Bundesliga

04.05.2016 - 12:06 Uhr


Gladbachs Raffael: "Gegen Leverkusen haben wir noch etwas gutzumachen"

Mönchengladbach - Nach einem turbulenten Saisonverlauf hat Borussia Mönchengladbach die Teilnahme an einem europäischen Wettbewerb schon zwei Spieltage vor Schluss gesichert. Großen Anteil daran hat auch Raffael, der die bisher beste Scorer-Punktezahl seiner Karriere erreicht hat. Vor dem Gastspiel von Bayer Leverkusen im Borussia Park (zur Vorschau) spricht der Brasilianer im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de über Borussias Saison, sein Selbstverständnis als Offensiv-Spieler und über Bayers Top-Star Chicharito.

bundesliga.de: Raffael, eine – wie es Manager Max Eberl ausdrückt – skurrile Saison für Borussia neigt sich dem Ende zu: Europa ist schon sicher, die Champions League möglich (zum Restprogramm der Borussia) Wie fällt Ihr erstes Fazit aus?

Raffael: Der Manager hat den Nagel auf den Kopf getroffen: Das war wirklich eine verrückte Saison. Eine, deren Verlauf nur schwer zu erklären ist. Fünf Niederlagen zum Start, Lucien Favre, der uns verlassen hat, dann monatelang kein Auswärtssieg. Und doch sind wir aktuell Vierter und haben sogar noch die Chance die Champions League-Qualifikation aus eigener Kraft zu erreichen. Das ist wirklich völlig verrückt. Aber so ist Fußball!

bundesliga.de: Wäre am Ende weniger als Platz vier eine Enttäuschung, also die Europa League statt eine noch mögliche Champions-Qualifikation?

Raffael: Nein. Auch wenn es am Ende "nur" die Europa League werden sollte, wäre ich überglücklich. Ich denke immer positiv. Mich bringt keine Niederlage so aus der Fassung, dass ich nicht daran glauben würde, dass bereits im nächsten Spiel wieder ein berauschender Sieg möglich wäre. Und doch muss ich gestehen, dass ich im vergangenen Sommer, nach den fünf Niederlagen zum Start, gegrübelt habe. Damals konnte keiner mehr ausschließen, dass es für uns eine sehr schwierige Saison werden könnte. Stattdessen aber haben wir heute eine Chance auf die Champions League und die Europa League bereits sicher! Wie könnte ich da also enttäuscht sein?!

bundesliga.de: Borussia liegt auf Rang vier, punktgleich mit Hertha BSC und einen Punkt vor dem FC Schalke 04 (zur Tabelle). Nur bei Siegen gegen Bayer Leverkusen zuhause und beim SV Darmstadt 98 auswärts wäre die Champions-League-Qualifikation also definitiv sicher.

Raffael: Das ist richtig, heißt aber auch, dass wir es in der eigenen Hand haben. Vor allem gegen Leverkusen haben wir nach dem bitteren 0:5 im Hinspiel noch etwas gutzumachen. Das war wohl unser schlechtestes Saisonspiel. Bayer ist in einer tollen Verfassung und hat zuletzt sieben Spiele in Folge gewonnen. Das wird trotz unserer Heimstärke also eine harte Nuss.

bundesliga.de: Und Darmstadt?

Raffael: Darmstadt kämpft am letzten Spieltag möglicherweise noch um den Klassenerhalt. Da wird uns auch nichts geschenkt. Und aus dem Hinspiel (3:2; d. Red.) wissen wir, wie kampfstark der Aufsteiger ist. Trotzdem glaube ich fest daran, dass wir diese sechs Punkte holen können und damit die Champions-League-Qualifikation sicher hätten.

bundesliga.de: Gegen Bayer treffen Sie auch auf Chicharito, wie Sie ein exzellenter Fußballer, der zwar einige Tore mehr erzielt hat, dafür aber in der Scorer-Wertung hinter Ihnen liegt. Ist die Konkurrenz zwischen Brasilianern und Mexikanern ähnlich groß wie die zwischen Brasilianern und Argentiniern?

Raffael: Nein. Das ist ganz anders. (lacht) Wir Brasilianer lieben die Mexikaner und viele brasilianische Fußballer spielen in der mexikanischen Liga. Mexikaner und Brasilianer – das passt einfach. Und in diesem Sommer werde ich mit meiner Familie auch ein paar Tage Urlaub im mexikanischen Cancun machen.

bundesliga.de: Wie sieht der brasilianische Vollblut-Fußballer Raffael den mexikanischen Vollblut-Fußballer Chicharito?

Raffael: Chicharito ist ein Weltklasse-Spieler und einer der besten Fußballer in der Bundesliga.

bundesliga.de: Ist Chicharito besser als Raffael?

Raffael: Ich glaube schon. Es gibt viele tolle Fußballer in den europäischen Top-Ligen. Da könnte man häufig vergleichen und fragen, ob der eine oder doch der andere besser ist. Und wahrscheinlich würde man, je nachdem, wen man fragt, unterschiedliche Antworten bekommen. Aktuell würde wohl nur einer jeden Vergleich gewinnen, egal gegen wen man ihn stellen und egal wen man fragen würde. Und das ist Messi!

bundesliga.de: Ihre Bescheidenheit ehrt Sie. Fakt ist aber, dass Sie in dieser turbulenten Saison die beste Scorer-Punktzahl Ihrer bisherigen Karriere erreichen konnten.

Raffael: Das stimmt. Und darauf bin ich wirklich stolz. Das ist die bisher beste Saison meiner Karriere und ich habe das Gefühl, dass ich gerade in den vergangenen drei Jahren bei Borussia immer noch besser geworden bin. Natürlich ist mir zugute gekommen, dass ich in dieser Zeit kaum einmal schwer verletzt war. Ein Muskelfaserriss war schon das schlimmste, das ich bewältigen musste. Für mich passt es einfach bei Borussia. Meine Familie und ich fühlen uns hier in jeder Hinsicht heimisch und würden gerne auch noch sehr viel länger bleiben.

bundesliga.de: Ist für Sie persönlich die Scorer- oder die Torjäger-Wertung wichtiger?

Raffael: Für mich persönlich hat die Scorer-Wertung einen höheren Stellenwert. Selbstverständlich hilft man gerade auch mit erzielten Toren der eigenen Mannschaft. Aber diejenigen, die den entscheidenden Pass zum Tor geben, kommen in der Öffentlichkeit zu wenig zur Geltung, obwohl sie ebenso großen Anteil am Erfolg haben. Deshalb finde ich es sehr gut, dass es auch eine Scorer-Wertung gibt.

bundesliga.de: Wenn Sie die Chance haben, ein Tor selbst zu erzielen, ein Teamkollege aber noch etwas besser postiert ist - spielen Sie ab oder versuchen Sie es selbst?

Raffael: Ganz klar: Ich spiele ab! Hundertprozentig! Natürlich bin ich Stürmer - und Stürmer lieben es Tore zu schießen. Da bin ich nicht anders. Aber wenn ich erkenne, dass einer meiner Kollegen besser postiert ist, dann ist mir die schöne, erfolgreiche Aktion viel wichtiger als meine Chance das Tor möglicherweise selbst erzielen zu können. Das ist einfach meine Mentalität. Da siegt der Teamplayer in mir über den Stürmer.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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