Bundesliga

12.03.2017 - 12:46 Uhr


Für "Johnny": Darmstadt im Sondertrikot zum Heimsieg

Die Sonderedition des Lilien-Trikots hat Sulu und Co. gegen Mainz Glück gebracht

Darmstadt - Die ganz besondere Stimmung war schon lange vor dem Abpfiff der Partie gegen den 1. FSV Mainz 05 in Darmstadt zu spüren - eigentlich die ganze Woche schon, in der Darmstadt 98 bekannt gab, das seine Mannschaft in einem Sondertrikot für den vor einem Jahr nach langem Kampf an Krebs gestorbenen Lilien-Fan Jonathan "Johnny" Heimes auflaufen wird. Die 1898 Trikots mit dem Motto "Du musst kämpfen" auf der Brust waren innerhalb eines Tages ausverkauft.

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Kurz vor dem Anpfiff rollten die Fans auf der Gegengerade ein riesiges Trikot über ihren Köpfen aus, das das Motto des Spiels und das für den Rest der Saison für den Tabellenletzten sein soll: "Du musst kämpfen". Dieses Motto von Heimes hat die Mannschaft verinnerlicht, sie gewann aufgrund der größeren Leidenschaft und einer großen Kampfstärke mit 2:1 gegen Mainz und durfte endlich wieder einmal ein Erfolgserlebnis feiern. Dass das Schicksal des so tapfer sich gegen sein Schicksal stemmenden Johnny Heimes ein Antrieb für diese Mannschaft ist, erklärte Aytac Sulu. Der Kapitän sagte: „Der Geist von Johnny hat uns geholfen.“

Erstes Heimtor vom Kapitän

Sulu legte den Grundstein für den Erfolg durch sein erstes Saisontor per Kopf nach einer Ecke von Mario Vrancic (5.). In der letzten Saison hatte der Innenverteidiger sieben Tore erzielt, er war damals erfolgreichster Abwehrspieler der Liga. Kurios: Gegen Mainz traf Sulu zum ersten Mal vor eigenem Publikum in der Bundesliga. Es passte also alles zusammen an diesem besonderen Tag für die Lilien. Nach dem 2:0 (12.) durch einen verwandelten Elfmeter von Sidney Sam konnten weder der Mainzer Anschlusstreffer durch Robin Quaison (45.) noch die Gelb-Rote-Karte für Vrancic (59.) die Darmstädter vom Erfolgsweg abbringen.

>>> Seit September 2016: Lilien spielen im "Jonathan-Heimes-Stadion am Böllenfalltor"

Endlich wieder einmal gewonnen: Den Lilien tut dieses Gefühl richtig gut, nachdem der Abstand des Tabellenletzten ans rettende Ufer nach zuletzt guten Leistungen, aber immer wieder knappen Niederlagen, immer größer geworden war. Aber auch die drei Punkte gegen Mainz brachten keine wirklich signifikante Verbesserung, Lilien-Trainer Torsten Frings gab zu: "Die Tabelle sieht immer noch beschissen aus."

Aber an diesem Tag zählte vor allem das "Gefühl, endlich auch mal ein gutes Spiel gewinnen zu können", so Frings. Zumal die Darmstädter von Gästetrainer Martin Schmidt viel Lob bekamen. Die Leistung der Lilien solle seinen Spielern als "Vorbild" dienen, sagte Schmidt: "Die Darmstädter zeigten von der ersten Minute Aggressivität und Leistungsbereitschaft - wir nicht." Frings bedankte sich für die warmen Worte und gab zu: "Das geht runter wie Öl." Und Sulu ergänzte: "Endlich mal wieder was Schönes, die letzten Wochen waren hart. Da ist so ein Tag mit diesem Hintergrund mit Johnny wichtig. Das war schon Motivationshilfe."

Gemeinsame Stiftung mit Andrea Petkovic

Sulu oder Mittelfeldspieler Jerome Gondorf ("Johnny fehlt mir") sind Protagonisten des Aufstiegs der Lilien von der dritten Liga bis zum Klassenerhalt in der Bundesliga am Ende der letzten Saison. Der an Krebs erkrankte Jonathan Heimes begleitete den Aufstieg in die 2. Bundesliga mit Armbändchen auf denen das Motto "Du musst kämpfen" stand. Zusammen mit der Tennisspielerin Andrea Petkovic gründete Heimes im Februar 2015 die gemeinnützige Gesellschaft "Du musst kämpfen", die Vereine und Projekte für eine Sporttherapie in der Krebstherapie unterstützt.

Video: Lilien spielen im Heimes-Stadion

Heimes war ein talentierter Tennisspieler, der von dem Vater von Andrea Petkovic trainiert wurde. Zu seinem Gedenken trägt das Stadion in dieser Saison den Namen "Jonathan Heimes Stadion am Böllenfalltor". Der Rechteinhaber, die Merck KGaA, verzichtet dafür für ein Jahr auf das Namensrecht.

Es ist schon eine ganz besondere Geschichte, die Darmstadt 98 und Jonathan Heimes geschrieben haben - und noch immer schreiben. Und in der sportlich nach wie vor prekären Situation kann die Erinnerung an die vorbildliche Widerstandskraft von Heimes nur helfen. Gegen Mainz 05 hat das geklappt. Und es gibt wohl niemanden, den dieser Sieg mehr gefreut hätte, als Jonathan Heimes.

Aus Darmstadt berichtet Tobias Schächter

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