Bundesliga

20.10.2016 - 13:00 Uhr


Frederik Sörensen: "Wir gewinnen jetzt auch die Spiele gegen vermeintlich kleinere Teams"

Köln. Der 1. FC Köln ist weiterhin ungeschlagen und hat gemeinsam mit dem FC Bayern die beste Abwehr der Bundesliga. Nicht zuletzt ist das auch das Verdienst von Außenverteidiger Frederik Sörensen. Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der Däne über die Veränderungen im Vergleich zur vergangenen Saison, über seine Vergangenheit in der italienischen Serie A und über mögliche Gründe dafür, dass die Fußballer aus dem vergleichsweise kleinen Dänemark immer wieder Fuß fassen in den großen europäischen Ligen.  

bundesliga.de: Herr Sörensen, was macht Ihr Kopf?

Frederik Sörensen: Danke, dass Sie fragen. Dem Kopf geht es wieder gut. Alles in Ordnung.

bundesliga.de: Sie mussten am vergangenen Samstag im Spiel gegen Ingolstadt nach einem Zweikampf an der Augenbraue genäht werden. Hat man danach keine Hemmungen erneut in harte Zweikämpfe zu gehen?

Sörensen: Ein bisschen weh getan hat mir eigentlich nur das Nähen selbst. Wenn du dann aber wieder auf dem Platz stehst, bist du so voll mit Adrenalin, dass du keine Angst vor Kopfbällen oder Zweikämpfen hast. Und wenn es auch noch so gut für die Mannschaft läuft, wie das aktuell bei uns der Fall ist, spürst du ohnehin keine Schmerzen.

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bundesliga.de: Selbst Experten sind verblüfft, dass der 1. FC Köln in dieser Saison so bärenstark ist. Wundert sich die Mannschaft selbst auch ein wenig?

Sörensen: Zu Beginn einer langen Saison ist man zunächst immer ein Stück weit unsicher, wie es wohl laufen wird. Jetzt aber merken wir, dass wir die Spiele gegen vermeintlich kleinere Teams, gegen die wir in der vergangenen Saison oft Schwierigkeiten hatten, gewinnen können. Wir haben jetzt Freiburg, Darmstadt und Ingolstadt geschlagen und holen die Punkte, die wir früher liegen gelassen haben.

bundesliga.de: Was macht die Mannschaft gegen diese Gegner jetzt besser?

Sörensen: Entscheidend war zunächst, dass wir im Sommer explizit angesprochen haben, dass wir gegen Gegner auf Augenhöhe mehr Punkte holen müssen. Wir verstehen es jetzt viel besser einen höheren Ballbesitzanteil auch in Tore umzusetzen.

bundesliga.de: Die Zeiten, in denen bei einer Fußball-Mannschaft von "Elf Freunde müsst ihr sein" gesprochen wurde, sind lange vorbei. Dennoch scheint dieses FC-Team mehr zu sein als eine reine Zweckgemeinschaft?

Sörensen: Das stimmt. Ein gutes Beispiel ist, dass wir heute nach dem Vormittagstraining alle komplett zum gemeinsamen Mittagessen gegangen sind, während wir sonst schon mal in kleineren Gruppen essen. In solchen Momenten spürt man auch abseits des Platzes, dass wir eine echte Einheit sind. Ich glaube, das ist eine große Qualität dieser Mannschaft, dass wir über den Fußball hinaus aneinander interessiert sind. Das gilt auch für die Menschen im Verein, die um die Mannschaft herum sind. Wir funktionieren auf dem Platz so gut, weil wir auch sonst gut miteinander können.

bundesliga.de: Spielt die Mannschaft, getragen von der großen Euphorie, nun an der Obergrenze ihrer Möglichkeiten, oder ist sogar noch mehr drin?

Sörensen: In der vergangenen Saison waren es fünf oder sechs neue Spieler, die gekommen sind. Vor dieser Saison waren es vier. Alle wurden schnell hervorragend integriert, nicht zuletzt, weil die anderen zum Teil schon seit der 2. Bundesliga zusammenspielen. Auch die Vertragsverlängerungen von Tony, Jonas und Leo (Anthony Modeste, Jonas Hector, Leonardo Bittencourt; d. Red.) zeigen, dass hier gewissermaßen an einem Projekt gearbeitet wird, das noch längst nicht abgeschlossen ist. Und ich bin überzeugt, dass diese Mannschaft in ein, zwei Jahren noch stärker sein kann.

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bundesliga.de: Hier und jetzt aber geht es erst einmal zum Spitzenspiel nach Berlin. Wie sehen Sie die Hertha?

Sörensen: Ich schaue sehr viel Fußball und habe z. B. auch Herthas Qualifikationsrückspiel zur Europa League bei Bröndby Kopenhagen gesehen, das die Berliner deutlich verloren haben. Das aber war gefühlsmäßig eine ganz andere Hertha-Mannschaft als die, die am vergangenen Freitag beim BVB 1:1 gespielt hat. Dieses Spiel habe ich mir auch angeschaut. Hertha war aggressiv und sehr stark in den Zweikämpfen und hat sich den Punkt absolut verdient. Deshalb wird Berlin für uns eine sehr harte Aufgabe. Jeder weiß jetzt, was wir zu leisten im Stande sind, und keiner wird uns mehr unterschätzen.

