Bundesliga

20.06.2016 - 14:25 Uhr


Der neue BVB: Das hat Thomas Tuchel verändert

Thomas Tuchel mit Marco Reus: Der BVB-Trainer hat Dortmund in einem Jahr auf ein neues Niveau gehoben

Köln – Zwei Meisterschaften, ein DFB-Pokalsieg, dazu Champions-League-Finalist: Es waren große Fußstapfen, die Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund hinterlassen hatte. Und doch hat es Nachfolger Thomas Tuchel geschafft, die Qualität des BVB binnen eines Jahres auf ein ganz neues Niveau zu heben.

Dabei hat Tuchel die Grundtugenden des über Jahre so erfolgreichen Spielstils der Schwarz-Gelben, nämlich schnelles Gegenpressing gepaart mit unbändiger Laufbereitschaft, übernommen, es aber um einen sauberen Ballbesitzfußball ergänzt.

Tuchels BVB ist wesentlich dominanter

"Mir war sehr früh in der Vorbereitung klar, dass die Spieler große Lust darauf haben, den Ball zu besitzen und mit ihm zu spielen und dass sie enorme Qualitäten dabei entwickeln können. Deswegen haben sich die Spiele automatisch in diese Richtung verlagert", sagte Tuchel in einem ausführlichen Interview im Wintertrainingslager in Dubai.

Die Zahlen bestätigen das deutlich: Im Vergleich zur letzten Saison unter Klopp trat der BVB unter Tuchel in der Bundesliga wesentlich dominanter auf, hatte im Schnitt 61 Prozent Ballbesitz. 2014/15 waren es nur 54 Prozent. Dabei wurde vor allem auch an der Passgenauigkeit gearbeitet. Kamen in der letzten Spielzeit unter Klopp noch 77 Prozent der Pässe beim Mitspieler an, so waren es im vergangenen Jahr schon 85 Prozent.

Weigl Sinnbild für den neuen Stil

Sinnbild für diesen neuen Trend ist Julian Weigl. Der Youngster war vielen zuvor überhaupt nur ein Begriff, weil er aus disziplinarischen Gründen beim TSV 1860 München suspendiert worden war. Dass er es von der 2. Bundesliga auf Anhieb in die Startformation des BVB schaffen würde, um am Ende schließlich noch auf den EM-Zug aufzuspringen, hielten die Wenigsten für möglich. Mit seinen gerade einmal 20 Jahren zieht Weigl bereits die Fäden im zentralen Mittelfeld, kein Dortmunder verteilt die Bälle genauer: 91 Prozent seiner Pässe kommen durchschnittlich an.

Zur Bildergalerie: Die besten Passgeber der Bundesliga

Rein taktisch agiert der neue BVB nun wesentlich variabler, spielt mal mit Dreier- mal mit Viererkette, rotiert des Öfteren zwischen einem 4-1-4-1 und einem 4-3-3. Seine Spieler hat er dabei stets besser gemacht: Der vor einem Jahr bereits angezählte Henrikh Mkhitaryan wurde in einer kicker-Umfrage alle Bundesliga-Spieler etwa zum "Spieler der Saison" gewählt.

Pierre-Emerick Aubameyang, unter Klopp noch vornehmlich der Hochgeschwindigkeitszug über Rechtsaußen, entwickelte sich zu einem der torgefährlichsten Mittelstürmer Europas. Als Fazit stehen 82 Saisontore auf der Habenseite. Das sind nicht nur 35 Treffer mehr als in der Vorsaison, es ist auch Ligabestwert vor dem FC Bayern (80). 

Stete Steigerung gegen Bayern

Tuchel investiert neben taktischen Neuerungen, ahnlich wie Vorgänger Jürgen Klopp, enorm viel, um seine Mannschaft hungrig zu halten: "Ich finde es bemerkenswert, welchen Willen sie alle drei Tage zeigt", bilanzierte Tuchel nach der Hinrunde. Da hatte Dortmund bereits acht Punkte Rückstand auf die Über-Bayern, doch in der Rückserie konnte sich der BVB dann sogar noch einmal steigern, hielt die Meisterschaft letztlich bis zum 32. Spieltag offen und zog dabei noch souverän ins DFB-Pokalfinale ein.  

Doch allein beim Vergleich mit dem FC Bayern München musste sich Tuchel auf nationaler Ebene klar nach Punkten geschlagen geben. Eine Entwicklung war aber auch in diesem Duell erkennbar: Einer klaren 1:5-Niederlage in München folgte in der Rückrunde ein 0:0 in Dortmund. Im DFB-Pokal-Finale musste sich der BVB dann erst im Elfmeterschießen geschlagen geben.

Europas Toptalente kommen wegen Tuchel

Für die neue Saison hat Dortmund mit Ousmane Dembele, Emre Mor, Marc Bartra und Raphael Guerreiro gleich vier europäische Toptalente verpflichten können. "Ohne Tuchel wäre ich wohl nicht nach Dortmund gekommen", sagt beispielsweise Mor. Wenn die Integration auch so schnell vonstatten geht wie bei Sportskamerad Weigl, dann sollte der erste Titel für Thomas Tuchel mit dem BVB nur noch eine Frage der Zeit sein.

Von Karol Herrmann

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