Bundesliga

16.03.2016 - 21:45 Uhr


Alessandro Schöpf: "Das Auflaufen vor der Kulisse auf Schalke sollte ein Privileg sein"

Gelsenkirchen - Alessandro Schöpf ist schnell beim FC Schalke 04 angekommen. Der Winterneuzugang der Knappen hat sich in wenigen Wochen akklimatisiert und etwa beim 3:2-Erfolg über den Hamburger SV gezeigt, dass er schon jetzt in der Lage ist, sein neues Team stärker zu machen. Vor der Partie gegen Borussia Mönchengladbach spricht der Österreicher im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de über den Mythos Schalke, über seine Erfahrungen beim FC Bayern München und beim 1. FC Nürnberg und über seine erstmalige Berufung in die Nationalmannschaft.

bundesliga.de: Herr Schöpf, Sie sind seit gerade einmal zwei Monaten Schalker. Haben Sie in dieser kurzen Zeit den Mythos Schalke schon richtig begriffen?

Alessandro Schöpf:Schalke ist ein großer Verein mit ebenso großer Tradition. Dass da auch der Druck noch etwas größer ist als etwa bei meinem vorherigen Verein, dem 1. FC Nürnberg, ist nur folgerichtig.

bundesliga.de: Auf Schalke liegen Euphorie und Enttäuschung wohl sehr nach beieinander. Wie kommen Sie mit diesen sich bisweilen sehr schnell ändernden Gefühlswelten zurecht?

Schöpf: Man muss versuchen, sich davon nicht beeinflussen zu lassen. Natürlich wäre manches für uns leichter, wenn die Stimmungsschwankungen im Umfeld manchmal ein bisschen moderater wären  - gerade dann, wenn es einmal nicht so gut läuft. Man darf nicht vergessen, dass wir noch eine junge Mannschaft sind, die mit Younes Belhanda und mir gerade um zwei neue Spieler erweitert wurde. Dass in dieser Situation alle Automatismen sofort gegeben sind, das funktioniert wohl nirgendwo. Wir müssen uns erst finden. Aber wir wissen auch, dass wir eine Menge Qualität haben.

bundesliga.de: Nach dem FC Bayern München und dem 1. FC Nürnberg stehen Sie nun bereits beim dritten großen Traditions-Club unter Vertrag. Nicht schlecht für einen gerade einmal 22-jährigen.

Schöpf:  Als ich mit 16 Jahren zum FC Bayern München kam, bedeutete das einen sehr großen Schritt für mich. Weg von den Eltern und von den Freunden, das war am Anfang nicht ganz einfach. Letztlich bin ich dadurch aber erwachsen geworden und in den sechs Jahren, in denen ich die Schule des FC Bayern genießen durfte, als Persönlichkeit greift. Für einen Einsatz bei den Profis hat es zwar nie gereicht - ich war nur einmal im Kader, gegen Eintracht Braunschweig - aber auch die Zeit bei den Amateuren war prägend. Dann folgte der Schritt vom Amateurfußball zum 1. FC Nürnberg und damit in den Profi-Fußball. Das war noch einmal ein großer Schritt, der mich von der vierten Liga in die 2. Bundesliga geführt hat. Auch in Nürnberg ist es für mich von Beginn an gut gelaufen. Ich habe dort eigentlich immer gespielt und konnte der Mannschaft mit Toren und Vorlagen helfen. Und jetzt bin ich auf Schalke, in der Bundesliga.

bundesliga.de: Wo Sie ebenfalls von Beginn zurechtzukommen scheinen. Ist der Schritt zwischen der 2. Bundesliga und der Bundesliga gar nicht so groß?

Schöpf: Doch. Das ist ein großer Schritt. Das Tempo mit Ball ist ein ganzes Stück höher, so dass viel weniger Zeit für deine Entscheidungen bleibt. Umso froher bin ich, dass ich in den vergangenen Wochen bereits einige Male spielen durfte. Ich hoffe natürlich, dass das in Zukunft so weitergeht. Vor allem aber ist wichtig, dass wir vor als Mannschaft Erfolg haben. Nur dann kann auch der Einzelne glänzen.

bundesliga.de: Sind Sie selbst ein wenig überrascht, wie schnell Sie sich akklimatisiert haben?

Schöpf: Alles ist so schnell gegangen, dass ich mir darüber gar nicht so sehr viele Gedanken machen konnte. Ich habe mir einfach nur vorgenommen, dass ich in den Einsatzminuten, die ich bekomme, immer alles gebe, was möglich ist. Und ich denke das ist mir teilweise ganz gut gelungen.

bundesliga.de: Was war das für ein Gefühl, als Sie zum ersten Mal in die Veltins Arena eingelaufen sind?

