Bundesliga

08.05.2016 - 13:00 Uhr


Ingolstadt und Darmstadt - Bärenstarke Aufsteiger

Moritz Hartmann (l.) und Sandro Wagner haben großen Anteil am Klassenerhalt ihrer Clubs

Köln - Die wenigsten Experten haben damit gerechnet, doch sowohl der FC Ingolstadt als auch der SV Darmstadt 98 haben souverän die Klasse gehalten. Die beiden Aufsteiger gingen als große Außenseiter in die Saison und überzeugten.

Mit dem 2:1-Erfolg bei Hertha BSC am 33. Spieltag hat sich der SV Darmstadt 98 endgültig gerettet. Erstmals seit sechs Jahren hielten somit alle Aufsteiger die Klasse (damals gelang dies Freiburg, Mainz und Nürnberg). Nach dem Heimflug aus Berlin wurde am Darmstädter Böllenfalltor ausgiebig gefeiert.

Der oftmals prognostizierte Einbruch blieb aus

Selbst während der laufenden Saison wurden die beiden Aufsteiger weiter unterschätzt, viele rechneten mit einem Einbruch, wie er in den letzten Jahren Aufsteigern wie Paderborn, Braunschweig, Fürth oder Düsseldorf widerfahren ist.

Doch weder Ingolstadt noch Darmstadt haben nachgelassen: Beide holten 2016 satte 20 Punkte und rangieren in der Rückrundentabelle auf dem neunten und zehnten Platz. Der Grund dafür ist vor allem in der taktischen Kontinuität der beiden Mannschaften zu finden (zur Tabelle).

Defensive ist Trumpf

Die meisten Aufsteiger setzen sich in der 2. Bundesliga mit Offensivfußball durch. Im Normalfall dominieren die besten Teams der 2. Bundesliga ihre Gegner und treffen am Fließband. Vor dem 33. Spieltag schoss beispielsweise der SC Freiburg 72 Tore, das sind 2,25 pro Spiel.

Doch die Erfolgsrezepte aus der 2. Bundesliga funktionieren oftmals in der Bundesliga nicht mehr: Freiburg wird in der nächsten Saison die Gegner nicht mehr aus dem Stadion schießen und auch RB Leipzig wird nicht gelingen, Woche für Woche den Gegnern das Spiel aufzuzwingen, wie es in der aktuellen Saison fast immer der Fall war.

Üblicherweise müssen sich die Aufsteiger deshalb umgewöhnen, neue Taktiken für die Bundesliga einstudieren und die Spielidee modifizieren – meist von offensiv Richtung Defensive.

Das galt aber nicht für Darmstadt und Ingolstadt, die beide auf Grund ihrer Defensiv-Taktiken aufgestiegen sind. Beide Klubs konnten eine Etage höher so weiterspielen wie gewohnt. Die Lilien beispielsweise hatten schon letzte Saison in der 2. Bundesliga nicht einmal 46 Prozent der Spielanteile. Ingolstadt hatte als Meister der 2. Bundesliga in der gesamten Spielzeit 53 Tore erzielt, die Darmstädter sogar nur 44 (1,29 pro Partie).

FCI: Hinten sicher stehen führt zum Erfolg

Das Fundament des Ingolstädter Erfolgs war die starke Defensive. Nur 39 Gegentreffer ließ der FCI zu, in der Geschichte der Bundesliga gab es nur einen Aufsteiger mit weniger Gegentoren am Saisonende: Der FC Bayern vor 50 Jahren (38 Gegentore).

Nur acht Gegentore kassierte der Aufsteiger aus Standards, nur selten wurde man ausgekontert. Was mit Fleiß, Disziplin und Training zu beeinflussen war, wurde beeinflusst. Die Defensive des Aufsteigers überzeugte vor allem mit Zweikampfstärke.

Offensiv lief weniger zusammen, einzig Hannover schoss weniger Tore als der FCI, der 31 Mal traf. Über ein Viertel der Tore erzielte Ingolstadt mit Strafstößen, von denen man gleich neun erhielt (Höchstwert mit Bayern und Bremen). Bester Torschütze der Schanzer ist Moritz Hartmann, der 11 Tore und damit 35 Prozent der FCI-Treffer erzielte (zur Torjägerliste).

Standards und Köpfchen

Darmstadt gelang es in seiner dritten Bundesliga-Saison erstmals die Klasse zu halten. Dabei spielten die Lilien einen extrem Fußball, waren kaum auf Ballbesitz aus, sondern suchten immer wieder den direkten Weg nach vorne. Mit Folgen: Nur 57 Prozent der Pässe landeten beim Mitspieler, die Spielanteile lagen bei extrem niedrigen 37 Prozent.

Auch wenn diese Spielweise häufig von Gegnern kritisiert wurde, ließ sich Dirk Schuster nicht davon abbringen - am Ende mit Erfolg (die Stimmen zum Spiel gegen Hertha BSC).

Tore erzielte der Aufsteiger nach traditioneller Art: Starke 15 Mal nutzte man Standards, mit 14 Kopfballtoren setzte man ligaweit Maßstäbe. Zudem spielten Sandro Wagner und Aytac Sulu jeweils die Saison ihres Lebens, der Stürmer traf 14 Mal, der Kapitän für einen Abwehrspieler sagenhafte sieben Mal (zur Torjägerliste).

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