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Bundesliga

27.12.2015 - 12:38 Uhr


Horst Heldt: "Die Mannschaft wird frisches Blut bekommen"

Gelsenkirchen - Zu Beginn der Vorrunde hätte der FC Schalke 04 beinahe einen neuen Vereinsrekord aufgestellt. Dann aber mussten die Knappen und ihre Fans eine längere Durststrecke ohne einen Sieg überstehen. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht Sportvorstand Horst Heldt über die Gründe für die wechselhaften Leistungen, über den wichtigen Schulterschluss mit den Fans und darüber, warum ihn ein Transfer des FC Bayern ganz besonders ärgert.

bundesliga.de: Herr Heldt, Ralf Fährmann hat die Hinrunde des FC Schalke als durchwachsen bezeichnet, gleichzeitig aber betont, dass Trainer André Breitenreiter das Schalke-Gefühl zurück in die Arena gebracht habe. Teilen Sie diese Einschätzung?

Horst Heldt: Ich glaube, dass es uns allen gemeinsam gelungen ist, das Schalke-Gefühl zurück in die Arena zu bringen. Wobei die Mannschaft natürlich besonders herauszustellen ist. Ralf hat aber selbstverständlich auch Recht, weil das Trainerteam um André Breitenreiter ganz bewusst und intensiv den Fokus darauf gelegt hat, dieses Gefühl, das Schalke ausmacht, zurückzubringen - mit dem absoluten Höhepunkt beim 3:1 gegen Hannover, als die Fans sich mit einer grandiosen Choreographie bedankt haben.

bundesliga.de: Würden Sie zustimmen, dass es der größte Gewinn war, die Fans wieder mit ins Boot zu holen?

Heldt: Jeder, der an diesem Abend gegen Hannover dabei war, hat gespürt welche Bedeutung dieser Moment für den Verein hat. Tatsächlich war es in der Hinserie unser ganz großes Ziel, die Herzen der Fans zurückzugewinnen und die Identifikation zwischen Mannschaft und Fans wieder herzustellen. Und selbst wenn man die Hinrunde als sportlich durchwachsen bezeichnen will, haben wir dieses große Ziel erreicht. Daraus haben wir viel Kraft gezogen und können auch perspektivisch noch Kraft daraus ziehen. Jetzt dürfen wir aber nicht nachlassen und müssen alles daran setzen, buchstäblich am Ball zu bleiben.

bundesliga.de: Wo sehen Sie die Gründe dafür, dass auf einen sehr guten Saisonstart eher wechselhafte Leistungen folgten?

Heldt: Wir haben sehr gut begonnen und hätten beinahe einen neuen Rekord aufgestellt. Das ist uns dann leider nicht gelungen, aber es war dennoch eine großartige Leistung. Die zweite Hälfte der Hinserie war aber von einer zwischenzeitlichen Durststrecke geprägt. Wir wissen, wo wir nun ansetzen müssen, um die Rückserie so zu gestalten, dass wir am Ende unseren Ansprüchen gerecht werden.

bundesliga.de: Manch einer wollte eine Verbindung sehen zwischen diesem Leistungsabfall und den Mutmaßungen um Ihre Person. Aber ticken Profis wirklich so?

Heldt: Es wird in beide Richtungen verallgemeinert, aber beides ist nicht richtig. Sicher wird in der Kabine darüber geredet. Wäre diese Sache kein Thema, hätte man als Manager, der nah an der Mannschaft ist und diese Spieler verpflichtet hat, wohl etwas falsch gemacht. Andererseits kenne ich keinen unserer Spieler, der dieses Thema als Alibi missbrauchen und deshalb seine Leistung auf dem Platz nicht bringen würde. Natürlich will jeder wissen, wie es weitergeht. Aber ob einer der Spieler ein Tor macht, verhindert oder verschuldet, das hat ganz gewiss mit diesem Thema nichts zu tun.

bundesliga.de: Fehlt der Mannschaft frisches Blut?

Heldt: Auf jeden Fall wird sie es bekommen. Ob sie es zwingend braucht, ist vielleicht die falsche Fragestellung. Zum einen würden viele Spieler das wohl verneinen, weil es immer auch um die eigene Positionierung geht. Zum anderen assoziiert man mit "frischem Blut" möglicherweise, dass es in der aktuellen Mannschaft nicht stimmen könnte. Das ist aber in keiner Weise der Fall. Wir haben uns für die Rückrunde vorgenommen, auch international weit zu kommen, trotz des schweren Loses mit Shakhtar Donezk. Dafür brauchen wir viel Qualität, so dass sowohl André Breitenreiter als auch ich davon überzeugt sind, dass wir nachlegen müssen. So können wir die anstehenden Aufgaben auf noch mehr Schultern verteilen.

bundesliga.de: An welche Positionen denken Sie?

Heldt: Grundsätzlich sehen wir Handlungsbedarf im Mittelfeld, sowohl im offensiven als auch im defensiven Bereich. Wir verfügen zwar über eine ganze Reihe von Spielern, die auf verschiedenen Positionen einsetzbar sind. Nichtsdestotrotz möchten wir uns hier noch besser aufstellen. Wobei das im Winter natürlich nicht ganz so einfach ist. Denn die Vereine, die sich gut positioniert haben, möchten selbstverständlich ihre Qualität nicht schmälern. Trotzdem sehen wir sowohl auf dem deutschen als auch auf dem internationalen Markt den einen oder anderen Spieler, der uns helfen könnte.

bundesliga.de: Auf dem internationalen Markt gibt es die eine oder andere Liga, die mit dem Kalenderjahr endet, etwa in Brasilien, so dass Clubs eher bereit sein könnten, einen Spieler wie den umworbenen Renato Augusto abzugeben...