Schöpf: In ein Stadion mit einer solchen Kulisse einlaufen zu dürfen, das ist ein herausragendes Gefühl, das jeder von uns als Privileg begreifen muss. Diese Stimmung, wenn uns 62.000 Fans unterstützen, die ist einfach fantastisch! Ich genieße das jedes Mal aufs Neue!

bundesliga.de: Wirkt diese Kulisse anfangs einschüchternd?

Schöpf: Diese Kulisse ist schon mächtig, wenn man es bisher gewohnt war, vor vielleicht 20.000, maximal 30.000 Leuten zu spielen. Ein bisschen Muffensausen hat man da beim ersten Mal. Aber man gewöhnt sich schnell und gerne daran.

bundesliga.de: Ihre guten Leistungen auf Schalke sind auch Marcel Koller aufgefallen, der Sie erstmals in die österreichische Nationalmannschaft berufen hat...

Schöpf: Als ich am Dienstag nach dem Training aufs Handy geschaut habe, hat eine Reihe von Whatsapp-Gratulations-Nachrichten auf mich gewartet. Da habe ich mir schon gedacht, dass irgendetwas Außergewöhnliches passiert sein muss. Wirklich geglaubt habe ich an eine Berufung aber erst, als ich auch meine Emails gecheckt und die Nachricht gesehen habe, dass ich tatsächlich für die Spiele gegen Albanien und die Türkei nominiert bin. Ein großartiges Gefühl. Davon habe ich schon als kleiner Junge geträumt. Dass dieser Traum nun tatsächlich wahr geworden ist, bedeutet eine riesige Freude für mich.

bundesliga.de: Sie stoßen zu einer österreichischen Mannschaft, die mit Rang zehn in der FIFA-Weltrangliste so gut platziert ist wie noch nie. Was trauen Sie Ihrem Team bei der EM zu?

Schöpf: Wir haben wirklich eine sehr gute Mannschaft beisammen. Umso aufregender ist es für mich, dass ich jetzt dabei sein darf. Ob das dann auch eine Chance für mich für die EM bedeutet, weiß ich nicht. Mit Ungarn, Portugal und Island haben wir auf jeden Fall eine Gruppe erwischt, die machbar ist. Aber wir werden niemanden unterschätzen. Ganz bestimmt auch die Isländer nicht, die zwar das erste Mal überhaupt bei einem großen Turnier dabei sind, aber eine sehr gute Qualifikation gespielt haben.

bundesliga.de: Qualifikation, und zwar die für die Champions League, ist auch das Stichwort für Schalke. Nach der Niederlage bei Hertha BSC kommt mit Borussia Mönchengladbach nun der nächste Konkurrent in die Veltins Arena...

Schöpf: Die Niederlage in Berlin, in einem für uns so wichtigen Spiel, war besonders ärgerlich. Wir hatten uns viel vorgenommen, und ich glaube, dass die Partie bis zu dem Zeitpunkt, als das 2:0 gefallen ist, einigermaßen ausgeglichen war. Chancen gab es auf beiden Seiten, und wenn Dennis Aogo das 1:1 gelungen wäre, hätte sich die Partie womöglich in eine andere Richtung entwickelt. Aber so ist Fußball nun mal. Wir müssen das hinnehmen und nun Gegen Borussia Mönchengladbach unser Bestes geben.

bundesliga.de: Lässt man sich davon beeinflussen, dass Gladbach seit Monaten auswärts nicht gewinnen konnte?

Schöpf: Ich persönlich schaue überhaupt nicht auf Statistiken. Und ich glaube auch nicht, dass meine Mannschaftskollegen diesen Zahlen besonders viel Bedeutung beimessen. Wir wollen die Partie erfolgreich bestreiten und unseren Fans in der Arena die drei Punkte schenken (Zur Vorschau).

bundesliga.de: Auch danach wird das Programm nicht leichter: Bayer Leverkusen, der BVB, Bayern München und Ingolstadt sind die Gegner der kommenden Wochen...

Schöpf: Stimmt. Das sind allesamt schwierige Aufgaben. Nach meinen sechs Jahren bei den Amateuren des FC Bayern wird das Spiel gegen die Münchner für mich natürlich eine ganz besondere Partie. Da werden viele Emotionen im Spiel sein. Und über das Aufeinandertreffen mit dem BVB brauche ich kaum viel mehr zu sagen, als dass es sich hier um die Mutter aller deutschen Derbys handelt. Dieses Spiel wird wohl nicht nur für mich eines der absoluten Highlights der Saison.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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