Bundesliga

06.03.2017 - 10:42 Uhr


Festung Volkspark – HSV mit Wille und Leidenschaft

Der HSV ist vor allem zu Hause schwer zu schlagen

Hamburg - Der Hamburger SV hat die 0:8-Niederlage von München aus der Vorwoche gut verkraftet. Am Sonntagabend bezwangen die Hanseaten zuhause Hertha BSC mit 1:0. Das Volksparkstadion wird im Kampf um den Klassenerhalt immer mehr zur Festung. Die Rothosen sind seit nunmehr sechs Partien vor eigenem Publikum ungeschlagen. Zum Matchwinner avancierte Albin Ekdal, der zum ersten Mal für den HSV ein Tor schoss und damit seiner Mutter eine große Freude bereitete.

Ekdal: der unerwartete Matchwinner

In der Mixed-Zone des Hamburger Volksparkstadion warteten alle auf ihn: Albin Ekdal. Der Schwede hatte in der 77. Minute das Tor des Tages erzielt, das dem HSV drei überlebenswichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt bescherte. Doch bevor sich der 27-Jährige den Fragen der Journalisten stellte, umarmte ihn Markus Gisdol herzlich. Der Trainer des HSV freute sich für den Schweden, der sich immer wieder mit Verletzungen herumplagen musste. "Ich hab gehört, dass seine Mutter da war. Für die nächste Heimspiele möchten wir auch die anderen Mütter einladen...", flachste Gisdol.

In der Tat war Ekdals Mutter im Stadion und verfolgte das Spiel auf der Tribüne. "Sie war übers Wochenende hier in Hamburg. Sie hat mich schon öfter besucht, doch es ist das erste Mal, dass sie ein Tor von mir bestaunen durfte. Ich bin froh, dass ich ihr und unseren unglaublichen Fans eine Freude machen konnte." Sein letztes Pflichtspieltor schoss Ekdal übrigens noch im Trikot seines Ex-Vereins Caligiari Calcio am 4. Mai 2015 beim 4:0-Heimsieg über den AC Parma.

Adler: Sieg voll verdient

Nicht nur Gisdol freute sich über das erste Tor von Ekdal, auch Keeper Rene Adler war voll des Lobes. "Für Albin freut es mich ganz besonders. Er wurde in der Vergangenheit immer wieder von Verletzungen gestoppt. Er ist auf und neben dem Platz eine ganz wichtige Stütze für uns und hat ein fantastischen Spiel gemacht."

Adler blieb am Sonntagabend weitestgehend beschäftigungslos. Er musste nur einen harmlosen Schuss des Herthaners Salmon Kalou parieren. Auch aufgrund dieser Tatsache stand für den Torwart fest, dass der 1:0-Sieg verdient war. "Wir waren die eindeutig bessere Mannschaft und haben absolut zurecht gewonnen. Wir haben uns endlich mal für unser Engagement belohnt, das hätte auch schon gegen Freiburg (2:2) oder im Pokal gegen Gladbach passieren können."

Erfahrung im Abstiegskampf

Das 0:8 von München klammerte Adler ganz bewusst aus. Es scheint wirklich so zu sein, als sei das Debakel beim Rekordmeister ein einmaliger Ausrutscher gewesen zu sein. Der Keeper hob vor allem die Heimspiele heraus, denn im Volksparkstadion sind die Hamburger im Moment schwer zu schlagen. In den letzten sechs Spielen vor eigenem Publikum holten die Rothosen vier Siege und zwei Remis.

Adler verwies auch auf die Erfahrung im Abstiegskampf, die einige Mannschaften, die mit dem HSV unten drinstehen, nicht haben. "Wenn wir das zeigen, was wir können, dann muss uns ein Gegner erst einmal schlagen. In der Bundesliga kannst du nicht deine Beine hochlegen. Jeder muss seine Hausaufgaben machen".

Ekdal: "…dann sind wir schwer zu schlagen"

Matchwinner Ekdal stellte den Teamgeist in den Vordergrund. "Wenn wir mit dieser Aggressivität und Einstellung in jedes Spiel gehen, dann sind wir schwer zu schlagen. Wenn wir immer so spielen dann gehören wir auf jeden Fall auch im nächsten Jahr in diese Liga."

Neben dem Torschützen glänzte auch ein eigentlich schon Aussortierter beim HSV: Aaron Hunt. Der offensive Mittelfeldspieler spielt sich seit einigen Wochen mehr und mehr in den Vordergrund. Er bereitete den Treffer von Ekdal vor und bediente in der ersten Halbzeit mit einem tollen Lupfer Nicolai Müller, der dann an Keeper Rune Jarstein scheiterte. Hunt hat sich als ballsicherer Spieler und Ballverteiler momentan unentbehrlich gemacht im Team von Markus Gisdol.

Wood, der verteidigende Stürmer

Bobby Wood ist in dieser Mannschaft bereits gesetzt. Der auf Hawaii geborene US-Amerikaner riss etliche Kilometer ab und beschäftige beide Berliner Innenverteidiger unentwegt. Der 24-Jährige war sich auch für Abwehrarbeit nicht zu schade und leitete das 1:0 nach einem gewonnenen Zweikampf gegen Marvin Plattenhardt selbst ein. "Ich habe kein Problem damit, nach hinten mit zu rennen und mir dort den Ball zu erkämpfen. Wir haben alle super gekämpft, nur so kommen wir da unten raus. Wir wissen in welcher Situation wir uns befinden und nur mit Willenskraft können wir langsam aus dem Tabellenkeller klettern."

>>> Wood im Interview: "So kommen wir da unten raus"

Wiedersehen mit den Fohlen

Am kommenden Wochenende dürfen die Hamburger wieder in der neuen Festung Volksparkstadion antreten. Im Heimspiel am Sonntagabend empfangen die Hanseaten dann Borussia Mönchengladbach. Gegen die Fohlen hat der HSV nach dem bitteren Pokalaus vor ein paar Tagen noch eine Rechnung offen.

Aus Hamburg berichtet Alexander Barklage

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