Bundesliga

27.08.2016 - 21:24 Uhr


FC Bayern: Bekannte Dominanz, neue Facetten

Carlo Ancelotti weist David Alaba an: Die Handschrift des neuen Bayern.Trainers ist schon zu sehen

München - Eine dezente Geste genügte. Mit ausgebreiteten Armen und nach unten gerichteten Handflächen drosselte Carlo Ancelotti imaginär das Tempo, als Außenverteidiger David Alaba nach vorne stürmen wollte. Der Adressat gehorchte, der FC Bayern München zog sich zurück, nur um sich kurz darauf eine große Konterchance zu erspielen. Die Szene unmittelbar vor der Halbzeitpause der Partie gegen Werder Bremen hatte Symbolcharakter und deutet auf die ersten erkennbaren Änderungen im Bayern-Spiel unter dem neuen Trainer hin.

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Er wolle keine Revolution starten, hatte Ancelotti bei seiner Vorstellung verkündet. Seine Worte nach dem 6:0-Auftaktsieg gegen Bremen klangen ähnlich. "Diese Mannschaft hat eine phantastische Qualität, die sie in der Guardiola-Ära gelernt hat. Ich möchte diese Qualität nicht verändern", sagte Ancelotti. Unweigerlich tauchte dabei die beschwichtigende Geste von vor der Halbzeit wieder im Hinterkopf auf.

"Haben versucht, ein bisschen anders zu spielen"

Dennoch hat bereits der erste Bundesliga-Auftritt seiner Mannschaft gezeigt, dass Ancelotti in Details den erfolgreichen Stil seines Vorgängers Pep Guardiola mit seinen eigenen Ideen verfeinert hat. "In Ballbesitz haben wir versucht, ein bisschen anders zu spielen", erklärte der 57-Jährige. "Wenn wir die Möglichkeit hatten, haben wir mehr Vertikalbälle gespielt."

Der zweite Treffer der Bayern ist das beste Beispiel dafür: Robert Lewandowski lief am Ende alleine aufs Tor zu und markierte seinen ersten Saisontreffer - in Szene gesetzt von Franck Ribery, der den Polen mit einem perfekten Pass aus der eigenen Hälfte auf die Reise schickte. "Wir haben phasenweise defensiver agiert", sagte Philipp Lahm. "So haben wir uns selbst Räume kreiert, indem wir Ballgewinne hatten. Wir hatten in der ersten Halbzeit drei, vier Kontermöglichkeiten. Das kommt bei uns nicht so häufig vor."

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Solche Konter sind ein Charakteristikum von Ancelottis Spielphilosophie, wie die Bayern selbst leidvoll am eigenen Leib erfahren mussten. 2014 wurden sie bei der 0:4-Heimniederlage im Halbfinale der Champions League von Ancelottis Real Madrid mehrmals klassisch ausgekontert.

Ruhiger, aber zielstrebiger

Das Spiel der Bayern beruht insgesamt auch unter dem Italiener auf Dominanz und Ballbesitz. Doch auch hier gibt es feine Unterschiede. Beim 5:0-Sieg gegen die Bremer im März dieses Jahres verzeichneten die Münchner noch 78 Prozent Ballbesitz und spielten über 960 Pässe, jetzt waren es "nur" noch 67 Prozent Ballbesitzphasen und gut 200 Pässe weniger. Trotz der vereinzelten Ruhephasen wirkte das Spiel der Bayern insgesamt zielstrebiger: Satte 15 Torschüsse gab der Rekordmeister allein in der ersten Halbzeit ab - ein Wert, der unter Guardiola nie erreicht wurde.

"Der Trainer bringt neue Facetten mit rein, aber die Klasse der Einzelspieler hat sich nicht geändert", brachte es Thomas Müller auf den Punkt. Eine weitere Änderung betraf ihn selbst. Wie sein Pendant Franck Ribery auf der anderen Seite, spielte auch Müller auf der halbrechten Offensivposition etwas weiter innen. "Unser Positionsspiel sieht anders aus als letzte Saison", erläuterte Lahm. Als Rechtsverteidiger hielt der Kapitän bei seinen Vorstößen konsequent seine Position auf der Außenbahn - erst bei seinem Torerfolg nach Doppelpass mit Müller zog er nach innen.

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Und auch der Spaß kommt unter dem neuen Trainer nicht zu kurz. In der ARD versprach Ancelotti dem seltenen Torschützen daraufhin eine Flasche Champagner. "Es stehen zwei freie Wochenenden an. Jetzt werde ich sie nicht mehr kriegen, aber für das nächste erwarte ich sie schon in meinem Spind", scherzte Lahm. Mit dem torreichen Auftakterfolg im Rücken, können sich die Bayern erst einmal entspannt zurücklehnen und die Konkurrenz beobachten.

Aus München berichtet Maximilian Lotz

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