Bundesliga

14.02.2016 - 17:46 Uhr


Gereifte Borussia: Effizienz ist Trumpf

Dortmunder Jubel: Henrikh Mkhitaryan (2.v.l.) ist der Torschütze beim Arbeitssieg gegen Hannover

Mats Hummels (l.) sagt: "In meinen Augen ist das ein Reifeprozess. Wir hätten gern besser gespielt, aber wir sind auch zufrieden, dass wir dieses Mal einfach gewonnen haben."

Auch wenn er selbst gegen Hannover leer ausging, Marco Reus hatte in dieser Bundesliga-Saison bei zwölf Toren seine Füße im Spiel

Dortmund - Bester Tabellenzweiter aller Zeiten – warum Borussia Dortmund eine derart erfolgreiche Saison spielt, zeigte sich auch beim 1:0-Arbeitssieg über Hannover 96. Kann die Mannschaft mal nicht glänzen, fährt sie trotzdem kontrolliert und effizient die Punkte ein.

"In meinen Augen ist das ein Reifeprozess", bestätigte Mats Hummels, "wir hätten gern besser gespielt, aber wir sind auch zufrieden, dass wir dieses Mal einfach gewonnen haben."

"Dieser Sieg hat einen enormen Wert"

Bei nasskaltem Winterwetter war es wahrlich keine Gala, die die Dortmunder gegen Hannover auf den Rasen brachten. Es fehlte der Borussia dieses Mal am Tempo beim Umschalten und an der Präzision im Passspiel. Die Ideen sprudelten nicht wie gewohnt, alles wirkte etwas unkonzentriert und auch das Fehlen von Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang war nicht förderlich. "Insgesamt ein sehr zähes Spiel", brachte es Thomas Tuchel auf einen Nenner – und durfte trotzdem zufrieden sein.

"Auch wenn es über weite Strecken nicht so schön und einfach ausgesehen hat, wie es sonst der Fall war, hat dieser Sieg trotzdem einen enormen Wert", betonte der Trainer. Vielleicht mal nicht brillant, aber trotzdem erfolgreich – das ist die Botschaft, die dahinter steckt, und die Tuchel seiner Mannschaft vermittelt hat. "Es ist ganz wichtig, dass man wissen muss, dass man nicht 34 Spieltage eine Top-Leistung bringen kann und nur lockere Siege einfährt. Aber wir können mittlerweile auch solche Siege", unterstrich Mats Hummels (Stimmen zum Spiel).

"In der Vergangenheit hätten wir solche Spiele wohl nicht gewonnen", zeigte sich auch Marco Reus im Interview überzeugt. Noch in der vergangenen Saison verzweifelte die Borussia ein ums andere Mal an tief stehenden Gegnern und lief sogar Gefahr, ausgekontert zu werden. Jetzt aber steht Dortmund defensiv sicher und bleibt in der Abwehrarbeit diszipliniert.

Zudem bringt man die nötige Geduld im Offensivspiel auf. Mehr Ballbesitz hat Tuchel seinem Team verordnet, was zugleich mehr Ballkontrolle bedeutet. Statt des riskanten Vertikalanspiels in die Spitze versucht der BVB in der Regel, über schnelle Ballstafetten den Gegner zu knacken und Räume in den Schnittstellen zu finden. Suchte die Mannschaft früher eher das Risiko und rannte bedingungslos an, werden Angriffe jetzt auch mal unterbrochen und es wird neu aufgebaut. Sicherer und effizienter spielen, lautet die Vorgabe.

Reus, Mkhitaryan und Gündogan starten durch

Weniger Risiko, dafür mehr Geduld – das spiegelt sich auch in einer im Vergleich zur Vorsaison deutlich geringeren Fehlpassquote wider. Auf 12,3 Prozent hat Ilkay Gündogan, dem in Tuchels Konzept der Ballkontrolle eine Schlüsselrolle zukommt, seine Fehler minimiert. Der Mittelfeldspieler verzeichnet deutlich mehr Ballkontakte und ist im Schnitt in dieser Spielzeit pro Partie 106 Mal am Ball. In der letzten Saison waren es nur 86 Kontakte.

Unter Tuchel hat der BVB zudem das Selbstvertrauen entwickelt, die nötige Ruhe auch dann beizubehalten, wenn es nicht optimal läuft. Als das Offensivspiel gegen Hannover nicht wie üblich griff, verlor die Mannschaft trotzdem nicht den Kopf. Man ließ den Gegner in der zweiten Halbzeit mehr kommen, so dass sich Räume öffneten. Über Gündogan, Marco Reus und Henrikh Mkhitaryan setzte die Borussia dann ebenso entscheidend wie effizient einen Konter mit perfektem Abschluss. Und lieferte den Beweis: Funktioniert es mal nicht im Kollektiv, hilft eben die individuelle Klasse weiter.

Mkhitaryan und Reus stehen dabei beispielhaft für die gesteigerte Effektivität, die unter Thomas Tuchel Einzug gehalten hat. Nicht nur bei der Trefferausbeute haben sich beide Offensivspieler deutlich gesteigert. Henrikh Mkhitaryan war gegen Hannover schon zum 17. Mal an einem Tor beteiligt, in der letzten Spielzeit war ihm dies bis zum 21. Spieltag nur einmal gelungen. Marco Reus hatte bis jetzt bei zwölf Toren seine Füße im Spiel, in der kompletten Vorsaison waren es am Ende nur acht. Seine Trefferquote hat der Nationalspieler sogar verdoppelt. In der vergangenen Spielzeit benötigte er noch acht Versuche für ein Tor, aktuell sind es nur vier.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

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