Bundesliga

23.06.2016 - 12:04 Uhr


Carlo Ancelotti: Ein bodenständiger Weltmann auf der Bayern-Bank

Köln – Zur kommenden Saison übernimmt Carlo Ancelotti beim FC Bayern München. Neben seiner neuen Mannschaft dürfen sich auch die italienischen Gastwirte auf den neuen Bayern-Coach freuen. Der 57-Jährige arbeitete als Trainer zwar schon in vier verschiedenen Ländern und hat einen Zweitwohnsitz in Kanada, aber der Küche seiner norditalienischen Heimat ist er bis heute treu geblieben. Diese Mischung aus kosmopolitischem Flair und absoluter Bodenständigkeit zeichnet Ancelotti aus. Sie ist eine der Geheimnisse seines Erfolgs.

"Ich hatte noch nicht viel Zeit, mich einzuleben, aber ich habe ein großartiges Restaurant entdeckt. Das war das Erste, was ich nach meiner Ankunft getan habe", sagte Ancelotti einst nach dem Start seines Engagements beim FC Chelsea. Und auch in München wird er sicherlich schnell fündig werden. Zu extravagant muss es für Ancelotti gar nicht sein. Eine gute, hausgemachte Pasta mit frisch geriebenem Parmesankäse - mehr Bedarf es nicht, um den Gaumen des Fußballlehrers zu erfreuen.

Die Zutaten stehen im Mittelpunkt

Zu den Produkten aus Parma hat der Erfolgscoach eine ganz besondere Vorliebe. Seine Eltern betrieben in seinem Geburtsort Reggiolo, der nur 40 Kilometer von Parma entfernt liegt, einen Bauernhof. Sie produzierten Milch und Käse. Auch den guten Parma-Schinken lernte er in seiner Kindheit schätzen. Empfängt er Gäste zum Essen, dürfen diese Spezialitäten nicht fehlen. Einfache Produkte von höchster Qualität ergeben eben auch ein großartiges Geschmackserlebnis. Bei Ancelotti stehen die Zutaten im Mittelpunkt – in der Küche wie auf dem Fußballfeld.

Es gehört zu seinen Prinzipien, eine Mannschaft nicht in ein bestimmtes taktisches Korsett zu zwingen, sondern den Spielstil passgenau nach seinem Spielermaterial auszurichten. "Ein Trainer muss sich dem größten Talent im Team anpassen, nicht umgekehrt", erklärt Ancelotti in seinem Buch "Quiet Leadership - Wie man Menschen und Spiele gewinnt". Bei Real Madrid war sein größtes Talent Cristiano Ronaldo. Er ließ den Portugiesen frei zur Entfaltung kommen und der dankte es ihm mit Toren und Titeln am Fließband. "Er bringt selbst die besten Spieler weiter", lobt Ronaldo seinen ehemaligen Trainer. Es gibt kaum einen ehemaligen Spieler, der nicht in höchsten Tönen von Ancelotti schwärmt.

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"Carlo war auf dem Platz der ideale Trainer"

Geprägt wurde der Trainer Carlo Ancelotti maßgeblich von Arrigo Sacchi, der ihn beim AC Mailand trainierte. Sacchi entwickelte den berüchtigten italienischen Catenaccio weiter und formte eine Elf, die bis heute als Vorreiter des mordernen Fußballs gilt. Aggressives Pressing, offensive Außenverteidiger und dominanter Ballbesitzfußball – all das zeichnete das Mailänder Team Ende der achtziger und Anfang der neunziger Jahre aus. Titel am Fließband und der ehrfürchtige Spitzname "Gli Immortali" ("Die Unsterblichen") waren die Folge.

Ancelotti war das Herzstück der Unsterblichen. Als "Sechser" mit großartigen strategischen Fähigkeiten prägte er das Mailänder Spiel. "Er war dick und wirkte langsam. Doch im Spiel dachte er schneller als alle anderen. Er war auf dem Platz der ideale Trainer", sagte Sacchi einmal über ihn. Sacchi war so überzeugt von Ancelotti, dass er ihn nach dem Ende seiner aktiven Karriere 1992 als Co-Trainer zur italienischen Nationalelf holte. Es war der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte.

Drei Mal die Champions League gewonnen

1995 verließ er das Nationalteam und wurde Chefcoach beim AC Reggiana, den er in seiner ersten Saison direkt zum Aufstieg in die Serie A führte. Und erfolgreich ging es für ihn weiter. Insgesamt drei nationale Meisterschaften und drei Pokalsiege feierte er in Italien, England, Frankreich und Spanien. Noch beeindruckender ist aber seine Bilanz in der Champions League: Drei Mal coachte er bereits ein Team zum Titel in der Königsklasse. Das gelang keinem anderen Trainer seit Einführung der Champions League 1992. Den Münchnern wird dabei besonders der letzte Triumph in schlechter Erinnerung geblieben sein. Im Halbfinale 2014 demütigte er Guardiolas Bayern in der Allianz Arena. Real Madrid gewann das Rückspiel in München mit 4:0 und setzte sich anschließend auch im Finale durch.

Vielleicht ist es auch dieses Erlebnis gewesen, dass die Bayern bei der Suche nach einem Nachfolger für Pep Guardiola zu Carlo Ancelotti geführt hat. "Carlo Ancelotti", betonte Karl-Heinz Rummenigge jedenfalls bei der Bekanntgabe der Verpflichtung, "hatte als Trainer überall Erfolg und hat drei Mal die Champions League gewonnen. Carlo ist ein ruhiger, ausgeglichener Fachmann, der mit Stars umgehen kann und einen variantenreichen Fußball spielen lässt - das haben wir gesucht, das haben wir gefunden."

Ancelotti spricht vier Sprachen fließend

Für Ancelotti begann mit der Verpflichtung eine Zeit des Lernens. Die Landessprache zu beherrschen ist für ihn von zentraler Bedeutung. Deshalb paukt Bayerns neuer Chefcoach bereits fleißig deutsch. Neben seiner Muttersprache Italienisch spricht er fließend Spanisch, Französisch und Englisch. Angesichts des internationalen Bayern-Kaders sicherlich kein Nachteil.

Florian Reinecke

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