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Bundesliga

22.12.2015 - 10:50 Uhr


Johnson: "Haben Qualität - aber müssen sie regelmäSSig abrufen"

Köln - Auch wenn Borussia Mönchengladbach innerhalb von anderthalb Wochen in vier Spielen 15 Gegentreffer hinnehmen musste, explodierten in den Wochen zuvor - und jüngst gegen den SV Darmstadt 98 - die Leistungen von Oscar Wendt, Lars Stindl oder Julian Korb geradezu. Dasselbe gilt für Fabian Johnson, der sich in seinem zweiten Jahr bei Borussia zum Führungsspieler der "Fohlen" entwickelt hat.

Im Exklusiv-Interview mit bundesliga.de spricht der US-Nationalspieler über die Gründe für den schwachen Endspurt der Borussia, über seine eigene Entwicklung und über das Ansehen der Bundesliga in der Major League Soccer (MLS).

bundesliga.de: Herr Johnson, Ihr Teamkollege Oscar Wendt hat nach den Niederlagen gegen Bayer 04 Leverkusen und Werder Bremen gesagt, dass ihm diese die Freude auf Weihnachten ein Stück weit verdorben haben. Wie waren Ihre Empfindungen?

Fabian Johnson: Oscar hat völlig Recht. Die Freude hätte auf jeden Fall größer ausfallen können. Gegen Leverkusen haben wir ein richtig schlechtes, pardon, ein S...-Spiel gemacht. Aber das kann mal passieren. Es war klar, dass wir nicht alles gewinnen werden. Aber im Pokal wollten wir unbedingt eine Runde weiterkommen. Ich denke, wir haben gegen Werder einfach nicht gut verteidigt, und haben den Bremern die Tore zu leicht ermöglicht. Da ist der Frust schon sehr groß, wenn man eine solche Chance relativ leichtfertig verspielt hat.

bundesliga.de: Sehen Sie die Gründe für den Einbruch darin, dass die Mannschaft ob des "Spektakel-Faktors", wie eine Zeitung geschrieben hat, die Defensive schon länger, etwa auch gegen Hoffenheim oder Hannover vernachlässigt hat?

Johnson: Ich denke nicht, dass wir defensiv ein grundsätzliches Problem haben. Letztlich geht es immer nur darum, wie wir eine Aufgabe angehen. Wir können uns nur selbst im Weg stehen. Wir haben gegen gute Mannschaften ebenso wie gegen die, die weiter unten in der Tabelle stehen, gezeigt, dass wir es drauf haben. Wir können gegen jeden Gegner in der Bundesliga gewinnen, aber wir können auch gegen jeden verlieren. Wie gesagt, es liegt an uns. Wir haben die Qualität. Aber wir müssen Sie auch regelmäßig abrufen.

bundesliga.de: Apropos Hoffenheim: Das war neben der Partie gegen den FC Bayern München wohl Ihr bestes Spiel überhaupt im Fohlen-Dress. Kann man bei Ihnen von einer Leistungsexplosion sprechen?

Johnson: Ich glaube entscheidend ist, dass ich in dieser Saison, meinem zweiten Jahr bei Borussia, von Anfang an gespielt habe. Das war im ersten Jahr nicht der Fall war. Da habe ich nur 16 Spiele gemacht, und das ist einfach zu wenig für mich. Da war es klar, dass ich nicht so gut aussehe, wenn ich nicht regelmäßig spiele.

bundesliga.de: Liegt Ihnen Schuberts Spielidee mehr als die Favres?

Johnson: Das ist schwer zu beantworten. Schließlich waren wir auch unter Lucien Favre sehr erfolgreich. In der vergangenen Rückrunde haben wir hervorragend gespielt, und ich habe jede Partie absolviert. Klar, jetzt habe ich in kurzer Folge ein paar Tore geschossen. Das sieht natürlich gut aus. Aber wer weiß, ob das in der Rückrunde so weitergeht? Fakt ist für mich, dass die Mannschaft alles in allem eine gute Leistung zeigt, seit André Schubert die Verantwortung hat. Und ich hoffe, dass das in der Rückrunde so weitergeht.

bundesliga.de: Max Eberl hat gesagt, Sie hätten sich vom Struktur- zum Führungsspieler entwickelt. Können Sie zunächst erklären, was man sich unter einem Strukturspieler vorzustellen hat?

Johnson: Das ist eine ziemlich gute Frage. Da fragen Sie lieber mal Max Eberl. Ich habe diesbezüglich keine rechte Vorstellung. (lacht)

bundesliga.de: Okay, der Führungsspieler ist ohnehin höher angesiedelt...

Johnson: Keine Frage, wenn der Manager das sagt, hört man das sehr gerne. Ich habe in meiner Karriere schon einiges miterlebt, ob es nun positive oder negative Dinge waren. Da ist es sicher gerechtfertigt, dass man allmählich von einem Führungsspieler spricht. Grundsätzlich bin ich aber ein eher ruhiger Typ, der auf dem Platz nicht großartig herumschreit. Ich versuche, den anderen mit meiner Leistung und mit der Art und Weise, wie ich spiele, zu helfen. Und ich hoffe, dass das bei den Jungs gut ankommt.

bundesliga.de: Stichwort "gut ankommen": Das ist Ihnen auch bei den US-Boys gelungen. Hat trotz sehr vieler Spiele für die U-Teams des DFB die Perspektive regelmäßig zu spielen den Ausschlag für die USA gegeben?

Johnson: An die Perspektive habe ich in erster Linie nicht gedacht. Als ich noch in Hoffenheim unter Vertrag stand, hat mich Jürgen Klinsmann angerufen und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, für die USA zu spielen. Er hat mir vorgeschlagen, dass ich mir ein Trainingscamp der US-Boys anschaue. Also bin ich rüber geflogen und habe eine Woche mit den Jungs trainiert und alles kennengelernt. Das hat mir sehr gut gefallen und deshalb habe ich letztlich die Entscheidung für die USA getroffen.

bundesliga.de: Wie schauen Ihre Nationalmannschaftskollegen auf die Bundesliga?

Johnson: Viele von den Jungs, die in der MLS spielen, wollen unbedingt nach Europa. Die Namen der Clubs und der Spieler üben einen großen Reiz auf sie aus. Besonders gerne möchte man in die Bundesliga, weil man den deutschen Fußball für attraktiver hält als den, der zum Beispiel in der Premier League gespielt wird.

bundesliga.de: Ist es in den USA ein großes Thema, wenn Sie gegen die TSG 1899 Hoffenheim und die Bayern treffen?

Johnson: Der Fußball ist in den USA weiterhin sehr im Kommen, und damit wächst auch das Interesse an der Bundesliga immer mehr. Spiele der Bundesliga werden im Fernsehen übertragen, und ich habe gute Resonanz von meinem Nationalmannschaftskollegen bekommen, die sich aufrichtig für mich gefreut haben. Auch Sport-Zeitschriften und der Sender, der in den USA die Bundesliga überträgt (FOX Sports, Anm. d. Red.), haben sich gemeldet, um ein Interview zu bekommen. Das zeigt mir, dass die Bundesliga in den USA auf jeden Fall im Blickpunkt ist.

bundesliga.de: Ist für Sie ein Engagement in der MLS später denkbar, ähnlich wie es Ihr ehemaliger Wolfsburger Kollege Marcel Schäfer planen soll?

Johnson: Davon hat Marcel mir schon erzählt. Aber ehrlich gesagt denke ich soweit überhaupt nicht voraus. Ich fühle mich in Gladbach pudelwohl und bin froh, dass ich in dieser tollen Mannschaft spielen darf. Was die Zukunft letztlich bringt - wer weiß das schon?! Meistens kommt es doch anders, als man sich das zunächst vorgestellt hatte!

Das Gespräch führte Andreas Kötter

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