Bundesliga

03.03.2016 - 09:11 Uhr


Claudio Pizarro: Bremens Lebensversicherung

Claudio Pizarro ist der älteste Spieler, dem in der Bundesliga drei Tore gelungen sind

Leverkusen - Claudio Pizarro entwickelt sich mehr und mehr zur Mensch gewordenen Lebensversicherung beim SV Werder Bremen. Bei Werders spektakulärem 4:1-Auswärtssieg bei Bayer 04 Leverkusen gelangen dem Peruaner ein Dreierpack und seine Saisontreffer acht bis zehn. Einen neuen Bundesliga-Rekord stellte der 37-Jährige ganz nebenbei auch noch auf.

Claudio Pizarro ist der älteste Spieler der Bundesliga-Geschichte, dem drei Tore in einem Spiel gelangen. Mit seinen knapp siebenunddreißigeinhalb Jahren trumpft der Bremer Mittelstürmer so stark auf wie in seinen besten Zeiten. Der Jungbrunnen, in den er in Bremen gefallen sein muss, wurde noch nicht genau lokalisiert. Clemens Fritz, mit 35 Jahren ebenfalls ein erfahrener Vorzeigeprofi, hat aber eine Idee. "Ich weiß zwar nicht, wo der Jungbrunnen genau steht", lachte der Werder-Kapitän auf die entsprechende Frage von bundesliga.de. "Wir wohnen aber nicht so weit auseinander entfernt. Er wird irgendwo dazwischen liegen", vermutete Fritz.

"Die alten Haudegen machen den Altersdurchschnitt kaputt"

Thomas Eichin, Werder-Geschäftsführer Sport, bestreitet die Existenz eines solchen Jungbrunnens. "Claudio hat keinen ", meint Eichin trocken. "Er ist ein Profi und lebt den ganzen Tag danach. Mit seiner Kaltschnäuzigkeit ist er für unsere junge Mannschaft genauso wie Clemens Fritz Gold wert. Wir haben diese zwei alten Haudegen. Sie machen dann zwar unseren Altersdurchschnitt im Kicker kaputt. Aber ansonsten sind sie sehr wichtig für unseren jungen Spieler."

Zehn Tore hat Claudio Pizarro in dieser Saison bereits erzielt, alleine in den sieben Rückrundenpartien knipste er sagenhafte achtmal. Hätte nicht sein Mitspieler Papy Djilobodji beim Stand von 3:0 für Werder unbedrängt ein Eigentor fabriziert, hätte der Südamerikaner in Leverkusen gar den klassischsten aller Hattricks erzielt. Drei Tore hintereinander in einer Halbzeit, eins mit links, eins mit rechts und eins per Kopf. Pizarro wird es verkraften können.

"Tempo und Abschluss waren Weltklasse"

Seine Mitspieler versetzt er auch so in Entzücken. "Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich bin nicht darüber erstaunt, wie er den Ball beim 2:0 ins Tor lupft", sagte Clemens Fritz. "Ich war erstaunt, wie schnell er Richtung Tor kam. Die Balleroberung, das Tempo und der Abschluss waren Weltklasse. Wir brauchen Tore, um Spiele zu gewinnen, und können uns dabei auf ihn verlassen. Ohne ihn jetzt unter Druck setzen zu wollen, hoffe ich, dass er bis zum Ende der Saison so treffsicher bleibt."

Claudio Pizarro selbst genoss seinen Galaauftritt ausgiebig, blickte aber auch direkt voraus auf das kommende Spiel gegen Hannover 96. "Wir versuchen aus der schwierigen Situation herauszukommen", sagte Werders bester Torschütze. "Heute war ein sehr gutes Spiel von uns nach vorne. Jetzt hoffen wir, dass wir gegen Hannover endlich wieder einmal zuhause gewinnen."

Imponierende Zahlen

In Leverkusen spulte Pizarro ein anspruchsvolles Programm ab. 9,96 Kilometer ist er gelaufen, 50 Ballkontakte hatte er, seine Zweikampfquote lag bei für einen Angreifer starken 53 Prozent. Von vier Torschüssen landeten drei im Netz. Das nennt man äußerst effizient. "Für einen Stürmer ist es immer wichtig, viele Tore zu erzielen", weiß der Peruaner. "Dadurch bekommt man Selbstvertrauen und kommt in einen Lauf." Der dauert nun schon die komplette Rückrunde und eigentlich auch seine gesamte Karriere an. Seine Zahlen sind imponierend.

In Leverkusen gelang ihm sein erster Dreierpack in der Bundesliga seit drei Jahren. Am 30. März 2013 hatte er gegen den HSV sogar vier Mal eingenetzt. Bei seinem Auftritt in der BayArena traf er zum sechsten Mal mindestens drei Mal in einem Bundesliga Spiel, fünf Mal mit Bremen und ein Mal mit den Bayern. Erstmals gelang dem Rekordausländer der Bundesliga-Historie (404 Bundesliga-Einsätze, 186 Bundesliga-Tore) im letzten Jahrtausend am 19. September 1999 bei einem 7:2-Auswärtsieg mit Bremen beim VfL Wolfsburg ein Dreierpack.Der Peruaner löste Manfred Burgsmüller als ältesten Dreierpack-Schütze der Bundesliga-Geschichte. Burgsmüller war dieses Kunststück mit 36 Jahren und sieben Monaten übrigens auch im Trikot von Werder Bremen gelungen. Am 9. August 1986 traf er drei Mal bei einem 5:3 von Bremen gegen Nürnberg.

Vertragsverlängerung wahrscheinlich

Dank der Treffsicherheit ihres Veteranen kann der SV Werder nun wieder optimistisch in den Saisonendspurt gehen. "Wir haben die Qualität, müssen aber jetzt die Konstanz reinbekommen", forderte Zlatko Junuzovic nach dem Sieg in Leverkusen, der Werder auf Platz 15 hievte. "Wir müssen jetzt gegen Hannover zuhause nachlegen, den Bock umstoßen und dürfen nicht in alte Verhaltensmuster zurückfallen", gibt auch Thomas Eichin die Marschrichtung vor. "Wir müssen unseren Fans mit aller Gewalt einen Sieg schenken."

Dann könnte sich auch die Bundesliga-Karriere von Claudio Pizarro um ein weiteres Jahr verlängern. Denn aufhören will er im Sommer jedenfalls noch nicht. Sein Vertrag in Bremen läuft aus. Noch gibt es keinen Gesprächstermin, das dürfte sich aber bald ändern. Beide Parteien sind gesprächsbereit.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski

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