Heldt: Stimmt. Es gibt schon das eine oder andere sehr interessante Thema. Und wir bemühen uns das, was wir uns vornehmen, auch umzusetzen. (schmunzelt)

bundesliga.de: Wenn Sie die Vorrunde nicht nur aus Schalker, sondern aus objektiver Sicht Revue passieren lassen, was hat einen besonderen Eindruck hinterlassen?

Heldt: Ich behaupte mal – ohne Arrogant klingen zu wollen, dass es mich nicht wundert, was bisher stattgefunden hat. (lacht) Die starke Dominanz des FC Bayern habe ich ebenso erwartet, wie die Tatsache, dass es hinter den Bayern anfängt spannend zu werden. Wieder gibt es viele Vereine, die das Zeug haben, sich international zu positionieren. Und wieder sind es zumeist dieselben Vereine wie in den vergangenen Jahren. Ebenso gibt es wie in jeder Saison einen Club, den man so nicht auf der Rechnung für die internationalen Plätze hatte. Das ist diesmal Hertha BSC, während es im letzten Jahr Augsburg und im vorletzten Jahr Frankfurt war. Und auch die Aufsteiger haben - im Rahmen ihrer Möglichkeiten - wieder bemerkenswert konstante Leistungen abrufen können.

bundesliga.de: Was war in negativer Hinsicht auffallend?

Heldt: Dass erneut dieselben Teams gegen den Abstieg kämpfen, die auch in der vergangenen Saison Probleme hatten. Alles in allem hat mich also nur wenig überrascht. Besonders gefallen hat mir, dass es sehr viele spannende, schöne Spiele gegeben hat. Überhaupt sehe ich die begrüßenswerte Entwicklung, dass es zunehmend mehr spannende als langweilige Spiele gibt. Deshalb erachte ich die Bundesliga trotz der Überlegenheit der Bayern als alles andere als langweilig.

bundesliga.de: Sie haben ein sehr gutes Verhältnis zu Max Eberl. Haben Sie selbst die Turbulenzen um Borussia Mönchengladbach nicht überraschen können?

Heldt: Die Woche mit dem Aus auf internationaler Ebene und im DFB-Pokal gegen Bremen, mit dem man nicht rechnen konnte, und der 0:5-Niederlage gegen Leverkusen war eine Horror-Woche für die Borussia. Und die Ausschläge im Positiven wie im Negativen haben mich schon gewundert. Andererseits wundert mich im Fußball eigentlich überhaupt nichts mehr. (lacht) Trotzdem hätte ich weder damit gerechnet, dass Borussia zu Beginn so konstant schlecht spielt, noch hätte ich geglaubt, dass man das Problem nach dem Trainerwechsel so schnell in den Griff bekommen würde.

bundesliga.de: Lucien Favre war nach fünf Niederlagen in Folge zurückgetreten, und U23-Trainer André Schubert hatte im September übernommen...

Heldt: Ich hätte geglaubt, dass man mit diesem Problem - dem Rücktritt von Favre - vor allem auf Bundesliga-Ebene länger zu kämpfen haben würde. Stattdessen hat man eine bemerkenswerte Serie gestartet, mit der so ebenfalls nicht zu rechnen war. Eine Erklärung dafür fällt schwer. Wobei sich hier gezeigt hat, dass diese Mannschaft grundsätzlich große Qualität besitzt. Allerdings waren in der Phase, in der man in der Bundesliga zehnmal in Folge nicht verloren hat, durchaus auch Spiele darunter, in denen man viel Glück hatte. Und dann plötzlich diese Horror-Woche. Das ist wirklich nicht zu erklären.

bundesliga.de: Welcher Spieler hat Ihnen besonders imponiert?

Heldt: Nur einen einzigen zu nennen, wäre wirklich sehr schwierig, weil es in der Bundesliga so viele interessante Spieler gibt. Natürlich muss ich aber unseren Leroy Sané loben, der sich in kürzester Zeit nicht nur auf Schalke in den Mittelpunkt gespielt hat.

bundesliga.de: Und jenseits von Schalke?

Heldt: Da hat mich Douglas Costa positiv überrascht. Dass der direkt einschlägt, hätte ich in dieser außergewöhnlich deutlichen Form nicht erwartet. Auch Kingsley Coman hatte wohl niemand so richtig auf dem Zettel. Das hat mich als Manager beeindruckt und auch nachhaltig beschäftigt. Wenn ich ganz ehrlich bin, war mir Coman überhaupt kein Begriff, und das ärgert mich ein bisschen. Auf jeden Fall ist es ein bemerkenswerter Transfer, bzw. eine bemerkenswerte Ausleihe mit Kaufoption, die dem FC Bayern da gelungen ist. Verblüffend ist aber, dass Juventus Turin, das gerade zu Saisonbeginn durchaus größere Schwierigkeiten hatte, einen solchen Spieler ziehen lässt.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

Hier geht's zum Hinrunden-Rückblick des FC Schalke 04>>>

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