Bundesliga

19.03.2016 - 18:23 Uhr


FC Schalke: Ein Fels namens Ralf Fährmann

Ralf Fährmann hält dem FC Schalke 04 den Sieg gegen Mönchengladbach fest

Gegen Lars Stindl ist der Keeper auf dem Posten und pariert dessen Schuss aus kurzer Distanz

22 Mal schossen die Gladbacher auf's Tor, nur ein Mal konnte Fährmann bezwungen werden

Zurecht jubelt Fährmann nach dem Spiel. Die Schalker kühren ihn zum "Man of the Match"

Gelsenkirchen - Es war schon kurz vor Mitternacht, als der Held des Abends als Letzter aus der Kabine des FC Schalke 04 kam. Fast im Alleingang hatte Ralf Fährmann seinen Schalkern mit fantastischen Paraden den 2:1-Sieg über Mönchengladbach gesichert. Und das hatte der Keeper unter der warmen Dusche mit einem kühlen Bier nochmal ganz allein auf sich wirken lassen: "Ich wollte den Moment einfach mal für mich genießen."

Nach dem Abpfiff hatte irgendwie jeder den 27-Jährigen mal an sich drücken und so richtig herzen wollen. Beim Gang der Mannschaft in die Nordkurve hatte das ganze Stadion den Namen des Torhüters skandiert, der das Strahlen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekam. "Das war ein Gänsehaut-Moment, davon träumt man als kleines Kind", gewährte er später einen kleinen Einblick in sein Gefühlsleben.

Fährmann war mit sich und der Welt sichtlich zufrieden – und das konnte er auch sein. Was er  zuvor in den 90 Minuten auf dem Platz (zum Spielbericht) gezeugt hatte, war für die Schalker kaum zu glauben und für die Gladbacher kaum auszuhalten. Mit seinen Paraden und Reflexen hatte er die Gäste ein ums andere Mal zur Verzweiflung getrieben. Raffael, Hazard, Christensen – alle scheiterten am Hexer im Schalker Tor. Unglaublich seine Aktion kurz vor der Pause, als Stindl den Ball am langen Pfosten nur noch einschieben musste, der Keeper aber irgendwie  aus kürzester Distanz noch ein Bein dazwischen bekommt.

Der Fels namens Fährmann sicherte seiner an diesem Abend weitgehend hoffnungslos unterlegenen Mannschaft drei Punkte, die im Kampf um die Champions League noch ganz wichtig werden können (zur Tabelle). Zwar verbuchte Gladbach 64 Prozent Ballbesitz, gewann 54 Prozent der Zweikämpfe und kam auf stolze 22 (!) Torschüsse (zu den Topdaten)– das half aber am Ende alles nicht. "Es ist ein glücklicher Sieg gegen richtig gute Gladbacher, die einfach besser waren als wir", gab Ralf Fährmann unumwunden zu. Und fügte grinsend hinzu: "Aber ein glücklicher Sieg fühlt sich genauso an wie ein normaler."

Zwar gönnte sich der Torhüter nach dem Match diesen einen Moment allein unter der Dusche, um seinen triumphalen Abend ein wenig zu genießen. Viele Worte aber wollte er um seinen Gala-Auftritt nicht machen: "Wir haben kein Mittel gefunden gegen Gladbach. Da ist es umso schöner, dass man der Mannschaft als Torwart Rückhalt geben kann und den Sieg festhält."

So nüchtern ließen Verantwortliche und Mitspieler die Leistung ihres Keepers freilich nicht im Raum stehen. Leon Goretzka bescheinigte ihm "Weltklasseformat", André Breitentreiter gratulierte zu einer "Weltklasseleistung", Horst Heldt fand es schlicht "sensationell – und das nicht zu ersten Mal."

Der Schalker Sportvorstand nutzte die Gelegenheit und schickte gleich noch schöne Grüße an Jogi Löw: "Ralf ist absolute Weltklasse, dazu ein super Junge mit einem sauberen Charakter. Er hätte längst mal eine Nominierung für die Nationalmannschaft verdient."

Aktuell aber zählt Schalkes Nummer eins einmal mehr nicht zu den Glücklichen, die für die Länderspiele gegen Italien und England im deutschen Aufgebot stehen. Ralf Fährmann hat das mit einer gewissen Enttäuschung zur Kenntnis genommen: "Natürlich wäre es ein Traum gewesen, für die Nationalmannschaft nominiert zu werden." Aufgeben will er das große Ziel aber nicht, eines Tages doch den Adler auf der Brust zu tragen. "Ich versuche weiter meine Leistung von Woche zu Woche abzurufen, um vielleicht irgendwann auf den Zug aufzuspringen. Mehr kann ich nicht machen. Aber ich werde Vollgas geben, um jedem zu zeigen, dass man sich auf mich verlassen kann."

Auf Schalke jedenfalls wissen sie nicht erst seit seinem bärenstarken Auftritt gegen Gladbach, dass sie sich auf ihren "Ralle" voll und ganz verlassen können. Und das auch noch ein paar Jahre, geht es nach dem Schlussmann selbst. "Ich habe den Vertrag extra nochmal verlängert und habe mit Schalke noch sehr viel vor", schickte Fährmann nach seiner Weltklasse-Leistung noch ein dickes, königsblaues Treuebekenntnis in die Fankurve.

 

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte

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