Bundesliga

28.02.2016 - 19:47 Uhr


Hoffen auf die Doppelspitze Ujah/Pizarro

Claudio Pizarro (r.) und Anthony Ujah könnten im Abstiegskampf bei Werder den entscheidenden Unterschied machen

Bremen - Eine Minute vor Ende der regulären Spielzeit traf Claudio Pizarro zum 2:2-Endstand im Abstiegskrimi gegen Darmstadt 98 und sicherte dem SV Werder Bremen einen Punkt, mit dem keiner im ausverkauften Weserstadion mehr gerechnet hatte.

Die Gastgeber hatten nicht nur versäumt, sich für ihre klare Überlegenheit in Durchgang zwei mit Toren zu belohnen, sondern mussten sogar sieben Minuten vor Ende der Partie das 1:2 durch Aytac Sulu wegstecken.

Und das taten sie gut. Statt hängender Köpfe oder Frustration schalteten die Bremer sofort wieder in den Angriffsmodus und retteten einen Punkt. Doch Freude wollte bei keinem in Grün-Weiß aufkommen.

Freude über späten Ausgleich kam nicht auf

"Wir wollten dieses Spiel unbedingt gewinnen", so Werder-Keeper Felix Wiedwald zu bundesliga.de, "über dieses Unentschieden kann ich mich nicht freuen, auch wenn der Treffer kurz vor Schluss fiel."

"Wir sind alle sehr enttäuscht", brachte Zlatko Junuzovic die Stimmung in Reihen der Hausherren auf den Punkt. Fans und Mannschaft warten nun seit neun Heimspielen auf ein Erfolgserlebnis im Weserstadion.

"Wir ärgern uns sehr über dieses Unentschieden", stieß Thomas Eichin ins gleiche Horn. Doch "vom Engagement her" wollte der Manager "der Mannschaft keinen Vorwurf machen". Das taten auch die Fans nicht.

Warnung an die Mannschaft

"Unsere Geduld ist nicht grenzenlos", hatten die Anhänger in großen Lettern die Mannschaft vor dem Spiel gegen Darmstadt mit auf den Weg gegeben und zumindest vollen Einsatz für den Verein gefordert. Einsatz, wie sie ihn Woche für Woche auf den Rängen zeigen.

Auch gegen den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf folgten die Fans dem Aufruf von Tjalf Hoyer. Der Frontmann der Band Afterburner hatte im Stadionmagazin "HEIMSPIEL" zur bedingungslosen Unterstützung des Teams aufgerufen.

"Lasst uns in diesen Zeiten nicht erst darauf warten, bis unsere Mannschaft ... wieder einen feinen Schuh spielt. Lasst uns die Elf stattdessen direkt vom Anstoß 'wech' unterstützen", forderte der Sänger. Gemeinsam gegen den Abstieg heißt es für die leidgeprüften Fans erneut an der Weser - und wieder gehen sie die Aktion mit viel Phantasie an.

"Situation ist nicht besser geworden"

"Die Situation ist natürlich nicht besser geworden, und uns bleiben immer weniger Spiele", so Viktor Skripnik ehrlich.  "Wir schießen einfach zu wenig Tore." Und die sind nötig. Das Problem der Bremer ist, dass sie für drei Punkte zumindest zwei Treffer erzielen müssen, denn die Null stand für die Norddeutschen schon lange nicht mehr. Saisonübergreifend haben die Bremer seit 26 Spielen in jeder Partie mindestens einen Treffer kassiert.

Was also macht Hoffnung? "Natürlich ist die Lage alles andere als beruhigend", so der Werder-Trainer. "Aber viele sehen zu schwarz. Wenn man so manche Aussagen hört, könnte man meinen, wir stehen abgeschlagen am Tabellenende, aber das stimmt doch nicht. Wir sind mittendrin und können den Klassenerhalt aus eigener Kraft schaffen."

Entscheidung fällt am letzten Spieltag

Und das wird nach Ansicht des Trainers auch bis zum Saisonende so bleiben. "Es ist alles eng beisammen. Eine Entscheidung wird erst am letzten Spieltag fallen", ist der Ukrainer sicher. Und im Abstiegskampf baut Skripnik besonders auf die Offensive.

Gegen Darmstadt gab der 46-Jährige seinem Team eine offensivere Ausrichtung mit auf den Weg. Statt der Doppel-Sechs beorderte Skripnik den offensiveren Florian Grillitsch auf die zentrale Position vor der Abwehr,  Sambou Yatabaré kam bei seinem Startelf-Debut über die rechte Seite. Und vorn soll es die Doppelspitze Pizarro/Anthony Ujah richten.

Pizarro immer besser

Und die Hoffnung scheint berechtigt. Ujah nutzte die erste Bremer Chance in der Partie im Stile eines Torjägers, verwandelte aus der Drehung eiskalt zur Werder-Führung. Es war bereits der neunte Saisontreffer des Nigerianers - einer weniger als in der Vorsaison für den 1. FC Köln über die gesamte Spielzeit.

Und "Pizza" scheint die in ihn gesetzten Hoffnungen nach Anlaufschwierigkeiten mittlerweile zu erfüllen. Musste sich der Rückkehrer vom FC Bayern in der Vorrunde mit nur einem Einsatz über 90 Minuten noch mit der Joker-Rolle zufriedengeben, hat er in der Rückrunde bisher nur fünf Minuten verpasst.

Selbstbewusst nach Leverkusen

Der 37-Jährige zahlt das Vertrauen in Toren zurück. Der Ausgleichtreffer gegen die Hessen war sein fünfter in der Rückrunde. In der gesamten Vorrunde stehen für den Peruaner gerade mal zwei Tore zu Buche.

"Wir fahren nicht nach Leverkusen, um irgendwie ein Unentschieden zu klauen", gibt Ujah selbstbewusst die Richtung für die kommende Partie am Mittwoch vor. "Wir haben in Leverkusen gezeigt, dass wir gewinnen können, auch wenn das ein anderer Wettbewerb war", erinnert Wiedwald an das 3:1 im Viertelfinale des DFB-Pokals vor drei Wochen. "Das müssen wir erneut abrufen." Am besten in allen elf noch ausstehenden Spielen.

Aus Bremen berichtet Jürgen Blöhs

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