Bundesliga

03.06.2016 - 17:30 Uhr


Hakan Calhanoglu ist immer für eine Überraschung gut

Gut gelaunt und stark am Ball - Hakan Calhanoglu wie man ihn kennt

Köln – Etwas mehr als zwei Jahres ist es nun her. Der 22. Februar 2014. Gleichzeitig der 22. Spieltag der Saison 2013/14. Nicht nur das Wetter an der Elbe ist an diesem Tag recht ungemütlich, auch die Situation des Hamburger SV lässt zu wünschen übrig. Vorletzter ist der Bundesliga-Dino zu diesem Zeitpunkt. Bert van Marwijk wurde soeben als Chefcoach entlassen. Und jetzt ist auch noch Titelaspirant Borussia Dortmund bei der Premiere von Mirko Slomka als neuem Trainer in der damaligen Imtech-Arena zu Gast.

Eigentlich spricht vor diesem Duell also so gut wie gar nichts für den HSV. Trotzdem kommt es wie so oft ganz anders als erwartet. Schon nach knapp 60 Minuten haben die Rothosen dem Gegner durch Tore von Petr Jiracek und Pierre-Michel Lasogga den Zahn gezogen. Das absolute Highlight des Spiels sehen die 57.000 Zuschauer in der ausverkauften Arena aber erst in der Nachspielzeit. Es ist der Tag, an dem der Stern von Hakan Calhanoglu aufgeht.

Aus 41 Metern in den Knick

In der 91. Minute bekommt Hamburg einen Freistoß im Mittelfeld zugesprochen. Torentfernung: Gut 41 Meter. Eigentlich spielt man so einen Ball zu so einem Zeitpunkt des Spiels einfach zum Nebenmann, lässt die Uhr weiter runterticken. Calhanoglu sieht das anders. "Ich glaube, das war einer der besten Freistöße, die ich je geschossen habe", sagt der 22-jährige Türke im Nachhinein. "Der Torwart hat einfach nicht damit gerechnet, dass ich es versuchen könnte. Kein Dortmunder hat mir das Schussfeld versperrt. Also habe ich einfach draufgehalten."

Es hat geklappt. Wie ein Strich donnert der Ball die 41 Meter Richtung Tor, knallt dann oben links in den Winkel. "Alle meine Trainer haben mich immer ermutigt, solche Freistöße zu versuchen", erklärt Calhanoglu. "Sie wussten – und wissen – dass ich die technischen Fähigkeiten dafür besitze."  Spätestens seit diesem Sensations-Freistoß weiß auch der Rest der Fußball-Welt, dass jede Mannschaft, die Hakan Calhanoglu in ihren Reihen weiß, eine echte Waffe besitzt.

Juninhos Brillanz erreichen

Gegen ein Team mit Calhanoglu einen Freistoß in Strafraum-Nähe riskieren? Da überlegen die Verteidiger lieber dreimal, ob sie das Foul wirklich begehen. Zwölf direkte Freistöße hat er seit jener Granate gegen Dortmund im Februar 2014 in der Bundesliga verwandelt. Torhütern stehen die Schweißperlen auf der Stirn, wenn Calhanoglu antritt, denn er weiß seine Waffe einzusetzen wie kaum ein anderer. "Ich habe keinen Lieblings-Freistoß", lässt er wissen. Distanz, Winkel, Mauer – eigentlich egal für Calhanoglu, auch wenn er zugibt: "Ich mag es, wenn ich dem Ball Spin mitgeben kann."

Video: Waffe Hakan Calhanoglu (vom August 2015)

Der Freistoß-Experte wurde in Mannheim geboren, bei Waldhof und beim Karlsruher SC ausgebildet, ehe er beim HSV zu seinem ersten Profieinsatz kam. Nach einem Leihgeschäft zurück in seine Karlsruher Heimat, wo er mit dem KSC in der 2. Bundesliga Erfahrung sammeln durfte, zog es ihn anschließend vom HSV zu Bayer Leverkusen. In die Champions League. Dort wo auch sein großes Vorbild einst spielte. Das heißt Juninho, ist Brasilianer, und zauberte unter anderem bei Olympique Lyon jahrelang in der Königsklasse. Was war Juninhos Spezialität? Na klar, der ruhende Ball! "Er ist immer noch mein absolutes Idol in Sachen Freistöße", so Calhanoglu. "Er war einfach brillant."

Calhanoglu mag die große Bühne

Diese Brillanz versucht auch der Deutsch-Türke zu erreichen. Was heißt versucht? In Sachen Freistoß muss er sich schon lange nicht mehr hinter seinem Idol verstecken. Und auch seine restlichen Fähigkeiten entwickelt Calhanoglu beständig weiter. Fünf Vorlagen und zwei Tore gelangen ihm in der abgelaufenen Champions-League-Saison für Leverkusen. Nur in einem einzigen Spiel war er nicht an einem Tor beteiligt. Ihm liegt das internationale Parkett, die ganz große Fußball-Bühne.

Auf dieser wird Hakan Calhanoglu auch in diesem Juni wieder auftreten. Bei der Europameisterschaft in Frankreich. Nach einer beeindruckenden Qualifikation, in der die Tükei unter anderem die Niederlande hinter sich ließ, erwartet Hakan Calhanoglu, Nuri Sahin, Yunus Malli und Co. dort nun eine extrem schwere Vorrunde (>>>Übersicht: Alle Bundesliga-Spieler bei der EM). Gegen Spanien, Tschechien und Kroatien müssen die Türken in der Gruppe D antreten.

Gelingt der Türkei die Überraschung?

"Das sind Gegner von höchster Qualität, aber wir werden alles geben. Auch wenn wir sicherlich nicht der Favorit sind, wollen wir auf jeden Fall weiterkommen. Vielleicht gibt es am Ende der Gruppenphase eine Überraschung", gibt sich Hakan Calhanoglu selbstbewusst. Für Überraschungen ist Calhanoglu ohnehin immer gut. So wie damals, am 22. Februar 2014...

Dennis-Julian Gottschlich

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