Bundesliga

01.09.2016 - 14:03 Uhr


RB Leipzigs Kapitän Dominik Kaiser: "Können auch gegen Dortmund etwas reiSSen"

Köln - Dominik Kaiser musste in der noch jungen Saison bereits durch ein Wechselbad der Gefühle. Nachdem der Kapitän von Aufsteiger RB Leipzig im Elfmeterschießen des Pokalspiels in Dresden noch den entscheidenden Elfer verschossen hatte, trug er sich eine Woche später beim 2:2 in Hoffenheim als Schütze des ersten Bundesliga-Tores der Sachsen ins Geschichtsbuch des Vereins ein. Im Interview mit bundesliga.de spricht der 28-Jährige über den Saisonstart und die ersten Erfahrungen mit Leipzig in der Bundesliga.bundesliga.de: Dominik Kaiser, Sie gehen als Schütze des ersten Bundesliga-Tores von RB Leipzig in die Geschichte ein. Haben Sie diesen Glücksmoment schon verarbeiten können?

Dominik Kaiser: Auf jeden Fall. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Zum einen konnte ich mit dem Tor der Mannschaft weiterhelfen. Ich hatte auch schon in der ersten Halbzeit die eine oder andere Möglichkeit, bei der ich ein Tor hätte machen müssen. Zum anderen war der Treffer auch für mich persönlich mein erstes Bundesliga-Tor und daher etwas ganz Besonderes. Wir haben ein sehr ordentliches Spiel gemacht und uns mit dem Punkt belohnt.

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bundesliga.de: Eine Woche vorher hatten Sie im Pokal den entscheidenden Elfmeter verschossen. Da sieht man wieder einmal, wie dicht Glück und Pech beieinander liegen können.

Kaiser: Genau. Nach dem Pokalaus war ich noch riesig enttäuscht. Ein verschossener Elfmeter ist immer bitter, kommt aber nun einmal auch vor. Im Pokal ist man dann leider ausgeschieden. Wir haben versucht, die Niederlage als Mannschaft schnell abzuhaken und uns auf das erste Bundesliga-Spiel zu freuen, um dort auch zu zeigen, was wir drauf haben. Das haben wir als Team gut hinbekommen.

bundesliga.de: Sie haben in Hoffenheim bei einem Gegner auf Augenhöhe einen Punkt geholt. Wie groß ist Ihr Respekt vor der Bundesliga auch vor dem Hintergrund, dass viele Spieler der Mannschaft am letzten Sonntag ihre Bundesliga-Premiere feierten?

Kaiser: Es war in der Tat für viele Spieler das erste Bundesliga-Spiel. Wir haben nur wenige Spieler, die über Bundesliga-Erfahrung verfügen. Wir haben in Hoffenheim gemerkt- und auch im Vorfeld war ich mir schon sehr sicher - dass wir mit der Truppe auch gegen Bundesligisten bestehen können. Das haben wir gezeigt. Wir haben aber ebenso gemerkt – vor allem in den ersten Minuten – dass in der Bundesliga ein anderer Wind weht. In der Anfangsphase und auch beim zweiten Gegentor haben wir gesehen, dass Fehler in der Staffelung durch einen Pass sofort bestraft werden und man dadurch Spiele verlieren kann. Trotzdem war das Spiel ein guter Anfang, wir können daraus Selbstvertrauen mitnehmen. Aber wir wissen auch, dass wir noch ganz viel zu tun haben.

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bundesliga.de: Wie gefährlich sind die Vorschusslorbeeren für die Mannschaft und die Erwartungen, dass die Mannschaft schon bald als ein Kandidat fürs internationale Geschäft gesehen wird?

Kaiser: Von solchen Prognosen habe ich persönlich noch nicht viel gehört. Wir sind ein Aufsteiger und wissen sicher um unsere Qualitäten, die wir als Einzelspieler und als Mannschaft mit den Jahren entwickelt haben. Das kann ein wichtiger Trumpf sein. Trotzdem wollen und müssen wir uns erst einmal in der Bundesliga zurecht finden und uns stabilisieren. Was von außen reingetragen wird, ist uns als Mannschaft egal. Wir konzentrieren uns auf unsere Leistung. Die wollen wir in den ersten wichtigen Wochen abrufen, um gut in die Bundesliga zu starten. Alles Weitere werden wir sehen.

bundesliga.de: Haben Sie wahrgenommen, dass RB Leipzig einen Imagewandel durchlaufen hat und dem Verein mehr Respekt entgegen gebracht wird? Die TV-Zahlen im ersten Spiel waren auch sehr gut.

Kaiser: Die guten Zahlen bei Sky habe ich mitbekommen. Das ist schön, aber das ist für mich auch nicht ausschlaggebend. Ich merke schon seit Längerem, dass wir nicht nur hier in Leipzig, wo wir schon immer ein sehr gutes Standing hatten, sondern auch allgemein immer positiver wahrgenommen werden. Das ist für mich wichtig. Mit unserem Auftreten und unserer Spielweise haben wir sicherlich unseren Teil dazu beigetragen.

bundesliga.de: Am 2. Spieltag steigt dann Leipzigs Heimspielpremiere gleich mit einem Kracher gegen Borussia Dortmund. Wie groß ist die Vorfreude auf dieses Spiel?

Kaiser: Das ist natürlich für das erste Heimspiel ein richtiger Knaller. Aber unabhängig vom Gegner freuen sich ganz Leipzig und der Verein auf das erste Bundesliga-Heimspiel. Borussia Dortmund ist in den letzten Jahren zu einer europäischen Topadresse geworden. Wir werden uns jetzt sehr konzentriert auf die Partie vorbereiten und haben durch die Länderspielpause auch mehr Zeit dafür. Das tut uns gut. Wir können die ersten Pflichtspiele etwas sacken lassen und uns auf Dortmund fokussieren. Wir werden topfit, kompakt und aggressiv gegen den BVB auflaufen und versuchen, so aufzutreten, wie wir uns in Hoffenheim präsentiert haben. Dann bin ich sicher, dass wir im eigenen Stadion etwas reißen können, auch wenn die Aufgabe sehr schwer wird.

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bundesliga.de: Für solche Highlights sind Sie vor fünf Jahren nach Leipzig in die Regionalliga gewechselt. Sie sind in den fünf Jahren mit RB Leipzig von der 4. Liga bis in die Bundesliga durchgestartet. Das Kunststück hat vor Ihnen nur Andreas Lambertz mit Fortuna Düsseldorf geschafft.

Kaiser: Ja, darauf wurde ich jetzt auch schon öfter angesprochen. Er hat auch in allen Ligen getroffen, das habe ich mit dem Tor in Hoffenheim nun auch erreicht. Es freut mich, dass sich Leipzig so positiv entwickelt hat, nachdem ich vor fast fünf Jahren den Schritt in die Regionalliga gewagt habe. Dieser Schritt war damals sicher nicht ganz einfach, aber im Rückblick auf jeden Fall der richtige. Dass ich so mitwachsen und Jahr für Jahr meine Leistung abrufen konnte, freut mich sehr. Jetzt hoffe ich, dass ich der Mannschaft auch in der Bundesliga so weiterhelfen kann, wie bisher.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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