Bundesliga

21.03.2016 - 12:51 Uhr


Finnbogason: Ein Isländer mit der "gewissen Coolness"

Finnbogason ist ein wichtiger Spieler im Abstiegskampf der Augsburger

Augsburg - Geduldig wartete Alfred Finnbogason in den Katakomben des Augsburger Stadions auf seine Trophäe. Dass ihm Mats Hummels schließlich sein Trikot überreichte, war für den Stürmer des FC Augsburg letztlich ein schwacher Trost. Viel lieber hätte der Isländer etwas Zählbares mitgenommen. Seine Tore könnten für Augsburg im Kampf um die nötigen Punkte für den Klassenerhalt dennoch wichtig werden.

Nur die bessere Tordifferenz trennt die Augsburger aktuell vor der Abstiegszone, die mit der punktgleichen TSG 1899 Hoffenheim auf dem Relegationsplatz beginnt. "Es ist schon enttäuschend, ohne Punkte dazustehen", sagte Finnbogason nach dem 1:3 gegen Borussia Dortmund. Mit seinem dritten Saisontor im siebten Spiel ließ der 27-Jährige die Augsburger gegen den Tabellenzweiten zunächst von der Überraschung träumen, "aber der BVB war letztlich einfach stärker", musste Finnbogason einräumen.

"Mannschaft lebt von Stürmern, die Tore machen"

Zumindest bei seinem Tor präsentierte sich der Mittelstürmer im Duell mit Weltmeister Hummels den entscheidenden Tick schneller. "Nach einem super Angriff. So dürfen wir das wiederholen", schwärmte Markus Weinzierl. Der Treffsicherheit Finnbogasons schrieb der FCA-Trainer auf Nachfrage von bundesliga.de eine große Bedeutung zu: "Ein Stürmer lebt von Toren und eine Mannschaft lebt von Stürmern, die Tore machen. Davon haben wir in der Vergangenheit zu wenige gemacht."

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Finnbogason trifft nicht nur, er übernimmt auch Verantwortung. In der Vorwoche schnappte er sich in Abwesenheit des grippekranken Elfmeterschützen Paul Verhaegh beim Strafstoß in Darmstadt wie selbstverständlich kurz vor Schluss die Kugel und verwandelte. "Er hat Nervenstärke bewiesen und uns in Darmstadt den Punkt gerettet", sagte Weinzierl. "Es ist keine Selbstverständlichkeit in so einer Situation den Elfmeter zu machen. Dafür brauchst du eine gewisse Coolness."

Insgesamt ist der Coach mit dem Winterneuzugang sehr zufrieden. "Er passt sehr gut zur Mannschaft, weil er ein guter Bursche ist und eine gute Mentalität hat. Deswegen hat es auch nicht lange gedauert, ihn zu integrieren." Finnbogason selbst bestätigt diesen Eindruck. "Das Team hat mich unheimlich gut aufgenommen", sagte er unlängst in einem Interview mit dem Stadionmagazin des FCA, "das war nicht immer so."

Schon 2013 auf Augsburgs Wunschzettel

Der isländische Nationalspieler hat eine Odyssee hinter sich, die nicht immer glücklich verlief. Dabei begann sein Streifzug durch den europäischen Fußball 2012 mit seinem Wechsel zum SC Heerenveen durchaus vielversprechend. In zwei Jahren erzielte Finnbogason für den niederländischen Erstligisten in 70 Spielen 59 Treffer. In dieser Zeit wurde auch der FC Augsburg erstmals auf ihn aufmerksam. 2013 besuchte Weinzierl Finnbogason sogar in seiner Heimatstadt Reykjavik.

Ein Wechsel scheiterte damals allerdings an zu hohen Forderungen seines niederländischen Clubs. Und so verschlug es Finnbogason 2014 nach Spanien zu Real Sociadad San Sebastian. Doch die Einsatzzeiten blieben aus, woraufhin er sich in der Hinrunde der laufenden Saison nach Griechenland zu Olympiacos Piräus ausleihen ließ. Aber auch dort passte es nicht. Nun hat es endlich mit dem FC Augsburg geklappt, zunächst zwar nur auf Leihbasis, aber der FCA hat sich eine Kaufoption gesichert.

Bundesliga-Fan Finnbogason endlich glücklich

Für Finnbogason ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen. "Ich war immer ein Fan der Bundesliga", gesteht er. Und seine starken Auftritte zuletzt, helfen ihm auch, seine Position in der Nationalmannschaft zu stärken. In der Länderspielpause stehen für ihn mit dem EM-Debütanten die Testspiele gegen Dänemark und Griechenland auf dem Programm. In der Rolle des Außenseiters hofft Finnbogason mit Island in Frankreich auf eine Überraschung.

Doch zuvor liegt seine ganze Konzentration auf dem Abstiegskampf der Bundesliga. Mit seinen vier direkten Torbeteiligungen in den vergangenen fünf Spielen hat Finnbogason seinen Wert für die Fuggerstädter bereits unter Beweis gestellt. Auch in den entscheidenden sieben Partien der Saison will Finnbogason vorangehen: "Jetzt gilt es, in den kommenden Spielen mit viel Leidenschaft und Engagement zu Punkten zu kommen." Und nicht bloß zu Trikots.

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz

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