Bundesliga

12.02.2017 - 15:28 Uhr


Darmstadt lebt dank Anführer Hamit Altintop

Hamit Altintop bejubelt mit Aytac Sulu den Sieg gegen Borussia Dortmund

Darmstadt - Hamit Altintop hat diesmal nichts gesagt. Dabei hatte der 34 Jahre alte Mittelfeldspieler des SV Darmstadt 98 ja so großen Anteil daran, dass am Samstagabend nach dem Abpfiff des Spiels gegen Borussia Dortmund in den Katakomben des im Volksmund liebevoll "Bölle" genannten Lilien-Stadions Sätze gesagt wurden, die sich ein paar Stunden zuvor niemand getraut hätte, laut auszusprechen. "Jetzt rollen wir das Feld eben von hinten auf."

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Oder: "Wir leben noch!" Und: "Jetzt geht die Aufholjagd los." Darmstadt 98, der Tabellenletzte der Bundesliga, schlägt nach elf sieglosen Spielen Champions-League-Achtelfinalist Borussia Dortmund sensationell und verdient mit 2:1. Der eingewechselte Siegtorschütze Antonio Colak ist überzeugt: "Das gibt einen Mega-Pusch."

Hamit Altintop, der Mann dieses Spiels, ließ lieber seine Leistung sprechen. Der 34-Jährige meldete sich nach Stationen in Schalke, bei den Bayern, Real Madrid und zuletzt fünf von vielen Verletzungen und internen Querelen geprägten Jahren bei Galatasaray Istanbul beeindruckend im Trikot der Lilien in der Bundesliga zurück.

"Eine Frechheit, was über ihn geschrieben wurde"

Das hatte ein ganzes Stadion gesehen: Als der Routinier kurz vor Abpfiff der Partie nach einem Foulspiel behandelt werden musste, schrien die Lilien-Fans laut Altintops Namen. Der ehemalige türkische Nationalspieler verkörpert nun plötzlich wieder die Hoffnung auf den Klassenerhalt. Trainer Torsten Frings lobte den Routinier in höchsten Tönen und forderte von dessen Kritikern Abbitte. "Was vorher über Hamit geschrieben wurde, war eine Frechheit: Als ob Darmstadt nichts anderes einfallen würde, einen 'Alten Opa' zu verpflichten."

Heute habe man gesehen, warum man diesen Hamit verpflichtet habe, betonte Frings: "Er hat Ruhe ins Spiel gebracht, kaum Fehler gemacht, Übersicht gezeigt und vorausschauend gespielt - einfach klasse." Es stimmt: Altintop spielte wie zu seinen besten Zeiten, als er mit der Türkei 2008 im EM-Halbfinale in Basel gegen Deutschland nur knapp verlor (2:3). Schon damals verkörperte Altintop in der Nationalmannschaft jene Steh-Auf-Mentalität, die Darmstadt in dieser Saison bislang vermissen ließ.

Nur noch vier Punkte zum Relegationsplatz

Nun aber ist die Hoffnung wieder da, dass die Lilien mit alten Tugenden erneut Fußball-Märchen schreiben können. Altintop verkörpert diesen Glauben. Nach seinem Debüt für die Lilien vor einer Woche beim verlorenen Derby bei Eintracht Frankfurt (0:2) insistierte der erfahrene Profi: "Wir müssen positiv bleiben, nicht immer nur das Negative sehen." 

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Was ein Erfolgserlebnis auslösen kann, war dann am Samstag zu bestaunen. Die Lilien sind zwar noch immer Letzter, aber Relegationsplatz 16 ist nur noch vier Punkte entfernt. Und noch viel wichtiger: So gut hat diese Elf in dieser Saison noch nie gespielt. Auch dank Altintop, der vor dem 1:0 von Terrence Boyd (21.) intelligent den Ball erobert - und das 2:1 von Colak (67.) mit einem raffinierten Lupfer auf Vorlagengeber Sidney Sam eingeleitet hatte.

Auch die beiden anderen Zugänge des Winters, Sam und Boyd, überzeugten. Das Geheimnis der wundersamen Wandlung der Mannschaft lag aber auch in einem Wort, das Trainer Torsten Frings seinen Spielern mit auf den Weg gegeben und das er auch selbst vorgelebt hatte: Mut. In den letzten Monaten und auch in den ersten drei Spielen unter Frings standen die Darmstädter ganz tief in der eigenen Hälfte und warteten nur drauf, was der Gegner macht.

Die Fans bejubeln wieder jeden Zweikampf

Gegen Dortmund aber griffen die Lilien ihre Gegenspieler schon in deren eigenen Hälfte an und spielten nach Ballgewinnen zielstrebig nach vorne. So viele Chancen wie gegen den BVB hatte diese Mannschaft in der ganzen Runde nicht. Die Fans bejubelten wieder jeden Zweikampf wie eine Meisterschaft, jedes Tor wie einen Triumph und den Sieg nach dem Abpfiff wie ein Signal für neue Wunder.

"Sollen doch die anderen denken, bei uns geht nichts mehr. Wir denken das nicht", sagt Jerome Gondorf. Fast klingt das schon wieder wie eine Drohung, vor der sich die Gegner fürchten sollten. Dass das so ist, müssen die Lilien mit ihrem neuen Anführer Hamit Altintop nächste Woche in Hoffenheim beweisen.

Aus Darmstadt berichtet Tobias Schächter

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