Bundesliga

30.09.2016 - 16:30 Uhr


Schalke will mit breiter Brust zum ersten Dreier

Gelsenkirchen - Geht es nach dem FC Schalke 04, hat die Mannschaft mit dem 3:1-Erfolg über RB Salzburg in der Europa League die Krise aus dem Stadion geschossen und die Grundlage für den ersten Sieg in der Bundesliga gelegt.

"Wir haben jetzt wieder mehr Selbstbewusstsein", ist Sportvorstand Christian Heidel sicher. "Und ich hoffe doch sehr, das wird man am Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach auch sehen und spüren." Null Punkte aus den ersten fünf Partien in der Liga, erst zwei Tore erzielt, Tabellenletzter – die Fakten stehen unumstößlich. Doch seit Donnerstagabend hat auf Schalke neue Hoffnung auf bessere Zeiten Einzug gehalten.

Rückkehr zu alten Tugenden

Beim klaren 3:1-Sieg über RB Salzburg war zwar noch nicht alles perfekt, doch die Richtung scheint wieder zu stimmen bei den Königsblauen. "Kampf und Einstellung waren eine gute Reaktion auf das Spiel in Hoffenheim", zeigte sich Christian Heidel zufrieden, der seine Profis nach der erneuten Niederlage am vergangenen Wochenende schwer angezählt hatte. Dass vor allem spielerisch noch nicht alles zu 100 Prozent funktioniert habe, sei bei der Ausgangslage klar gewesen.

"Es war keine einfache Situation für die junge Mannschaft", gab auch Markus Weinzierl zu. Doch gerade der Trainer war es, der seine Spieler im Vorfeld auf eine positive Herangehensweise eingeschworen hatte, wie Benedikt Höwedes verrriet: "Der Trainer strahlt eine superpositive Energie aus. Er vermittelt uns den Glauben, dass wir für unsere Arbeit letztlich auch belohnt werden."

Der Kapitän geht voran

Höwedes selbst ging gegen die Salzburger mit gutem Beispiel voran. Der Kapitän stellte sich als Rechtsverteidiger wieder voll in den Dienst der Mannschaft, war kämpferisch ein Vorbild und belohnte sich mit einem Tor. "Balsam für das Herz" sei der Sieg, ließ Höwedes nach dem Abpfiff verlauten. Und Balsam für den Geist, möchte man meinen, denn die Schalker konnten auch ganz rational eine Reihe von positiven Ansätzen für sich verbuchen. Mit dem Druck konnte die Elf in der Anfangsphase gut umgehen und biss sich in die Partie hinein. "Der Einsatz hat gestimmt, die Aggressivität war da", freute sich Max Meyer. Benedikt Höwedes verteilte ein Extralob an seine Mannschaft: "Wir haben Charakter bewiesen. Als Team sind wir stabil und stehen alle zueinander."

"Es ist wichtig, dass wir kämpfen"

Endlich konnte ein Führungstor den Schalkern auch Sicherheit geben. Sowohl gegen Köln aus auch in Hoffenheim war dem eigenen Treffer relativ prompt das Gegentor gefolgt. Dieses Mal behielt man die Partie unter Kontrolle, ließ Ball und Gegner laufen und erarbeitete sich einige gute Möglichkeiten. Mit einem Mix aus Entschlossenheit, Kampfgeist und Glück wurde der Vorsprung ausgebaut. Spielerische Defizite waren zwar immer noch zu erkennen, doch das soll die jetzt wieder breite Brust der Schalker Spieler nicht mindern. "Wir wissen selbst, dass wir zurzeit nicht unseren besten Fußball spielen. Aber es ist wichtig, dass wir kämpfen. Der Rest kommt dann von alleine", ist sich Max Meyer sicher, der die Mannschaft für die nächste Partie am Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach gerüstet sieht: "Mit den Grundtugenden, die wir gegen Salzburg gezeigt haben, haben wir auch gegen Gladbach eine gute Chance."

Großer Respekt vor Gladbach

Das neue Selbstbewusstsein ist da vor dem Kracher gegen die Elf vom Niederrhein, die Erleichterung entsprechend groß  – von Überheblichkeit aber ist Schalke so weit entfernt wie von der Tabellenspitze. "Jeder Sieg tut gut, aber wir wissen auch, was am Sonntag auf uns wartet", bestätigt Johannes Geis. Groß ist auf allen Seiten der Respekt vor den Gästen. "Wer die Gladbacher in der Champions League gegen Barcelona gesehen hat, der weiß, was für eine super Mannschaft das ist", meint Markus Weinzierl. Für Christian Heidel ist Borussia Mönchengladbach sogar "der Verein, der sich in den letzten Jahren am meisten entwickelt hat und nicht zufällig in der Champions League spielt." Der Sportvorstand warnt vor einer „brandgefährlichen Mannschaft" und ist überzeugt: "Das wird eine ganz schwierige Nummer."

"Das war nur der erste Schritt"

Besteht der FC Schalke 04 am Sonntag auch diesen Härtetest und fährt im sechsten Anlauf endlich den ersten Bundesligasieg ein, wird auch Heidel die Schalker Krise erst einmal zu den Akten legen. Nach dem Erfolg über Salzburg wollte er das noch nicht tun: "Das war nur der erste Schritt. Fragen Sie mich am Sonntagabend nochmal."

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte

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