Bundesliga

30.12.2014 - 10:00 Uhr


Mkhitaryan: "Schleunigst die gefährliche Zone verlassen"

Mittelfeldakteur Henrikh Mkhitaryan zieht nach der katastrophalen BVB-Hinrunde Bilanz, findet klare Worte: "Wir können uns nicht mehr erlauben, nach oben zu schauen"

Der Armenier hatte große Probleme mit seiner Chancenverwertung: "Da geht es auch um den Kopf. Ich brauche einfach ein Erfolgserlebnis, um wieder mehr Treffer zu erzielen"

Dortmund - Die Hinrunde 2014/15 verlief für Henrikh Mkhytarian so schlecht wie nie. Der Armenier blieb ohne eigenen Treffer - die Chancen waren da. Dazu hat er sich zuletzt in Berlin einen Muskelbündelriss zugezogen, die Hinserie war dadurch vorzeitig beendet. Nun steht Borussia Dortmund auf Tabellenplatz 17, einem direkten Abstiegsplatz.

Im exklusiven Interview mit bundesliga.de erklärt der Spielmacher der armenischen Nationalmannschaft, wie der BVB in den Abstiegsstrudel geraten ist und welche Erwartungen er für das neue Jahr hat.

bundesliga.de: Herr Mkhytarian, sind Sie nun froh nach dieser schweren Hinrunde für Borussia Dortmund, dass die Winterpause begonnen hat?

Henrikh Mkhitaryan: Auf jeden Fall. Die Winterpause kommt definitiv zum richtigen Zeitpunkt. Was die Mannschaft betrifft, haben wir nun die Gelegenheit, den Akku wieder aufzuladen und komplett abzuschalten; was wir mehr denn je brauchen um wieder top motiviert in die Rückrunde zu starten. Und was mich persönlich angeht, habe ich die nötige Zeit, mich von meinem Muskelbündelriss zu erholen. Ich hoffe nun, dass ich Teile der Vorbereitung im Januar absolvieren werde.

bundesliga.de: Was sind Ihrer Meinung nach die Hauptgründe für diese schlechte Hinrunde beim BVB?

Mkhitaryan: Es gibt vielerlei Gründe. Es ist klar, dass unsere Weltmeister eine gewisse Zeit benötigt haben, um wieder ihre beste Leistung abzurufen. Auch dass wir unglaublich viele Verletzte hatten, hat uns auch definitiv gehandicapt. Wir haben ebenfalls gedacht, dass wir irgendwann eine Siegesserie starten werden, aber sie kam ja nie. Nun befinden wir uns meilenweit von den ersten Plätzen entfernt. Mittlerweile können wir uns nicht mehr erlauben, nach oben zu schauen und zum Beispiel von Europa zu träumen. Wir müssen schlichtweg sehen, dass wir in die Erfolgsspur zurückkommen und zwar sofort beim Rückrundenstart, um diese gefährliche Zone schleunigst zu verlassen. Sonst wird es immer düsterer.

"Unfassbar, dass wir immer wieder straucheln"

bundesliga.de: Warum konnte Ihr Team nach einem Sieg nie danach den Aufwärtstrend bestätigen?

Mkhitaryan: Ich denke, dass es eine reine Kopfsache ist. Zum Beispiel, als wir gegen Borussia Mönchengladbach (1:0) die drei Punkte einfahren konnten, haben wir schon gedacht, dass wir dann beim SC Paderborn (2:2) ebenfalls gewinnen würden. Natürlich spielen viele Fakten eine Rolle: Die Verletzten-Misere, das mangelnde Selbstvertrauen, die Schiedsrichter-Entscheidungen, die nicht immer zu unseren Gunsten gefallen sind, usw. Aber es ist unfassbar, dass wir immer wieder straucheln.

bundesliga.de: Haben Sie Mitleid mit Jürgen Klopp?

Mkhitaryan: Wir leiden alle unter dieser Krise. Der Trainer versucht mit aller Macht in die Erfolgsspur zurückzufinden, aber es ist nicht einfach. Er kann am wenigsten dafür. Er ist immer für uns da, und es ist umso frustrierender, dass wir nicht in der Lage sind, ihn auch durch Siege wieder glücklicher zu machen. Es macht mich traurig, ihn so zu sehen.

bundesliga.de: Haben Sie in dieser Hinrunde eine Veränderung in der Mannschaft festgestellt?

Mkhitaryan:Es ist völlig nachzuvollziehen, dass man in einer solchen prekären Lage die Lockerheit ein bisschen verliert, dass man mit weniger Selbstbewusstsein agiert. Uns fehlen schlichtweg die Siege. Der Spaß, der uns in den letzten Jahren ausgezeichnet hat, fehlt uns. Für fast alle Spieler in unserem Kader handelt es sich um eine ganz neue Situation und es ist schwer damit umzugehen.

bundesliga.de: Sie persönlich haben kein Tor erzielt, obwohl viele Möglichkeiten da waren. Was ist das Problem?

Mkhitaryan:Da geht es auch um den Kopf. Ich brauche einfach ein Erfolgserlebnis, um wieder mehr Treffer zu erzielen. Aber entweder stand mir immer der gegnerische Torwart im Weg oder ich habe die falsche Entscheidung im Abschluss getroffen. Ich hoffe nun, dass 2015 ganz anders laufen wird.

Das Gespräch führte Alexis Menuge

Weitere Artikel
#BLFantasy
#BLTippspiel
Die Bundesliga APP

© 2016 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH