Bundesliga

25.02.2016 - 14:21 Uhr


Erfolgreiche Europatournee von Augsburg Calling

Gerhard Seckler (M.) ist der Vater von Augsburg Calling und steht als leidenschaftlicher Gitarrist auch häufig bei den Fanpartys auf der Bühne

Köln - Die aktuelle Spielzeit ist für den FC Augsburg ein großes Abenteuer. Zum ersten Mal in der über hundertjährigen Geschichte konnte sich der FCA für das internationale Geschäft qualifizieren. In Anspielung auf den Schmähgesang "In Europa kennt euch keine Sau" läuft die Kommunikation zur Augsburger Europa-League-Saison auf Twitter selbstironisch unter dem Hashtag "keineSau". Doch nicht nur der Club wagte seine ersten internationalen Schritte: Auch die Faninitiative "Augsburg Calling" lud zu ihren ersten Europapokalabenden und sorgte dafür, dass man in Europa nicht nur die Spielweise, sondern auch die Gastfreundschaft der Fuggerstädter in Erinnerung behalten wird.

Gerhard Seckler hat schon einiges erlebt. Der leidenschaftliche Gitarrist mit obligatorischem Cowboyhut, der meist einfach "General" gerufen wird, ist der Vater von Augsburg Calling. 2006 gestaltete er zum ersten Mal ein buntes Rahmenprogramm für Gästefans und Augsburger Anhänger. Seine Grundidee war ziemlich einfach: "Die Fans beider Lager sollten respektvoll miteinander umgehen und Gäste sollten sich bei einem Fußballspiel auch wie Gäste fühlen", so Seckler.

Empfang mit Hut und einem Lächeln

Es dauerte einige Zeit, aber mittlerweile gehört Augsburg Calling genauso selbstverständlich zum Stadtbild wie das Puppentheater. Egal, wie groß die Rivalität der Clubs oder wie prekär die sportliche Lage auch war: Gerhard Seckler stand mit Hut und einem Lächeln am Bahnhof und begrüßte die ankommenden Fans. Über die Jahre konnte Seckler viele lokale Partner und den Club als Unterstützer gewinnen. Seit der vergangenen Saison wird das Projekt durch den "Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur", kurz PFiFF, mit 50.000 Euro gefördert. PFiFF wurde Anfang 2014 vom Ligaverband ins Leben gerufen.

Nach einem knappen Jahrzehnt stand Augsburg Calling in dieser Spielzeit mit den internationalen Begegnungen vor einer neuen Herausforderung. Gebannt verfolgte Seckler die Auslosung im Spätsommer 2015. Wen würde er in Augsburg begrüßen dürfen? Athletic Bilbao, der AZ Alkmaar und Partizan Belgrad landeten in der Gruppe des FCA. Kurz nachdem die Würfel gefallen waren, erhielt der General die ersten Nachrichten. "Viele haben direkt gesagt: Gegen Partizan kannst Du kein Augsburg Calling machen. Das sind die "Totengräber", die schlagen alles kurz und klein", erinnert sich Seckler. Natürlich hat er nicht darauf gehört.

Der FC Augsburg hat zahlreiche Fans aus dem ehemaligen Jugoslawien, die mittlerweile in der Fuggerstadt zu Hause sind. Viele erklärten sich bereit, als Dolmetscher bei Augsburg Calling mitzuwirken. Partizan spielte als erster Kontrahent in der WWK Arena. Die sportliche Heimpremiere ging zwar mit 1:3 verloren, aber das internationale Debüt von Augsburg Calling war dafür ein voller Erfolg. Knapp 200 Fans von Augsburg und Partizan feierten gemeinsam bis in den frühen Morgen. Und das Mobiliar blieb völlig unversehrt.

Äußerst gastfreundliche "Totengräber"

Die Gäste waren von der Aktion so angetan, dass sie für die Anhänger der bayrischen Schwaben für das Rückspiel ebenfalls ein Programm auf die Beine stellten. "Das war ein wunderbarer Recall", schwärmt Seckler heute. Nach dem dramatischen Spielverlauf im letzten Gruppenspiel und dem Ausscheiden von Partizan gegen Augsburg in buchstäblich letzter Sekunde äußerten einige Fans wieder Bedenken, aber statt feindseliger Atmosphäre erwiesen sich die Fans von Partizan als überaus gastfreundlich.

Die anschließende Fanparty auf der Donau war für Seckler ein absolutes Highlight: "Der Recall in Belgrad war eine ganz eindrucksvolle Geschichte", schwärmt der General, der an dem Abend feststellte, dass Sliwowitz immer noch der beste Dolmetscher ist. Mit der gemeinsamen Feier beindruckten die beiden Fanlager sogar die lokale Presse, die in großen Artikeln darüber berichtete. Die Spiele gegen den FC Liverpool waren für den anglophilen Musiker ebenfalls etwas ganz besonderes. Seckler ist in England gut vernetzt und konnte deshalb sowohl beim Hin- als auch beim Rückspiel ein zugkräftiges Programm mit hochklassiger Livemusik auf die Beine stellen.

Derzeit sieht es zwar nicht danach aus, als könnte Augsburg sich auch in dieser Saison wieder für Europa qualifizieren, aber falls doch, müsste eigentlich ein neuer Hashtag kreiert werden. Einerseits, weil die Mannschaft stark aufspielte, und andererseits, weil Gerhard Seckler abseits des Rasens dafür sorgte, dass viele ausländische Fans Augsburg in sehr guter Erinnerung behalten werden. Ganz so, wie es sich der General vor knapp zehn Jahren erträumt hatte.

Florian Reinecke

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