Bundesliga

03.06.2016 - 12:35 Uhr


David Alaba: Leistungsträger und Titelsammler

Köln – Als David Alaba vom FC Bayern München vor wenigen Tagen im EM-Test mit seiner österreichischen Nationalmannschaft gegen Malta kurz vor Schluss im eigenen Strafraum den Ball bekommt, ist eigentlich alles wie immer.

"Wir wollten rausspielen, ich wollte mich drehen, dann sind zwei Gegenspieler auf mich zugelaufen", erklärt Alaba im Anschluss an die Partie diese Szene. Normalerweise löst er eine solche Situation souverän, doch diesmal kommt alles anders. "Ich dachte, dass Ramazan Özcan im Tor steht", schildert er die Situation. Der 23-Jährige dreht sich um und will den Ball zu seinem Keeper zurückschieben. Özcan aber steht nicht in seinem Kasten, sondern ein Stück neben dem linken Pfosten. Der Ball kullert über die Linie, ein waschechtes Eigentor. "Das ist bitter. Ich nehme das ganz klar auf meine Kappe", zeigt Alaba nach dem Spiel Größe.

14 Titel mit 23 Jahren 

Am Ende tut der Gegentreffer seiner Mannschaft ohnehin nicht weh. Österrreich gewinnt mit 2:1 gegen die Malteser. Und David Alaba? Der wird darüber hinwegkommen. "Lasst uns die 87. Minute einfach vergessen", twittert er nach der Partie an seine Fans. Das wird nicht schwer fallen, denn David Alaba ist trotz seines noch jungen Alters eigentlich der personifizierte Erfolg.

>>> Zur Übersicht: Alle Länderspiele der Bundesliga-Stars im Überblick

Fünf Mal Deutscher Meister, vier Mal DFB-Pokalsieger, ein Mal Champions-League-Sieger, ein Mal Club-Weltmeister, zwei Mal deutscher und ein Mal UEFA-Supercup-Gewinner. Die Vitrine des Österreichers  ist voll mit Pokalen und Auszeichnungen. Seit 2011 ist er jedes Jahr zu Österreichs Fußballer des Jahres gewählt worden, zudem war er 2013 und 2014 Sportler des Jahres in der Alpenrepublik. Alaba hat in Sachen Titeln schon lange erreicht, wovon ein Großteil aller Profifußballer die ganze Karriere lang träumt.

Rettete der Taxifahrer die Karriere?

Dabei hätte in seiner Jugend alles anders kommen können. Zum Beispiel als der damals Zehnjährige im Jahr 2002 vor seinem Wechsel in die Jugend von Austria Wien stand, wo er letztendlich ausgebildet wurde. Beinahe hätte seine Mutter einfach aufgelegt, als die Verantwortlichen von Austrias Jugendakademie damals im Hause Alaba anriefen. Austria Wien hieß damals noch "Austria Memphis", benannt nach der österreichischen Zigarettenmarke "Memphis". "Es kam ein Anruf und meine Mama wollte schon fast auflegen, weil sie dachte, dass uns da wer Zigaretten verkaufen will", erzählte Alaba vor wenigen Tagen in einer Dokumentation des Österreichischen Rundfunks.

Am Ende legte sie doch nicht auf, wurde aber schon bei der Fahrt zum ersten Training in der Akademie vor die nächste Hürde gestellt. Der Ford Escort der Familie streikte auf dem Weg zum Training. "Die Zeit ist gelaufen, wir waren unter Druck", so Alaba. Zum Glück kannte der zu Hilfe eilende Taxifahrer keine Gnade, und brachte Alaba und seine Eltern durch seinen rasanten Fahrstil doch noch rechtzeitig zum Training.

Jüngster Bayern-Spieler aller Zeiten

Eigentlich müsste dem Taxifahrer im Nachhinein ein Orden verliehen werden, denn wer weiß was geschehen wäre, wenn David Alaba nicht pünktlich angekommen wäre. Vielleicht hätte die Bundesliga dann jetzt einen begnadeten Spieler weniger in ihren Reihen. Von der Wiener Austria führte ihn der Weg 2008 in die Nachwuchsabteilung des FC Bayern, am 6. März 2010 folgte gegen den 1. FC Köln sein Bundesligadebüt, nur drei Tage später stand er in der Champions League gegen den AC Florenz erstmals in der Startelf. Zum damaligen Zeitpunkt war er damit sowohl in Bundesliga als auch Champions League der jüngste Bayern-Spieler aller Zeiten.

Ein steiler Aufstieg, der auch vom Leihgeschäft mit der TSG Hoffenheim in der Rückrunde der Saison 2010/11 nicht unterbrochen wurde. Bei den Kraichgauern sammelt Alaba Spielpraxis, ehe er zur darauf folgenden Spielzeit zu den Bayern zurückkehrte – und seitdem zu einem fast unverzichtbaren Mosaikstein und absoluten Leistungsträger in der Mannschaft des Rekordmeisters herangewachsen ist. Auf insgesamt 152 Bundesliga-Spiele kommt er inzwischen.

"Alaba ist unser Gott"

Der Sohn einer Philippinin und eines Nigerianers besticht auf dem Feld durch seine Flexibilität, durch seine Ballsicherheit und sein großes Spielverständnis. Ob auf den Außenpositionen in der Abwehr oder im Mittelfeld – Alaba ist ein echter Allrounder und überall eine Bereicherung für das Team vom neuen FCB-Coach Carlo Ancelotti. "Alaba ist unser Gott", sagte sein Ex-Trainer Pep Guardiola mal über den Österreicher. "Er ist ein außergewöhnlicher Fußballer. Mit ihm jeden Tag arbeiten zu können, ist eine Ehre für mich."

Auch Karl-Heinz Rummenigge stimmt in die Lobesarien über seinen Schützling ein: "Er hat alles, was ein Weltklassespieler haben muss: großes Talent, Leidenschaft, den Ehrgeiz, immer noch besser werden zu wollen, und für sein Alter bereits unglaubliche Erfahrung", sagte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern im Dezember letzten Jahres. "Er hat mit dem FC Bayern alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Und für Österreich war er der Garant dafür, dass die Nationalmannschaft sich nach langer Zeit wieder mal sportlich für ein großes Turnier qualifiziert hat."

"Traue uns sehr viel zu"

Zugegeben: Mit der Nationalmannschaft ähnliche Erfolge zu feiern wie mit dem FC Bayern München wird für David Alaba schwer werden. Trotzdem sind die Österreicher auch dank ihm bei der anstehenden Europameisterschaft ein sehr ernstzunehmender Gegner. Das weiß auch David Alaba, dessen Selbstbewusstsein von seinem kuriosen Eigentor kein bisschen geschmälert wurde: "Natürlich ist es ein Turnier und für uns alle das erste Mal. Sicher stehen wir nicht bei allen auf dem Zettel ganz oben, aber ich traue uns sehr viel zu."

Dennis-Julian Gottschlich

>>> "Es gehört zu mit, sehr flexibel zu sein" - David Alaba im exklusiven Interview mit bundesliga.de

>>> Zur Infografik: Diese Bundesliga-Spieler sind bei der Europameisterschaft 2016 dabei

Weitere Artikel
#BLFantasy
#BLTippspiel
Die Bundesliga APP

© 2016 DFL Deutsche Fußball Liga GmbH