Bundesliga

18.12.2016 - 13:32 Uhr


Dominante Leipziger sind bereit für die Bayern

Kapitän Willi Orban brüllt seine Freude heraus - als nächstes sollen die Bayern dran glauben

Leipzig – Topduell gegen Hertha BSC gewonnen, bester Aufsteiger seit Kaiserslautern 1997/98 und zum Abschluss vor der Winterpause nun ein "Bonusspiel" beim Deutschen Meister FC Bayern München: Es läuft bei RB Leipzig.

>>> Jetzt mitmachen beim offiziellen Bundesliga Fantasy Manager

Es war eine Demonstration. Das Endergebnis von 2:0 drückte kaum aus, wie überlegen die Gastgeber tatsächlich waren. Im Duell des Tabellenzweiten gegen den -dritten dominierte RB Leipzig in allen Belangen. Die Sachsen hatten deutlich mehr Ballbesitz (64 Prozent), gewannen mehr Zweikämpfe (57 Prozent), hatten eine starke Passquote (81 Prozent, Hertha 60) sowie deutlich mehr Ecken (9 zu 1) und Torschüsse (16 zu 3). RB-Keeper Peter Gulacsi bekam sogar keinen einzigen Ball aufs Tor. "Das war ein super Spiel von uns, wir haben 90 Minuten dominiert und am Ende verdient gewonnen", konstatierte der Ungar nach der Partie.

Orban: "Wollten eine Reaktion zeigen"

Keine Frage: Von zwei Teams, die in der Vorwoche beide eine Enttäuschung erlebt hatten – Hertha kassierte gegen Werder die erste Heimniederlage seit Mai, Leipzig beim FC Ingolstadt die erste Niederlage in der Bundesliga überhaupt – waren es die Gastgeber, die diese spürbar besser verabeitet hatten. "Wir wollten eine Reaktion zeigen", erklärte Kapitän Willi Orban, dem per Kopf sein zweiter Bundesliga-Treffer zum 2:0 gelang. Orbans Innenverteidigerkollege Stefan Ilsanker meinte: "Wir waren geil auf die Partie."

>>> Alle Infos zu #RBLBSC im Matchcenter

Dass die Rasenballer heiß auf den Sieg waren, ließ sich am Ende noch in einer weiteren Statistik ablesen: Die Leipziger waren fast sechseinhalb Kilometer mehr gelaufen als die Berliner. Doch es waren nicht nur Kampf und Einsatz gewesen, die RBL zum Sieg im ersten Pflichtspiel gegen Hertha BSC gebracht hatten. Das Spiel war auch ein Duell der Trainer: Wer kriegt den Gegner taktisch besser zu fassen? So schien das Motto der Partie zu sein. Beide Teams hatten unter der Woche mehrere Geheimtrainings abgehalten. Besonders bei den Gästen war viel spekuliert worden: Was können sie sich von den gegen Leizpig siegreichen Ingolstädtern abschauen? Spielen sie mit Dreier- oder Fünferkette?

Leipziger Dominanz

Schließlich ließ Pal Dardai sein Team doch mit der gewohnten Viererkette in der Abwehr auflaufen, versuchte aber, mit Jens Hegeler und dem Brasilianer Allan zwei Akteure mit guter Spieleröffnung in den Defensivverbund einzubauen. Sie sollten die beiden Spitzen Vedad Ibisevic und Julian Schieber mit langen Bällen füttern. Die laufstarken Per Skjelbred und Vladimir Darida blieben dagegen auf der Bank. Schnell zeigte sich, dass diese Taktik nicht aufging.

Zwar konnte RBL sein gefürchtetes Gegenpressing nicht aufziehen, weil man sich ohnehin zumeist in Ballbesitz befand. Doch inzwischen will und kann sein Team selber "Dominanz ausstrahlen", wie Trainer Ralph Hasenhüttl feststellte. Phasenweise wie im Handball spielte Leipzig um den Berliner Sechzehnmeterraum herum und legte sich die Alte Dame so lange zurecht, bis die Lücke da war – die Blaupause für das 1:0. Diego Demme, dessen Vertragsverlängerung bis 2021 vor dem Anpfiff unter dem Jubel des Leipziger Publikums verkündet worden war, steckte den Ball zu Naby Keita durch, der auf Timo Werner weiterleitete, woraufhin der Goalgetter keine Mühe hatte, seinen neunten Saisontreffer zu erzielen. Beim 2:0 dann, als Emil Forsberg eine Ecke auf den Kopf von Orban zirkelte, zeigte RBL, dass es auch Standards kann.

Mittwoch der Megakracher in München

Nun also geht es für die Messestädter am Mittwoch zum Topspiel nach München. Die Pressingmonster, die inzwischen auch Ballbestizfußball können, gegen die Ballbesitzmonster? Für RB-Sportdirektor Ralf Rangnick ist die Partie nur ein "Bonusspiel". Was ein wenig nach Untertreibung klingt, aber erstmal vollkommen korrekt ist. Die erste Bundesliga-Halbserie der RB-Geschichte hat schon jetzt alle Erwartungen übertroffen. Zuhause ist die Hasenhüttl-Elf noch immer ungeschlagen. Leipzig ist erst der sechste Club seit Einführung der Drei-Punkte-Regel, der nach 15 Spielen schon 36 Punkte auf dem Konto hat. Und auch die Fans honorieren das gute und erfolgreiche Spiel: Sechs der sieben Heimpartien waren ausverkauft, längst wird über einen Stadioaus- oder -neubau diskutiert.

Aber klar ist auch: Indidviduell sind die Bayern noch immer besser besetzt und haben auch mehr Breite im Kader. Hasenhüttl hingegen muss möglicherweise Keita und Marcel Halstenberg ersetzen, die gegen Hertha beide verletzt ausgewechselt wurden. "Auch wenn ich dazu sagen muss, dass die eingwechselten Dominik Kaiser und Benno Schmitz sie sehr gut ersetzt haben", sagte der RB-Coach. Eine Schwächung würde der Ausfall der beiden Defensivkräfte dennoch bedeuten. Für Orban ist das egal: So oder so wollen die Leipziger in München "alles raushauen" - sie haben ja nichts zu verlieren.

Aus Leipzig berichtet André Anchuelo

Video: Erfolg mit System - Leipzigs Aufstieg

Weitere Artikel
Die Bundesliga APP
#BLFantasy
#BLTippspiel

© 2017 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH