Bundesliga

16.02.2017 - 16:15 Uhr


Die "alte Dame" Hertha schwimmt nach Hause

Noch schippert die "Hertha" auf der Kyritzer Seenkette, aber im Frühjahr soll das Schiff auf die Spree zurückkehren

Köln - Es muss eine faszinierende Fahrt über die Oberspree gewesen sein, die Fritz Lindner gemeinsam mit seinem Vater auf dem Dampfschiff "Hertha" im Frühjahr 1892 unternommen hat. Denn wenige Monate später, genauer am 25.Juli 1892, gründen er, sein Bruder Max sowie das Brüderpaar Otto und Willi Lorenz den "Berliner Fußball Club Hertha 92". Doch nicht nur der Name geht auf die Bootsfahrt zurück: Die Vereinsfarben blau und weiß finden sich auf dem Schornstein des Spreedampfers wieder.

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Das Schiff, welches am 17. April 1886 von Stapel lief, wurde auf den Namen "Hertha" getauft, da just an diesem Tag die Tochter des Reeders, die den Namen "Hertha" trug, Geburtstag hatte. Wer weiß, wie Hertha BSC heute heißen würde, wenn der Reeder seine Tochter Gertrud oder Hannelore genannt hätte.

Umzug nach dem 2. Weltkrieg

Bis zum Beginn des 2. Weltkriegs fuhr die "Hertha" nur auf der Spree oder Havel. Dies änderte sich nach dem Krieg mit der Teilung Deutschlands. Da sich die "Hertha" zu dieser Zeit im Osten Berlins aufhielt, ging sie in den Besitz des "Volkseigenen Betriebs Fahrgastschifffahr" über und erhielt den Namen "Seid Bereit". Seitdem ist sie ein Ausflugsdampfer auf der Kyritzer Seenkette. 1976 identifizierte der Schiffshistoriker Kurt Groggert den Dampfer, der mittlerweile "Seebär" hieß,  als das alte Hertha-Gründungsschiff. 2002 wurde der Dampfer anlässlich der 110-Jahrfeier von Hertha BSC wieder auf den Namen "Hertha" zurückgetauft.

Dass die "maritime Legende" auch den Fans ein großes Anliegen ist, wurde spätestens 2005 mit einer großen Dampfer Choreographie sichtbar. So wurde das Schiff mit Hilfe einer ausgeklügelten Seilkonstruktion vom Dach des Olympiastadions abgeseilt, bis es einmal über der Ostkurve hing. Bald wird auch das prominente Original wieder in Berlin zu bestaunen sein.

Fans finanzieren die Rückkehr

Die Hertha-Präsidiumsmitglieder Ingmar Pering und Christian Wolter haben den alten Dampfer mit Hilfe einer eigens für den Kauf gegründeten Gesellschaft "1892 Schiffsbetriebsgesellschaft GmbH & Co. KGaA" gekauft. Die Berliner Fans können nun für 399 € eine Aktie an der "Hertha" erwerben und sich auf dem Rumpf des Schiffes mit ihrem Namen verewigen. Die Aktienausgabe ist auf 1892 Aktien, getreu dem Gründungsjahr von Hertha BSC, beschränkt.

Die Rückführung des Dampfers soll so gestaltet werden, dass der Dampfer bis Anfang April von der Kyritzer Seenkette zurück auf die Spree oder Havel transportiert werden soll. Von dort an soll es den Fans ermöglicht werden, etappenweise auf dem Schiff Richtung Berlin mitzufahren, um "die Hertha gemeinsam zurückzuholen", so Christian Wolter. Darüber hinaus ist geplant, die "Hertha" so zu restaurieren, dass sie in der Region Berlin als schwimmendes Fanlokal dienen und auch zu der ein oder anderen Vergnügungsfahrt aufbrechen kann. So können alle Fans einmal dasselbe "Hertha"-Gefühl erleben, das Fritz Lindner einst bei der Gründung des Clubs inspirierte.

Cedrik Kaiser

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