliag.de: Würden Sie sagen, dass Trainer Schmidt Sie mit dem harten Training dahin gebracht hat, wo Sie im Moment stehen?

Cordoba: Ich bin dem Trainer, aber auch dem Management und den Mitspielern sehr dankbar, dass Sie Geduld mit mir hatten und mir vertraut haben. Ich bin glücklich, dass ich dieses Vertrauen nun zurückzahlen kann.

bundesliga.de: Wie schätzen Sie die Bundesliga im Vergleich zur spanischen Primera Divison ein?

Cordoba: Das sind zwei komplett unterschiedliche Ligen. In der Bundesliga musst du 90 Minuten Vollgas geben, du darfst nicht eine Sekunde nachgeben. In Spanien geht es ruhiger zu, es geht mehr um Ballbesitz und Taktik, hier wird mehr gearbeitet. In Spanien gibt es nur zwei, drei große Mannschaften, in Deutschland kann jeder jeden schlagen. Hier herrscht ein viel größerer Wettbewerb.

bundesliga.de: Und wie empfinden Sie die Stimmung in den Stadien in Deutschland?

Cordoba: In Granada ist das Stadion immer voll, aber in Spanien gibt es auch andere Fälle. In Deutschland aber sind die Stadien jedes Wochenende voll, das ist großartig, die Stimmung ist immer super.

bundesliga.de: Spielen Sie eigentlich am liebsten alleine  oder mit zwei Spitzen ganz vorne?

Cordoba: Ich kann beides spielen. Aber so, wie wir im Moment in Mainz spielen - mit einer Spitze, zwei Flügelspielern und Yunus Malli hinter mir -  das passt sehr gut zu mir und das spiele ich auch sehr gerne. Man wird sehen, wie der Trainer spielen lässt, wenn Yoshinori Muto wieder fit ist.

bundesliga.de: War das Siegtor beim FC Bayern München bisher der Höhepunkt Ihrer Karriere?

Cordoba: In so einem Stadion, gegen so eine Mannschaft ein Tor zu schießen und dafür noch drei Punkte zu bekommen, ist natürlich großartig. Das war schon ein unglaubliches Gefühl, auch weil es in der Heimat so stark begleitet wurde.

bundesliga.de: Apropos: Ist die Nationalmannschaft Ihr Ziel?

Cordoba: Ja, natürlich, die A-Nationalmannschaft Kolumbiens ist mein  großes Ziel, dafür werde ich alles geben.

bundesliga.de: Was war denn kulturell die größte Überraschung in Deutschland für Sie?

Cordoba: (lacht) Das Recycling-System, das verstehe ich immer noch nicht.

Das Interview führte Tobias Schächter

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