Bundesliga

20.06.2016 - 11:46 Uhr


Florian Kainz – Ein explosiver LinksauSSen für Werder

Schnell, trickreich, abschlussstark - Florian Kainz (r.) hat alles, was einen starken Flügelspieler auszeichnet und könnte zur wichtigen Stütze des Bremer Spiels werden

Köln – Vor nicht allzu langer Zeit, als der SV Werder Bremen noch Stammgast in der Champions League war, erklärte der damalige Sportdirektor Klaus Allofs einmal, dass Fantasie ein entscheidender Faktor bei einem Transfer sei. Wissbegierigkeit, Ehrgeiz und Teamfähigkeit nannte er zudem als entscheidende Eigenschaften bei einem Neuzugang. Klaus Allofs leitet mittlerweile die Geschicke beim VfL Wolfsburg und die sportliche Realität in Bremen ist eine Andere, aber der jüngste Transfer der Werderaner passt perfekt in dieses Schema. Der pfeilschnelle Linksaußen Florian Kainz kommt von Rapid Wien und weckt die Hoffnungen, dass die Bremer in der kommenden Saison eine bessere Rolle als zuletzt spielen können.

Florian Kainz debütierte 2010 schon mit 17 Jahren für Sturm Graz in der österreichischen Bundesliga und absolvierte seitdem 163 Erstliga-Partien (26 Tore, 40 Vorlagen). 2014 wechselte er zu Rapid Wien und entwickelte sich beim Hauptstadtclub noch einmal weiter. In der vergangenen Saison startete Kainz dann richtig durch. In 33 Ligaspielen gelangen dem Rechtsfuß, der am liebsten über die linke Seite kommt, sieben Treffer und 19 Assists. Er war damit der beste Vorbereiter und drittbeste Scorer der abgelaufenen Spielzeit.

Spielweise erinnert an de Bruyne

Wer Kainz spielen sieht, dem fallen sofort seine Schnelligkeit und Beweglichkeit ins Auge. Im Eins-gegen-Eins ist der 23-Jährige nur schwer zu stoppen. Auch, weil er in der Offensive über ein breites Repertoire verfügt. Er kann sowohl bis zur Grundlinie marschieren und präzise flanken, als auch ins Zentrum ziehen, selber abschließen oder den finalen Pass spielen. Der rechte Fuß ist sein stärkerer, aber auch mit links ist der Österreicher sehr gut geschult. Dazu ist er äußerst vielseitig und kann auf beiden Flügeln oder im offensiven Mittelfeldzentrum eingesetzt werden. Ohne die Erwartungshaltung zu hoch zu schrauben: Seine Bewegungsabläufe erinnern ein wenig an den jungen Kevin de Bruyne.

Bremens neuer Sportdirekter Frank Baumann ist jedenfalls von den Fähigkeiten des Neu-Bremers, der Franck Ribery als eines seiner sportlichen Vorbilder nennt, überzeugt. Als Assistent der Geschäftsführung begann der Bremer Ehrenkapitän einst unter Klaus Allofs seine Karriere nach der Karriere und beobachtete Kainz schon vor einigen Jahren. "Ich habe mich gewundert, dass er jetzt immer noch bei Rapid war und nicht schon längst gewechselt ist", sagt Baumann, der bei Kainz keine großen Anpassungsschwierigkeiten erwartet: "Wir trauen ihm zu, dass er sich relativ schnell an die Bundesliga gewöhnt. Florian bringt das Talent mit und ist charakterlich einwandfrei."

Tritt Kainz in Herzogs Fußstapfen?

Für Kainz geht mit dem Wechsel zu Werder ein Traum in Erfüllung, denn schon in jungen Jahren erklärte der gebürtige Grazer, dass er einmal ins Ausland wechseln wolle. Diese selbstbewusste Aussage wurde ihn nach schwächeren Spielen häufiger vorgehalten. Ein Umstand, aus dem er gelernt hat. Unbedachte Sätze kommen ihm nicht mehr von den Lippen. "Schweigen ist oft sinnvoller", sagt Kainz, der trotz seiner jungen Jahre äußerst reif wirkt.

Ehrgeizig, wissbegierig, teamfähig - Florian Kainz verbindet diese Eigenschaften mit einer Bodenständikeit, die sehr gut nach Bremen passen könnte. Darüber hinaus hat der SV Werder in der Vergangenheit schon sehr gute Erfahrungen mit Spielern von Rapid Wien gemacht. 1992 wechselte der damals ebenfalls 23-jährige Andreas Herzog nach Bremen und führte die Hanseaten gleich in seiner ersten Saison zur deutschen Meisterschaft. Eine Wiederholung dieses Kunststücks erwartet von Kainz niemand. Der Flügelspieler soll seine Entwicklung in der Bundesliga bestätigen und mithelfen, den SV Werder wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen. Und das wäre für den SV Werder 2016 fast so viel wert wie der Titel 1993.

Florian Reinecke

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