Bundesliga

20.05.2016 - 11:15 Uhr


Frankfurt in der Relegation: Trotzig zum Auswärtssieg

Alexander Meier (r.) feierte gegen Nürnberg nach längerer Verletzungspause sein Comeback

Frankfurt - "Auswärtssieg, Auswärtssieg", schallte es nach dem Schlusspfiff trotzig aus der Kurve der Fans von Eintracht Frankfurt. Nach dem 1:1 im Relegationshinspiel gegen den Zweitliga-Dritten 1. FC Nürnberg hat sich die Ausgangslage für den Bundesligisten im Kampf um den Klassenerhalt nicht gerade verbessert.

Im Rückspiel am Montag braucht die Eintracht einen Sieg oder ein Remis mit mindestens zwei Toren, um erstklassig zu bleiben - die Relegation läuft im Europapokal-Modus. Mit einem 0:0 am Montag wäre also Nürnberg in der nächsten Runde wieder Bundesligist.

Russ fehlt im Rückspiel

"Das Ergebnis ist schon ein bisschen ernüchternd für uns", gab Eintracht-Trainer Niko Kovac im ersten Moment zu. Aber auch bei ihm gewann Trotz die Überhand. "Vielleicht ist es aber gar nicht von Nachteil, dass wir ein Tor schießen müssen", meinte der Kroate. Doch dazu muss die Eintracht im Rückspiel effektiver und ideenreicher in der Offensive auftreten. Die Hessen waren zwar 90 Minuten hochüberlegen und hatte viel mehr Ballbesitz als der Gegner, konnte sich aber gegen die massive Abwehr der Nürnberger kaum Torchancen erspielen. Die Franken hingegen machten quasi aus keiner Chance ein Tor. Nach einer Freistoßflanke von Sebastian Kerk gingen sie kurz vor der Pause durch ein unglückliches Eigentor von Marco Russ in Führung.

Es war die Spitze der Tragik für den Frankfurter Innenverteidiger. Am Tag zuvor war bei Russ ein Tumor diagnostiziert worden (Bundesliga wünscht Marco Russ schnelle Genesung). Trotzdem wollte der 30 Jahre alte Routinier spielen. Die Fans skandierten bei der Vorstellung der Frankfurter Mannschaft vor dem Anpfiff bei jedem Spieler den Nachnamen von Russ. Auch nach dem Spiel wurde Russ mit Sprechchören gefeiert.

In Nürnberg wird der Familienvater fehlen. Nach Krebsdiagnose und Eigentor kassierte er auch noch die zehnte Gelbe Karte, die eine Sperre für die nächste Begegnung nach sich zieht. Das Schicksal von Russ und die Umstände wie es bekannt geworden war, überlagerte das Spiel. Russ wird im Rückspiel durch Carlos Zambrano ersetzt, kündigte Eintracht-Trainer Niko Kovac an. Weil er gute Leistungen in den letzten Wochen gebracht hatte und Kovac nach Gesprächen mit dem Spieler den Eindruck gewonnen hatte, dieser sei in der Lage zu spielen, stellte der Trainer Russ ohne Bedenken auf.

Russ trug sogar die Kapitänsbinde, die ihm der nominelle Spielführer Alexander Meier gerne überlassen hatte. Meier selbst stand ja nach langer Verletzungspause erstmals wieder in der Startformation. "In dieser Geste sieht man, was für ein toller Charakter Meier ist", lobte Kovac. Sportlich zahlte sich das Comeback des Torjägers allerdings nicht aus, er blieb bis zu seiner Auswechslung in der 70. Minute wirkungslos. Den wichtigen Ausgleich für die Eintracht schaffte Mijat Gacinovic in der 65. Minute.

Meier: "Dominant auftreten und ein Tor schießen"

Alexander Meier erklärte nach dem Abpfiff, warum er noch nicht der Alte war, wie er die Ereignisse um Marco Russ empfunden hatte und wie die Chancen seiner Elf beim Rückspiel sind.

Frage: Das war heute noch nicht der alte Alexander Meier, oder?

Alex Meier: Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass ich der Alte bin. Ich habe alles gegeben

Frage: Trotz drückender Überlegenheit sprang nur ein Tor heraus. Sind Sie enttäuscht, dass Sie sich nicht mehr belohnt haben?

Meier: Wir hatten trotz Überlegenheit nicht viele Chancen, eine haben wir reingemacht. Aber ansonsten hatten wir nur noch ein paar halbe Chancen.

Frage: Wie haben Sie den Tag vor dem Spiel erlebt, als bekannt wurde, dass Marco Russ an Hodenkrebs erkrankt ist?

Meier: Das war natürlich ein Schock. Es tut mir sehr leid für Marco, dass er nun eine schwere Zeit vor sich hat. Da ist der Fußball plötzlich zweitrangig.

Frage: Was denkt man als Mitspieler, wenn ausgerechnet Marco Russ dann ein Eigentor unterläuft?

Meier: Solche Dinge passieren immer im Fußball, das hatte ja nichts mit der Krankheit von Marco zu tun.

Frage: Erwarten Sie, dass die Nürnberger im Rückspiel am Montag genau so defensiv stehen werden?

Meier: Natürlich, sie müssen das 1:1 nur halten, wir müssen ein Tor schießen.

Frage: Was kann man aus dem Spiel lernen, um sich mehr Chancen herauszuspielen?

Meier: Es ist schwer, wenn eine Mannschaft sehr tief steht. Heute war nicht mehr drin für uns.

Frage: Wie wichtig war, dass Sie noch den Ausgleich geschafft haben?

Meier: Wir hätten so oder so im Rückspiel noch ein Tor schießen müssen. Aber es ist natürlich besser, wenn man nicht mit einer Niederlage nach Nürnberg reisen muss.

Frage: Wie groß ist die Zuversicht nach diesem Spiel, den Klassenerhalt zu schaffen?

Meier: Die ist genau so groß wie vor dem Spiel. Wenn wir wieder so dominant auftreten wie im Hinspiel, dann können wir unser Ziel auch in Nürnberg erreichen.

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter

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