Bundesliga

02.02.2016 - 21:28 Uhr


Claudio Pizarro: In der Heimat zurück zur alten Stärke

Claudio Pizarro blüht an seiner alten Wirkungsstätte noch einmal auf

Der Peruaner hat mit drei Treffern in zwei Spielen allen Grund zu guter Laune

Pizarros 3:3 gegen Hertha BSC sichert Werder einen wichtigen Punkt

Bremen - Der SV Werder Bremen ist sehr gut aus der Winterpause gekommen. Nach dem überraschenden Auswärtscoup auf Schalke (zum Spielbericht) zeigte die Mannschaft von Trainer Viktor Skripnik im Heimspiel gegen Hertha BSC eine tolle Moral und holte nach zweimaligen Zwei-Tore-Rückstand noch ein 3:3-Remis. Einen sehr großen Anteil am derzeitigen Werder-Aufschwung hat Claudio Pizarro. Der 37-Jährige erzielte in den beiden Partien insgesamt drei Tore und hat seinen Torriecher noch nicht verloren.

Er kann es noch, trotz seines hohen Fußballeralters: Toreschießen. Claudio Pizarro ist derzeit bei Werder eine Art Lebensversicherung in der Offensive. Am Samstag erzielte er seinen ersten Doppelpack seit dem 26. April 2014, damals noch im Trikot des FC Bayern beim 5:2 gegen Werder. Mit seinen Toren 180 und 181 überholte er in der ewigen Bundesliga-Torschützenliste Ex-Europameister Stefan Kuntz (179) und schob sich auf Platz fünf, zusammen mit Ulf Kirsten.

Einen Rang vor ihm platziert, ist mit Manfred Burgsmüller übrigens eine weitere Werder-Ikone. Der ehemalige Stürmer der Bremen hat allerdings 213 Treffer erzielt. Das ist selbst für Pizarro noch eine Menge Holz. Erfolgreichster ausländischer Torschütze der Bundesliga-Historie ist der Ex-Bayern-Spieler aber schon längst. Bereits am 9. Spieltag der Saison 2010/11 löste er Giovane Elber (133 Tore) an der Spitze ab.

Rückkehr an die alte Wirkungsstätte

Seit September vergangenen Jahres spielt Pizarro wieder bei den Grün-Weißen. Es ist das dritte Mal in seiner Karriere. Werder ist für den Vollblutstürmer eine Herzensangelegenheit: "Ich freue mich wieder hier zu sein und hoffe, dass ich meine Erfahrung bestmöglich für das Team einsetzen kann", erklärte Pizarro bei seiner Ankunft am Bremer Flughafen. Die Werder-Legende wurde bei seiner Rückkehr von den euphorischen Werder-Fans wie ein Messias empfangen. Die Erwartungen an "Pizza" stiegen sofort ins Unermessliche. Nach drei Jahren Abstinenz spielt er nun wieder im Trikot der Werderaner. Zusammen mit seiner Frau Carla, seinen drei Kindern und seinen zwei Hunden zog er wieder in das gleiche Haus, in dem er schon bei seinem letzten Engagement in der Hansestadt wohnte. "Bremen ist meine Heimat", erklärte Pizarro stolz.

Gleich im ersten Spiel nach seiner Rückkehr schien sich die Verpflichtung des bis dato arbeitslosen Pizarro schneller auszuzahlen als gedacht. Trainer Skripnik brachte ihn direkt in Hoffenheim beim Stande von 1:1 acht Minuten vor Schluss. Mit einem Assist in der 90. Minute bereitete er das 2:1 durch seinen Sturmkollegen Anthony Ujah mustergültig vor. Am Ende hieß es sogar 3:1 für die Bremer (Spielbericht im Video). Seinen Torriecher und seine Abgebrühtheit vor dem Tor hatte Pizarro nicht verloren.

Toller Einstand, doch danach Ladehemmungen

Doch nach der ersten Euphorie um seine Rückkehr und dem Auswärtsdreier in Hoffenheim wurde es ruhiger um den 37-Jährigen. Genauso wie die gesamte Mannschaft tauchte Pizarro oftmals unter. Die Kritiker, die ihm mangelnde Fitness unterstellten und an seiner Bundesligatauglichkeit zweifelten, wurden wieder lauter. In den anschließenden zwölf Partien gelang Pizarro nur noch ein Treffer. Negativer Höhepunkt in dieser Phase war das 1:3 zuhause gegen den Erzrivalen Hamburger SV (Spielbericht im Video) Ende November. Der SVW, samt Pizarro, war schwer in den Abstiegskampf verwickelt. Bis zum Ende der Hinrunde blieben die Werderaner in der unteren Tabellenhälfte stecken und auch Pizarro erzielte beim 1:2 in Frankfurt zum Hinrundenabschluss (Spielbericht) nur noch einen weiteren Treffer.

Fit aus der Winterpause – Pizarro Gold wert

Dass der im Oktober 38 Jahre alt werdende Pizarro jedoch noch nichts von seiner Kaltschnäuzigkeit verloren hat, zeigte er in den vergangenen beiden Partien. Wichtig war für ihn, dass er endlich wieder eine komplette Vorbereitung absolvieren konnte. Auf Schalke traf Pizarro beim 3:1-Auswärtscoup zum vorentscheidenden 2:1. Am 19. Spieltag im Weserstadion legte er für einen Stürmer gute 10,5 Kilometer zurück. Gegen die Hertha sicherte er mit seinem Doppelpack den Punkt. Zur zweiten Halbzeit veränderte Coach Skripnik die Taktik und zog den technisch versierten Peruaner zurück ins offensive Mittelfeld und beorderte den eingewechselten Fin Bartels zu Ujah in den Sturm. Der traf zunächst zum 1:2-Anschluss, ehe Pizarro dann einen Strafstoß eiskalt zum 2:3 verwandelte. Per Kopf netzte er dann einen Freistoß seines guten Freundes Santiago Garcia zum 3:3 ein.

Jetzt winkt dem Routinier, der am Freitag bei Borussia Mönchengladbach sein 400. Bundesliga-Spiel absolvieren könnte, sogar eine weitere Vertragsverlängerung. Sollte Pizarro weiter so gute Leistungen auf dem Feld zeigen, wird Sportchef Thomas Eichin nicht drumherum kommen den Vertrag mit Pizarro noch um weitere Saison zu verlängern. Voraussetzung für den Peruaner ist jedoch der Klassenerhalt von Werder. Von diesem ist Trainer Skripnik aber spätestens seit der Partie gegen die Hertha vollends überzeugt: "Ich habe immer gesagt, dass die Jungs einen tollen Charakter haben", betonte der Coach und legte sich fest: "Diese Mannschaft steigt nicht ab."

Alexander Barklage

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