Bundesliga

24.05.2016 - 17:00 Uhr


Saison-Rückblick: Hannover landet auf dem letzten Platz

Enttäuschend endet die Saison für Hannover mit dem Abstieg nach 14 Jahren in der Bundesliga

Frischen Wind bringt Daniel Stendel in die Mannschaft. Mit zahlreichen jungen Spielern holt der Coach noch acht Punkte in sechs Spielen

Mit fünf Toren und sechs Assists ist Hiroshi Kiyotake einer der besten bei H96. In seiner Verletzungspause stürzt Hannover ans Tabellenende

Köln - Die Spielzeit 2015/16 ging spektakulär zu Ende. Zeit für eine ausführliche Bilanz. bundesliga.de analysiert die Leistung aller Clubs und blickt auch schon nach vorne. So lief das Jahr für Hannover 96.

Saisonverlauf: Abstieg statt Europa

Von einer Rückkehr auf die europäische Bühne träumte man in Hannover. Dafür hatte der Club in der niedersächsischen Landeshauptstadt so tief in die Taschen gegriffen wie nie zuvor in der Clubgeschichte. Von Absteiger SC Freiburg kamen Außenverteidiger Oliver Sorg und Außenstürmer Felix Klaus, die Abgänge der Angreifer Joselu und Leonardo Bittencourt sollten Mevlüt Erdinc von AS Saint-Étienne und die Leihgaben Adam Szalai (Hoffenheim) und Allan Saint-Maximin (AS Monaco) kompensieren. Hiroshi Kiyotake sollte in die Rolle des nach Mönchengladbach abgewanderten Top-Scorers Lars Stindl schlüpfen.

Doch der Japaner verpasste nicht nur die Vorbereitung, sondern fehlte verletzungsbedingt auch drei Spiele zu Saisonbeginn sowie vom 13. bis 21. Spieltag. Mit Folgen: Die 96er holten aus den neun Partien magere drei Pünktchen und stürzten ans Tabellenende ab. Im Winter ersetzte Thomas Schaaf Trainer Michael Frontzeck. Erfolglos: In zehn Spielen unter Schaaf gelang nur ein Sieg, so dass der Abstieg nach 14 Jahren Bundesliga frühzeitig feststand. Schaaf wurde durch U23-Coach Daniel Stendel ersetzt, der die Saison "anständig zu Ende" brachte.

So funktioniert die Spinnennetz-Grafik

Der Top-Spieler

  • Ron-Robert Zieler kam als einziger Hannoveraner in allen 34 Saisonspielen zum Einsatz – insgesamt spielte er die letzten 176 Bundesliga-Partien durch.

  • Der Weltmeister wehrte immerhin durchschnittliche 70 Prozent der Bälle auf seinen Kasten ab und entschärfte ligaweit sogar die meisten Großchancen.

  • Er war der Konstanteste in der so enttäuschenden Saison von Hannover 96. 

Spruch der Saison: Martin Kind

Der Aufsteiger der Saison

Daniel Stendel brachte bei Amtsübernahme Noah-Joel Sarenren-Bazee aus der U 23 mit. Der 19-Jährige dribbelte sich in die Herzen der Fans und bereitete bei seinen fünf Auftritten im Dress der Roten drei Treffer vor - ein weiteres Beispiel für Hannovers erfolgreiche Nachwuchsarbeit.

Top-Fakten

  • Frei vor dem Tor agierte Hannover 96 wie ein Topteam: Nur Darmstadt nutzte seine Großchancen besser (66 Prozent) als Hannover 96 (65 Prozent).

  • Hannover 96 vergab nur sieben Großchancen – alle anderen Teams ließen mehr hundertprozentige Möglichkeiten ungenutzt.

  • Nur für Wolfsburg trafen mehr unterschiedliche Spieler (16) als für Hannover 96 (15).

  • Hannover 96 gewann 63,7 Prozent der Defensiv-Kopfballduelle – Ligaspitze.

Das Topspiel der H96-Saison

Nach dem schwachen Saisonstart mit nur zwei Punkten aus sieben Spielen, erholte sich Hannover ein wenig und fuhr in den folgenden sieben Partien immerhin vier Siege und zwölf Punkte ein. Den Höhepunkt sollte am 14. Spieltag das 4:0 gegen Aufsteiger Ingolstadt darstellen. Schon nach 25 Minuten lagen die Niedersachsen mit 3:0 vorne, zeigten die eindeutig beste Leistung der Saison. Es war aber gleichzeitig auch das Ende des Aufschwungs - danach folgten acht Niederlagen in Serie.

>>> Die drei H96-Topspiele im Video

Highlight der Saison: Erlösung und Hoffnung

Das 1:1 im Niedersachsen-Derby bei DFB-Pokalsieger VfL Wolfsburg am 7. Spieltag. Nach nur einem Punkt aus sechs Spielen zum Saisonauftakt wirkte dieser Punktgewinn wie eine Erlösung und machte Hoffnung für den weiteren Saisonverlauf. Es folgten Siege gegen Bremen und in Köln, wenig später in Hamburg. Aber dann war der Effekt verpufft. In den folgenden elf Partien gab es gerade mal drei Punkte zu feiern.

So geht's weiter

Gleich nach Saisonende konnte Hannover schon die ersten Verpflichtungen verkünden. Sebastian Maier kommt vom FC St. Pauli, Florian Hübner vom SV Sandhausen. Nach 14 Jahren Bundesliga soll der Zweitliga-Auftritt ein Intermezzo bleiben. Für den sofortigen Wiederaufstieg werden Spieler mit Bundesliga-Perspektive gesucht. Weltmeister Ron-Robert Zieler hat seinen Abschied schon verkündet, Spielmacher Kiyotake wird ebenso kaum zu halten sein. Dennoch droht den Roten kein Kollaps. Dafür hatten die Verantwortlichen vorgesorgt: Selbst Leistungsträger wie Salif Sané haben Verträge, die auch in der 2. Bundesliga gelten.

Jürgen Blöhs

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