Video: Köln und Berlin trumpfen auf

bundesliga.de: Der FC hat gemeinsam mit dem FC Bayern die beste Abwehr der Liga, auch dank Ihnen. Mit Ihrer Größe von 1,94 sind Sie eigentlich prädestiniert für die Innenverteidigung, spielen beim FC aber seit einiger Zeit erfolgreich auf der Außenbahn. Wie groß war die Umstellung?

Sörensen: Mir ist zugutegekommen, dass ich in der dänischen U21-Nationalmannschaft bzw. den Jugendnationalmannschaften auf beiden Positionen Erfahrung sammeln konnte. Anfangs war das zwar nicht immer leicht. Heute aber profitiere ich von dieser Variabilität.

bundesliga.de: Sie sind im Sommer 2015 nicht als Nobody zum FC gekommen, sondern können auf rund 70 Spiele in der italienischen Serie A, u. a. für Juventus Turin zurückblicken. Wie sehen Sie die Bundesliga im Vergleich zur Serie A?

Sörensen: In der Bundesliga steckt meiner Meinung nach viel mehr Energie und Power, während in der Serie A die Spiele sehr taktisch geprägt sind. Wenn wir mit dem FC beispielsweise gegen die Großen wie den FC Bayern München oder auch den FC Schalke 04 spielen, versuchen wir dennoch alles, um auch gegen diese Teams drei Punkte zu holen. In Italien aber ist es eher so, dass die kleineren Clubs gegen Teams wie Juve, den SSC Neapel oder den AS Rom von Beginn an sehr defensiv organisiert sind und auf ein 0:0 hoffen. In der Bundesliga aber weißt Du vorher nie genau, wie ein Spiel ausgeht. Du kannst gegen jeden gewinnen, aber genauso gut auch gegen jeden verlieren. Wer hier nicht immer hundert Prozent abruft, wird in jedem Spiel Probleme bekommen können, ob gegen den FC Bayern oder gegen Darmstadt 98.

bundesliga.de: Lassen Sie uns über Ihre Heimat sprechen. Dänemark ist ein kleines Land, und dennoch tauchen Dänen immer wieder in den europäischen Top-Ligen auf. Was ist das Erfolgsgeheimnis?

Sörensen: Schwer zu sagen. Vielleicht hat vor allem der unerwartete Europameister-Titel 1992 dem dänischen Fußball einen großen Schub gegeben. Zurzeit werden es jedenfalls immer mehr Dänen in den großen Ligen.

bundesliga.de: Großartige dänische Fußballer, etwa in der Bundesliga mit Allan Simonsen, Hennig Jensen, Morten Olsen, Lars Bastrup oder Brian Laudrup gab es aber schon lange vor 1992...

Sörensen: Das stimmt natürlich. Man könnte deshalb z. B. auch Michael Laudrup, Allan Hansen, Preben Elkjaer Larsen oder John Jensen nennen, die alle "Fußballer des Jahres" in Dänemark waren und in der Bundesliga oder in einer anderen europäischen Top-Liga gespielt haben.

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bundesliga.de: Ist es nicht so, dass Dänen und z. B. auch Schweden als ehemalige Seefahrernationen über die eigenen Grenzen hinausblicken und z. B. sehr schnell sehr gut deutsch sprechen?

Sörensen: Das ist sicherlich auch ein Grund. Wir sind ein sehr kleines Land und haben uns immer auch nach außen orientiert. Und dann ist es enorm wichtig, dass man die Sprache des Landes, in dem man lebt, schnell versteht und auch sprechen kann. Dass man immer offen ist für Neues, das ist eine dänische Geisteshaltung. Ich selbst hatte zudem den kleinen Vorteil, dass ich zwischen dem 13. und 18. Lebensjahr in der Schule ein-, zweimal die Woche Deutschunterricht hatte.

bundesliga.de: Sie zeigen seit Wochen überragende Leistungen in der Bundesliga. Dennoch sind Sie bisher noch nicht zur dänischen Nationalmannschaft eingeladen worden. Woran liegt das?

Sörensen: Das weiß ich nicht. Bisher habe ich vom Nationaltrainer nichts gehört. Ich würde gerne für die Nationalmannschaft spielen. Aber es ist nicht so, dass ich unruhig oder unzufrieden bin, weil es noch nicht geklappt hat. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass ich erst einmal über einen längeren Zeitraum in der Bundesliga gute Leistungen zeige. Und wenn, wie aktuell, dann noch hinzukommt, dass wir als Mannschaft Erfolg haben, dürfte das zusätzlich helfen in den Blickpunkt zu rücken.

bundesliga.de: Um gute Leistungen zu bringen, ist es hilfreich, wenn man sich nicht nur im Club, sondern auch in der Stadt wohlfühlt. Wie gefallen Ihnen Köln und die rheinische Mentalität?

Sörensen: Ich mag Köln sehr, auch weil es mich ein wenig an meine Heimatstadt Kopenhagen erinnert, was die Größe der Stadt und die Mentalität der Menschen betrifft. Die Kölner sind sehr offen und strahlen Lebensfreude aus. Das hat mir die Eingewöhnung sehr erleichtert.

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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