Bundesliga

18.05.2016 - 18:02 Uhr


Die Eintracht elektrisiert ganz Frankfurt

Kapitän Marco Russ will seine Mannschaft in der Relegation zum Sieg pushen

Frankfurt - Wenn es um den Klassenerhalt geht, wenn es also wirklich richtig eng wird, dann führt das meistens zu einer großen Solidarität zwischen Fans und Club. Das ist im Moment in Frankfurt zu beobachten, wo die Eintracht eine ganze Stadt vor dem Relegations-Heimspiel am Donnerstagabend gegen den Zweitliga-Dritten 1. FC Nürnberg elektrisiert.

Die mit 51 500 Zuschauern ausverkaufte Arena hätte locker zwei Mal gefüllt werden können. Auch für das Rückspiel war das Kartenkontingent von Eintracht Frankfurt innerhalb von wenigen Minuten vergriffen. Am Donnerstag wird die Stadt während des Spiels wie ausgestorben wirken, weil die meisten, die kein Ticket ergattern konnten, in Kneipen und in Wohnzimmern der Eintracht vor dem TV die Daumen drücken. Der Frust über den verpassten direkten Klassenerhalt am vergangenen Wochenende nach der 0:1-Niederlage beim direkten Rivalen Werder Bremen ist Optimismus gewichen. "Wir waren schon ein bisschen geplättet nach der Niederlage in Bremen", gibt Eintracht-Trainer Niko Kovac zu, aber nach 48 Stunden habe sich das wieder normalisiert.

Alex Meier in der Startelf?

"Wir kennen die Situation, Spiele unter Druck gewinnen zu müssen und mussten nach Niederlagen immer wieder aufstehen, deshalb ist die Situation jetzt nicht neu", sagt Kovac. Logischerweise gilt der Erstligist als Favorit, aber Kovac warnt vor zu viel Enthusiasmus und spricht von "zwei Endspielen im Europapokal-Modus". Dementsprechend fällt seine Herangehensweise aus. "Wir dürfen nicht alles auf eine Karte setzen. Es gibt vier Tage später noch ein Rückspiel", sagt der Trainer, der nicht "so naiv ist, zu glauben, schon alles in einem Spiel entscheiden zu können".

Video: Nervenkitzel Relegationsspiele

Alle Spieler seien fit, meldete er am Mittwochnachmittag auf der letzten Pressekonferenz vor dem Anpfiff. Außer dem schon länger verletzten  Abwehrspieler Kaan Ayhan steht dem Kroaten also auch der lange verletzte Torjäger und in Frankfurt als "Fußballgott" verehrte Alexander Meier zur Verfügung. Meier sei einsatzfähig, erklärt Kovac, verriet aber nicht, ob dieser auch in der Startformation stehen werde.

Die Balance im Spiel ist elementar

Kovac hat die Woche hinter verschlossenen Toren ohne Fans und Journalisten trainieren lassen. Das Risiko der "Betriebsspionage" sei ihm zu hoch gewesen, sagt er: "Der Gegner muss nicht wissen, was wir offensiv und defensiv so durchspielen." Der ehemalige Mittelfeldrackerer glaubt, dass Wille und Willensausdauer entscheiden werden über die künftige Klassenzugehörigkeit der beiden Teams. Die Relegationsspiele seien ja immer "eng", sagt Kovac. Er will mit einer "kontrollierten Offensive" über zwei Spiele siegreich sein: "Man muss die Balance finden zwischen Offensive und Defensive und nicht auf Teufel komm raus stürmen, zumal Nürnberg eine gute Offensive hat."

"Die Mannschaft mit mehr Angst verliert"

Kovac hat seine Spieler mit Bildmaterial und Gesprächen auf die Spieler des Gegners vorbereitet, aber viel mehr will er auch über seine Sicht auf die Nürnberger nicht verraten. Personell, glaubt Kovac, wegen der kurzen Pause zwischen den Spielen und der Intensität der ersten Partie nicht zwei Mal mit der gleichen Mannschaft auflaufen zu können. Auch wegen des großen Drucks glaubt Eintracht Torwart Lukas Hradecky: "Es wird die Mannschaft verlieren, die mehr Angst hat. Der Finne fordert: „Wir sind positiv, wir müssen da stärker sein."

Kovacs Relegations-Erfahrung als Trumpf

Niko Kovac hofft, wichtige Impulse aus seiner bisherigen Relegations-Erfahrung ziehen zu können. Als Nationaltrainer von Kroatien musste er im November 2013 mit seiner Mannschaft als Favorit in die Ausscheidungsspiele für die Weltmeisterschaft in Brasilien. Damals ging es gut aus, nach einem 0:0 in Reykjavik gewann Kovac mit Kroatien in Zagreb das Rückspiel mit 2:0. Wenn Kovac mit der Eintracht so erfolgreich diese Bundesliga-Relegation übersteht wie 2013 mit Kroatien die WM-Playoffs, würden spätestens nach dem Rückspiel am Montag die Fans in Frankfurt die Nacht zum Tag machen.

Tobias Schächter

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