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Bundesliga

12.12.2014 - 13:30 Uhr


Erstklassige Hilfe mit "Second Fanshirt"

In den über 20 Sammelstellen sind bereits zahlreiche Fanartikel gespendet worden

In Freiburg organisieren unter "Second Fanshirt Freiburg" mehrere Fangruppen gemeinsam die Sammlung von Fanartikeln (Foto: Valentin Fischer)

Köln - Es ist Winter, es ist Weihnachtszeit. Die Menschen jagen durch die Innenstädte um Geschenke zu kaufen, gleichzeitig besinnen sich viele auf die Not anderer Menschen – und spenden. Mögliche Orte, an denen Spenden abgegeben werden können, sind seit Oktober dieses Jahres auch viele Fußballstadien.

Initiiert vom "Bündnis aktiver Fußballfans" (BAFF) und der internationalen Fanorganisation "Football Supporters Europe" (FSE), können Stadionbesucher und Fußballfans in vielen deutschen Bundesligastadien der Fanaktion "Second Fanshirt" alte Fanartikel spenden. Diese werden anschließend versteigert. Das Geld soll Flüchtlingsinitiativen zu Gute kommen

Unterstützung bestehender Flüchtlingshilfen

"In aktuellen Zeiten, in denen überregional verstärkt negative Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht wird, war es uns wichtig, ein positives Gegenzeichen zu setzen“, sagt BAFF-Sprecher Patrick Gorschlüter zu der Aktion. Verschiedene internationale Konflikte sorgten dafür, dass viele Menschen 2014 aus ihren Herkunftsländern flüchten mussten und nach Europa und Deutschland kamen.

Nicht wenige Flüchtlinge kommen traumatisiert aus ihren Herkunftsländern und haben in Deutschland zusätzlich mit schwierigen Verhältnissen und überfüllten Notunterkünften zu kämpfen. Häufig sind sie auf ehrenamtliche Helfer und Initiativen angewiesen, die sie bei der Alltagsbewältigung in einem fremden Land unterstützen. Doch diesen fehlt es oft an Geld. Hier setzt "Second Fanshirt" an. "Wir hoffen mit unserem Projekt zumindest einzelnen Initiativen unter die Arme greifen zu können, damit Ideen umgesetzt werden können, anstatt im Sande zu verlaufen", erklärt Gorschlüter.

Zivilgesellschaftliches Engagement von Fußballfangruppen in Deutschland ist keine Seltenheit. Viele Gruppen und Vereine engagieren sich sozial und sorgen damit dafür, dass der Fußball neben dem rein sportlichen Aspekt auch gesellschaftlich einen enormen Stellenwert hat. Das Besondere an "Second Fanshirt": Während woanders über die Flüchtlinge gestritten wird, scheint es bei den Fußballfans kaum Vorurteile zu geben. Sie helfen einfach.

Sammelstellen in mehr als 20 Stadien

Waren zu Beginn der Aktion neben den Initiatoren nur einige wenige Fangruppen und Fanprojekte beteiligt, hat sich das Ganze in den vergangenen drei Monaten rasant weiterentwickelt. Inzwischen gibt es in über 20 Stadien Sammelstellen für alte Fanartikel - häufig koordiniert von den Fans. Und auch viele Clubs unterstützen das Anliegen ihrer Anhänger durch Hilfestellungen oder durch eigene Spenden.

"Der ein oder andere Verein hat seine Restbestände im Fanshop geplündert oder ein Trikot von der gesamten Mannschaft unterschreiben lassen. Das freut uns immer sehr!", begrüßt Gorschlüter die Initiative der Clubs. Die Anzahl der gesammelten Fanartikel liege momentan im mittleren dreistelligen Bereich, mutmaßt er. Eine vollständige Zählung der Spenden fand noch nicht statt.

Denn mit dem Sammeln ist es noch lange nicht getan, bekräftigt auch Gorschlüter: "Die eigentliche Arbeit kommt ja erst in den nächsten Wochen auf uns zu. Wir müssen die Sammlungen aus den einzelnen Städten zusammentragen, diese sortieren und anschließend in einem bekannten Internet-Auktionskaufhaus den interessierten Leuten anbieten." Dafür wurde sogar ein eigener "Charity-Account" eingerichtet, so dass wirklich 100 Prozent der Einnahmen an Flüchtlingsorganisationen gehen können. 

Ein Weihnachtsgeschenk - doppelte Freude

Welche das sein werden, ist noch nicht ganz klar. "Konkret haben wir uns da noch nicht festgelegt und sind auch hier offen für Ideen und Vorschläge jeglicher Art", so Gorschlüter. Als mögliche Beispiele nennt er zum Beispiel Fußballprojekte wie "Champions ohne Grenzen", oder den "FC Lampedusa Hamburg", in denen geflüchtete Menschen Fußball spielen und damit zumindest für ein paar Minuten und Stunden ihren Erinnerungen und Sorgen entfliehen können.

Obwohl die Sammelstellen in vielen Städten im Dezember noch alte Fanartikel annehmen und weiterhin viel Arbeit vor den Helfern liegt, ziehen die Organisatoren auch jetzt schon ein positives Fazit und diskutieren sogar, "ob und wie das Projekt langfristig weiterlaufen kann". So könnte mit etwas Glück und viel Engagement ein langfristiges Hilfsprojekt im Fußballumfeld entstehen. Mit Hilfe von freiwilligen Helfern, mit Hilfe der Fans, mit Hilfe der Vereine und vor allem mit Hilfe der zahlreichen Spender.

Und wer noch auf der Suche für passende Weihnachtsgeschenke ist, könnte sich der Aktion in den nächsten Wochen auch auf eine andere Art und Weise ganz einfach anschließen und die gespendeten Fanartikel im Internet ersteigern. Ein Trikot mit allen Unterschriften der aktuellen Mannschaft vom 1. FC Köln könnte so nicht nur für ein seeliges Kinderlächeln unter dem Weihnachtsbaum sorgen, sondern gleichzeitig ein Geschenk für ein geflüchtetes Kind aus einem Krisengebiet sein. Dem Stress in den Innenstädten entgehen und ein doppeltes Geschenk machen - Fußball kann so schön sein!

Kea Müttel

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