Bundesliga

20.11.2016 - 12:20 Uhr


Die Kölner Derbyhelden: "Schiess bitte einfach drauf"

Die Kölner Derbyhelden Matthias Risse und Torwart Kessler feiern Tabellenplatz vier

Mönchengladbach - Zwei gebürtige Kölner entscheiden das rheinische Nachbarschaftsduell und werden zu Derbyhelden beim 2:1-Erfolg des 1. FC Köln: Thomas Kessler und Marcel Risse. Mit zahlreichen Glanzparaden hielt Keeper Kessler die Geißbockelf nach dem Rückstand im Spiel, in der Nachspielzeit donnerte Riese Risse den Ball aus 34 Metern in den Winkel des Gladbacher Tores. So kam es zu einem zugegebenermaßen etwas glücklichen Kölner Auswärtssieg. Die beiden Matchwinner gewährten dann nach dem Schlusspfiff einen Einblick in ihre Gefühlswelt.

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Frage: Marcel Risse, das war in der 91. Minute wohl im wahrsten Sinne des Wortes ein Schuss ins Glück. Was haben Sie gedacht, nachdem Ihr Geschoss im Gladbacher Tor einschlug?

Marcel Risse: Viel gedacht habe ich in dem Moment nicht mehr. Das war die pure Euphorie. Wenn ich mir eine Situation hätte aussuchen dürfen, in der ich so ein Tor schieße, hätte ich definitiv die letzte Minute im Derby gegen Mönchengladbach genommen. Vielleicht noch etwas lieber zuhause. Aber es war schon ein unglaubliches Glücksgefühl. Ich habe noch kein emotionaleres Tor geschossen.

Risse: "Habe einfach auf Modeste gehört"

Frage: Zufall war das nicht, denn vor ein paar Wochen ist Ihnen im Pokal gegen Hoffenheim ein sehr ähnlicher Treffer gelungen.

Risse: Stimmt, da habe ich auf jeden Fall etwas Selbstvertrauen gesammelt. Ich hatte kurz vor der Ausführung noch überlegt, ob ich zum Beispiel auf Tony Modeste flanke. Aber der hat mich nur böse angeguckt und gesagt: "Schieß bitte einfach drauf." Da habe ich auf ihn gehört.

Frage: Thomas Kessler, Sie standen beim Freistoß von Marcel Risse weit weg. Haben Sie ihm zugetraut, den Ball im Tor zu versenken?

Thomas Kessler: Ja. Das "Schlimme" bei Marcel ist ja, dass er das viel öfter tun könnte. Jetzt hat er es zum zweiten Mal in einem Jahr getan. Aber im Training macht er das seit vier Jahren permanent und geht mir damit richtig auf den Keks. Ich habe ihm schon tausendmal gesagt, dass er eine Etage tiefer schießen soll. Wir haben auch schon gewitzelt und gesagt, dass wir die DFL mal bitten müssten, dass wir ein Bundesliga-Spiel am Geißbockheim austragen dürfen, damit er mal einen Freistoß reinhaut. Eben hat er mir dann tatsächlich erzählt - und ich weiß gar nicht, ob ich das verraten darf - dass er, nachdem der Ball im Tor eingeschlagen ist, sich umgeguckt und die Geschäftsstelle gesucht hat.

Frage: War der Ball unhaltbar?

Kessler: Wenn sich heute irgendein Experte hinstellt und Yann Sommer einen Vorwurf macht, dass er den Freistoß nicht hält, hat der keine Ahnung von Fußball. Die Schüsse von Marcel sind wie ein Kaninchen und wechseln zehnmal die Richtung. Schon als der Ball Marcel vom Fuß ging, wusste ich, dass er einschlägt. Ich freue mich unfassbar für ihn, weil er ein feiner Kerl und Kölner durch und durch ist.

Frage: Thomas Kessler hat beim Derby sein erstes Spiel in dieser Saison bestritten. Marcel Risse, hat ihn die Mannschaft vor dem Spiel zur Seite genommen und auf das Spiel eingestimmt?

Risse: Da kennen Sie den "Kessi" nicht gut genug. Vor dem Derby mussten wir dem alle nichts mehr sagen. Und wenn doch einer etwas gesagt hätte, wäre das für denjenigen nicht gut ausgegangen.

Kessler: "Belohnung für meine Arbeit"

Frage: Thomas Kessler, war das Ihr schönster Tag in einem Bundesliga-Spiel?

Kessler: Ja. Es ist deshalb ein schöner Tag, weil ich vor vier Jahren zurück nach Köln gekommen bin, die Nummer 2 in der 2. Bundesliga war und der Verein gefühlt Mittelmaß der 2. Liga darstellte. Keiner wusste so richtig, was hier passiert. Jetzt stehen wir vier Jahre später hier und haben nach elf Spieltagen 21 Punkte in der Bundesliga. Und ich durfte das Derby spielen. Es ist ein Stück weit eine Belohnung für meine Arbeit in den vier Jahren. Wenn man im zweiten Glied steht, muss man sich hinten anstellen. Das mache ich auch gerne, damit habe ich kein Problem. Aber ich freue mich auch, dass ich mich heute zeigen und der Mannschaft helfen konnte. Das klingt zwar immer abgedroschen, wenn man das sagt. Aber ich bin für die Mannschaft da, ich gebe Gas und ich arbeite gerne mit der Truppe. Aber wenn man nie zum Spielen kommst, denken die Leute: "Das erzählt der nun seit vier Jahren, aber irgendwie kommt nichts bei rum." Und wenn du dann mal zum Spielen kommst, willst den Leuten etwas beweisen. Das hat heute zum Glück geklappt. Es war nach einer schwachen ersten Hälfte eine tolle Mannschaftsleistung. Wir sind zurückgekommen und sind jetzt alle sehr glücklich.

Frage: War es schwer für Sie, vor der Partie die richtige Mischung aus Lockerheit und Anspannung zu finden?

Kessler: Nein. Ich verdiene mein Geld durch Profifußball. Auf der Bühne muss man das können und jede Woche damit rechnen, zum Einsatz zu kommen. Deshalb habe ich einen Drei-Jahres-Vertrag bekommen. Den hat mir Jörg Schmadtke nicht gegeben, weil ich ein netter Kerl bin oder ab und zu mit dem Hund spazieren gehe und wir uns dabei treffen. Den Vertrag hat er mir gegeben, weil er weiß, dass ich auch einmal einen Ball halten kann, wenn ich gefragt bin. Das ist mein Job.

Kessler: "Einfach ein unglaublich schöner Tag"

Frage: Was bedeutet Ihnen Platz 4 in der Tabelle?

Risse: Der Platz fühlt sich gut an.

Kessler: Wenn jetzt kölsche Musik aus der Kabine kommt, dann hat es wohl der eine oder andere auch mitbekommen. Aber wir schauen nicht auf die Tabelle, die ist heute zweitrangig. Für uns und die ganze Stadt ist heute einfach ein unglaublich schöner Tag. Ich freue mich für die Menschen, weil man in der ganzen Woche gemerkt hat, dass jeder total elektrisiert war von diesem Derby. Es ist schön, nach so langer Zeit wieder einmal ein Derby in Gladbach gewonnen zu haben.

Aufgezeichnet von Tobias Gonscherowski

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